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Regensburg
Mittwoch, 19. September 2018 31° 1

Antisemitismus

Regensburgs erstes Buch über die Pogromnacht

In nur einer Nacht erlosch das jüdische Leben in der Stadt. Waltraud Bierwirth und Dr. Klaus Himmelstein legen eine Pionierarbeit vor.
Von Flora Jädicke, MZ

Der Erlös aus dem Verkauf der Bücher kommt dem Neubau der Jüdischen Gemeinde zugute. Die Autoren Waltraud Bierwirth und Klaus Himmelstein mit der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Ilse Danziger (Mitte). Foto: Jädicke

Regensburg.Erst brannte die Synagoge. Anschließend zerstörten und plünderten die Terrorgruppen der SS und der SA jüdische Geschäfte und Wohnungen. Sie misshandelten und verschleppten Männer, Frauen und Kinder. Was in jener Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 auch in Regensburg geschah, ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Das aktuelle Werk der Journalistin und Autorin Waltraud Bierwirth und des Erziehungswissenschaftlers Dr. Klaus Himmelstein ist die erste Publikation, die sich mit den Novemberpogromen in Regensburg befasst.

Der lange Weg zur neuen Synagoge

Bierwirth und Dr. Himmelstein haben ein 132 Seiten starkes Werk vorgelegt, das ein Schlaglicht auf die Demütigung und Zerstörung jüdischen Lebens in Regensburg wirft. „Das November-Pogrom – der lange Weg zu einer neuen Synagoge“ ist eine Aufarbeitung Regensburger Stadtgeschichte. Sie beschreibt die Ereignisse aus unterschiedlichen Perspektiven und scheut sich nicht, Ross und Reiter zu nennen, wenn es um die Täter geht.

In acht Monaten wühlte sich Bierwirth durch die Akten von Regierungen, Staatsanwaltschaft Regensburg, der Wiedergutmachungsbehörde und zahlreicher Archive. Einige Akten wurden erstmals freigegeben. „Die Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv Amberg war hervorragend“, sagt Dr. Klaus Himmelstein. Dennoch bleibt manches im Verborgenen. Der Unmut darüber, wurde auch bei der Lesung in der Jüdischen Gemeinde deutlich. So ist das gesamte Thema um die „Arisierung“ jüdischen Eigentums nach wie vor Aktengeheimnis, klagt Rainer Ehm. „75 Jahre nach dem Brand der Synagoge und vor dem Hintergrund ihres Neubaus haben wir uns in dieser Veröffentlichung vor allem um die Zerstörung der Synagoge gekümmert“, antwortet Bierwirth.

Erlös des Buches für den Neubau

Bierwirth und Himmelstein gliedern das Buch in zwei Abschnitte. „Das Novemberpogrom“ (Bierwirth) mit den Kapiteln „Vorboten“, „Synagogenbrand“, „Terror-Nacht“, „Schandmarsch“, „Ausplünderung“ und „Täter vor Gericht“ bildet den ersten Teil. „Der lange Weg zu einer neuen Synagoge“ (Himmelstein) skizziert die Geschichte nach 1945, mit den Aspekten „Kriegsende in Regensburg – Ein schwieriger Anfang“, „Eine Kultur will überleben – jüdische DPs in Regensburg“, „Im Land der Täter – Hoffnung und Enttäuschung“ sowie „Eine Synagoge – Rückerstattung und Entschädigung“. Den Abschluss macht ein Interview mit der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Ilse Danziger.

Der Dokumentationsband mit ausführlichem Quellennachweis und historischen Bildern ist erschienen im Verlag Walhallanet Peter Sturm e.K.. Herausgeber sind die IG Metall, die Jüdische Gemeinde, Pax Christi, Bund der Antifaschisten. ISBN 978-3-9814689-4-6. Der Erlös aus dem Verkauf fördert den Neubau der Regensburger Synagoge.

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