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Regensburgs Wirte gehen auf die Straße

Am Freitag bauen die Gastronomen ein Meer aus Stühlen auf dem Haidplatz auf. Einige Betriebe stehen vor dem Aus.
von Gustav Wabra

Karl von Jena (Café Anna) und Karin Griesbeck (Alte Filmbühne) haben die Aktion mit bis zu 160 Stühlen auf dem Haidplatz am Freitag geplant. Foto: Wabra
Karl von Jena (Café Anna) und Karin Griesbeck (Alte Filmbühne) haben die Aktion mit bis zu 160 Stühlen auf dem Haidplatz am Freitag geplant. Foto: Wabra

Regensburg.Noch ist es nur ein Stuhl, neben dem Karl von Jena und Karin Griesbeck auf dem Haidplatz stehen. Doch am Freitagnachmittag soll hier ein Meer aus Stühlen entstehen – und zu einem Zeichen werden. Denn trotz der angekündigten Lockerungen für Restaurants und Hotels ist die ganze Branche weiterhin durch die Corona-Krise in Not, erklärt Karl von Jena, Chef im Café Anna.

„Wir sind mehr als nur Schweinebraten- und Bier-Verkäufer. Gastro ist auch Kultur, und die droht, verloren zu gehen“, sagt von Jena.

Unter dem Motto „Für den Erhalt der Vielfalt der Gastronomie und Hotellerie in Regensburg und seiner schönen Region“ beteiligen sich die Gastronomen an der bundesweiten Aktion „Leere Stühle“. „Bars, Kneipen und Diskotheken haben weiter keine Perspektive“, sagt von Jena. Griesbeck, die Chefin der Alten Filmbühne, merkt an, dass vieles unklar sei: Zum Beispiel wie viel Abstand zwischen den Tischen herrschen solle. „Oder ist es überhaupt wirtschaftlich aufzusperren?“ Viele Lokale könnten bei voller Pacht einen kleinen Freisitz nicht lukrativ betreiben.

Freisitze werden geöffnet

Neben den Lockerungen gibt es zudem erste angekündigte Erleichterungen von der Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Auf Anfrage der Mittelbayerischen teilte sie mit, eine deutliche Reduzierung der Freisitzgebühr dem Stadtrat vorzuschlagen. Einer möglichen Ausweitung von Freisitzen schob sie allerdings einen Riegel vor. Diese Flächen seien bereits, was Brandschutz und Verträglichkeit mit Anwohnern angehe, ausgereizt.

„Wir sind mehr als nur Schweinebraten- und Bier-Verkäufer. Gastro ist auch Kultur und die droht, verloren zu gehen.“

Karl von Jena, Café Anna

Griesbeck und von Jena freuen alle Zeichen der Lockerung und Unterstützung, doch sie gehen ihnen nicht weit genug. Mit der Aktion am Freitag, die von 14 bis 15 Uhr auf dem Haidplatz stattfinden soll, möchten die Gastronomen weitere Forderungen bekräftigen. Ausdrücklich weisen die Organisatoren darauf hin, dass sich niemand spontan an der Demonstration beteiligen kann, weil sonst die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können. Bei der Aktion fordern die Gastronomen unter anderem einen Rettungsfond für die Gastronomie – besonders für die Kneipen und Discos. Zudem fordern sie dauerhaft sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Essen und einen leichteren Zugang zu „KfW-Schnellkrediten“ auch für kleinere Betriebe.

Die Lockerungen

  • Freisitze:

    Die Außenbereiche der Gaststätten und Restaurants dürfen ab 18. Mai wieder öffnen.

  • Restaurants:

    Ab dem 25. Mai dürfen auf Speiselokale ihren Innenbereich öffnen. Dabei gelten strenge Abstands- und Hygieneregeln. Generell geschlossen bleiben Discos und Bars.

  • Hotels:

    Auch Hotels dürfen ab Pfingsten wieder öffnen.

Noch ist es einer, am Freitagnachmittag sollen 160 sein. Foto: Wabra
Noch ist es einer, am Freitagnachmittag sollen 160 sein. Foto: Wabra

Der Abbau bürokratischer Hürden für die Gastronomie ist ein weiteres Anliegen, genauso wie weitere kommunale Erleichterungen zum Beispiel bei der Gewerbesteuer. Auch eine Perspektive für Tagungen oder andere Veranstaltungen fordern die Gastronomen. Organisiert haben die Aktion neben von Jena und Griesbeck auch Florian Mascarello (Dechbettener Hof), Katrin Fuchshuber (Münchner Hof), Muk Röhrl (Gaststätte Röhrl). „Doch wir sind viel mehr. Mittlerweile haben sich 100 Gastronomen und Wirte in Regensburg in einer Whatsappgruppe zusammengetan“, sagt von Jena.

So reagiert die Gastronomie auf die Lockerungen

Kneipen am Krückstock

„Wenn nicht weitere Hilfen kommen, wird es einige Lokale hier in der Stadt treffen“, sagt Karin Griesbeck. Karl von Jena wisse, ohne Namen zu nennen, von Betrieben, die nicht mehr weiter machen können.

Vor allem Kneipen profitieren von den Lockerungen kaum. „Die Meisten haben wie wir keinen oder nur wenige Freisitze“, sagt Matthäus Sledziecki von der Heimat. Im Sommer sind die meisten Menschen eben draußen. „Mit Gutscheinen und Merchandise wie T-Shirts, versuchen wir uns über Wasser zu halten“, sagt Sledziecki. Auch deshalb hat die Heimat jetzt eine Crowdfunding-Aktion auf der Plattform Startnext gestartet und hofft auf Unterstützung durch die Stammkunden. Bei der Aktion am Freitag ist auch die Heimat mit dabei. „Wir brauchen staatliche Hilfe, sonst schaffen wir es nicht“, sagt Sledziecki.

Lockerungen

Regensburgs Gastronomen haben Hoffnung

Ab 18. Mai dürfen die Biergärten öffnen, Restaurants und Hotels folgen. Nur Diskotheken-Betreiber sind schwer enttäuscht.

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