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Denkmalpflege

Regensburger Römermauer im rechten Licht

Oberbürgermeister Hans Schaidinger übergab das jüngste „document“ der Öffentlichkeit. Es verbindet einen Spaziergang mit 2000-jähriger Geschichte.
Von Claudia böken, MZ

  • Im Parkhaus Dachauplatz ist die Römermauer jetzt besonders gut erlebbar.Foto: altrofoto.de
  • Kulturreferent Unger, Elisabeth Bergschneider und OB Schaidinger (von links) bei der Enthüllung der Tafel Foto: altrofoto.de

Regensburg.Ein attraktiver Spazierweg vom Regensburger Ernst Reuter-Platz über den Hof der IHK, durch das Parkhaus Dachauplatz bis zum Hunnenplatz und dabei immer entlang des römischen Legionslagers. Seit gestern ist das „document Legionslagermauer“ offiziell freigegeben, auch wenn es schon seit einigen Wochen von Regensburgern und Touristen gerne genutzt wird. Bei der feierlichen Übergabe am Nachmittag konnte die kleine Terrasse neben dem „Lessing“ am Ernst-Reuter-Platz die vielen Ehrengäste kaum fassen, die gekommen waren, um das „Freilichtmuseum“ in Augenschein zu nehmen.

Geschichte an Ort und Stelle

Kulturreferent Klemens Unger drückte seine Freude darüber aus, dass das Werk zu gut gelungen sei. Er selbst erinnerte sich an seine Volksschulzeit in der nahe gelegenen Klarenangerschule. Wenn sie als Buben brav gewesen seien, habe sie ihr Lehrer Karl Bauer nach der vierten Schulstunde zu einem „Unterrichtsgang“ geführt. So habe er seinerzeit die Römermauer erlebt und erfahren, dass sie 2000 Meter lang sei. „Schöner kann man die Geschichte einer Stadt nicht erfahren“, sagte er. Ähnlich hautnah könnten jetzt Regensburger und Touristen die römische Geschichte erleben

Planungsreferentin Christine Schimpfermann erläuterte, dass das 1,7 Millionen Euro teure Projekt „Römisches Welterbe“ fast zufällig realisiert werden konnte. Als 2009 das Konjunkturprogramm „Investitionen in nationale Welterbestätten“ aufgelegt wurde, konnte sich die Stadt nur deshalb so schnell darum bewerben, weil die Vorarbeiten dazu schon geleistet worden waren. Die Pläne lagen beim Kulturreferenten in der „untersten Schublade“, wo er sie wegen Nichtfinanzierbarkeit verwahrt hatte. Durch das Programm brauchte Regensburg von den Kosten nur ein Drittel selbst zu bezahlen. Schimpfermann erinnerte die Zuhörer daran, dass die römischen Relikte sich früher weit unter ihrem Wert darstellen mussten. Jetzt mache es Spaß, sie bei einem Spaziergang zu erleben – besonders nachts.

„Keine museale Überhöhung“

Architekt Joachim Peithner sprach von den Herausforderungen, die das „document Legionslagermauer“ an ihn gestellt habe. „Eine Inszenierung der Römerzeit wäre schlecht gewesen, ebenso eine museale Überhöhung.“ Und „Asterix und die Römer in Regensburg“ wäre auch nicht erstrebenswert gewesen. Er habe einfach den Blickwinkel verändert und beispielsweise im Parkhaus durch die Beleuchtung und eine Wand, die gezogen wurde, das Parkhaus unscharf und die Römermauer scharf gezeichnet.

Oberbürgermeister Hans Schaidinger erinnerte daran, wie stiefmütterlich die Römermauer im Parkhaus früher behandelt wurde. Die Vertiefung sei von vielen regelrecht als Müllkippe genutzt worden. Die Römermauer – das längste zusammenhängende Stück in Süddeutschland – sei immer ein Alleinstellungsmerkmal der Stadt gewesen. Jetzt aber werde sie erst angemessen präsentiert. Der OB erinnerte besonders an den Bergrenn- und Rallyefahrer Horst Bergschneider, dem es zu verdanken sei, dass die Südostecke der Legionsmauer bis heute erhalten geblieben sei. Es habe einen „Zuagroasten“ gebraucht, der erkannt habe, welchen Schatz Regensburg mit seinem römischen Erbe besitzt. An Bergschneider erinnert jetzt eine Ehrentafel auf dem neuen Steg über die Mauerreste am Ernst-Reuter-Platz. Schaidinger enthüllte sie gemeinsam mit dessen Witwe Elisabeth.

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