mz_logo

Regensburg
Montag, 16. Juli 2018 29° 8

Regensburger Zahnärztin behandelt die Ärmsten der Armen

Die Regensburger Zahnärztin Dr. Iris Neuner Foto: privat

Die Regensburger Zahnärztin Dr. Iris Neuner hat unweit der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu in einem Hilfsprojekt gearbeitet. Sie behandelte die Ärmsten der Armen und kämpfte, weitab von deutscher Gesundheitsreform, mit den Hürden der Bürokratie.

Von Kathmandu in das etwa 500 Einwohner zählende Bauerndorf Mahadev Besi sind es 40 Kilometer. Der Bus braucht für die Strecke vier Stunden. Der Zustand der Straße ist so verheerend, dass er nicht schneller als 30 Stundenkilometer fahren kann. Dabei ist die Straße einer von vier Highways in Nepal. Sie führt von der Metropole mit 2,5 Millionen Einwohnern nach Indien.

Mahadev Besi liegt im Mahesh-Khola-Tal am Trisuli Fluss. Der ist die Lebensgrundlage etlicher Einwohner – und mit ein Grund, warum hier auf Zahnärzte viel Arbeit wartet. Unter Gestellen, über die sie Plastikplanen geworfen haben, hausen die Menschen direkt am Ufer. Im Winter ist es bitterkalt. Ihre Quartiere haben sie hier aufgeschlagen, weil die Kiesel, die sie aus dem Wasser klauben, ihre Lebensgrundlage sind. Von den Kindern bis zu den Großeltern klopfen alle Familienmitglieder die Steine klein. Den Kies verkaufen sie für ein paar Rupies. Unberücksichtigt bleibt bei dem Preis, dass die bei der Arbeit splitternden Steine immer wieder zu bösen Verletzungen führen. Viele haben sich so auch Zähne abgeschlagen. Als die Menschen hören, dass eine Zahnärztin in ihrem Dorf angekommen ist, ist ihre Freude groß.

Eine regelmäßige medizinische Versorgung gibt es im Bergdorf Mahadev Besi nicht. Die nepalesische Hilfsorganisation „Women’s Guidance Association“ hat in Kooperation mit der deutschen „Hope“-Organisation einen so genannten Health-Post (Gesundheits-Stützpunkt) eingerichtet. Seinen Namen verdient er noch nicht, denn es gibt hier weder medizinisches Gerät, noch Medikamente. Der Health-Post ist nur ein festes Gebäude mit vier Zimmern und einer Krankenschwester.

Als Iris Neuner hier im Auftrag der im Januar von Dr. Agnes Wagner aus Rottach-Egern gegründeten Organisation „Dental Volunteers“ für vier Wochen ihre Zahnstation einrichtet, herrscht erstmals eine Art geregelter medizinischer Betrieb. Wohlgemerkt eine Art. Stromausfälle und große Wackersteine, die die einheimischen Behörden der Regensburgerin in den Weg rollen, sorgen dafür, dass ein Großteil des gut vierwöchigen Aufenthalts der 33-Jährigen ungenutzt verstreicht.

Iris Neuner schüttelt heute noch den Kopf über den „bürokratischen Wahn“ des Medical Council in Kathmandu. Alle Dokumente hat sie im Vorfeld ihrer Reise beigebracht, vom Visum bis zur beglaubigten Approbationsurkunde. 100 Dollar Gebühren hat sie zudem berappt. Auch für den Flug von München über Doha nach Kathmandu mussten die Einheimischen nichts bezahlen. Doch vor Ort verweigern die Behörden ihr den Stempel, der die Rechtmäßigkeit ihrer Arbeit bestätigt. Neuner: „Die Behörde ist der Ansicht, dass das Land keinerlei Hilfe von ausländischen Ärzten bedarf. Darum wurde ich wieder und wieder vertröstet.“ Die Zahnärztin führt etliche Telefonate, zweimal macht sie sich auf den beschwerlichen Weg und spricht persönlich im Medical Council in Kathmandu vor. Schließlich platzt ihr der Kragen, und sie zieht ihren Antrag auf die Arbeitserlaubnis zurück. Da erreicht die Absurdität ihren Höhepunkt: Binnen 30 Minuten bekommt sie ihre 100 Dollar zurück und der Fall ist erledigt. Dass sie fortan quasi illegal Zähne ziehen wird, interessiert keinen.

Nepal ist bereits das zweite Hilfsprojekt, in dem Iris Neuner sich engagiert. 2001 behandelte sie Favela-Kinder im brasilianischen Recife. Wenn sie die beiden Einsätze vergleicht, stellt sie der in Südamerika mehr zufrieden. Die Religion des Hinduismus führe dazu, dass viele Menschen sich ihrem Schicksal einfach ergeben und in Lethargie verfallen. Iris Neuner beschreibt das so: „Man hat den Eindruck, als denken die Menschen: ‚Wenn ich Glück habe, werde ich im nächsten Leben in einer höheren Kaste wiedergeboren. Bis dahin ist es halt so wie es ist‘.“

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht