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Mobilität

Regio-S-Bahn kommt nach Regensburg

Ab 2024 sollen Züge in der Region zur Hauptverkehrszeit im Halbstundentakt fahren. Doch weitere Verbesserungen müssen warten.
Von Jan-Lennart Loeffler

aEine S-Bahn-ähnliche Verbindung soll die Region rund um Regensburg in den nächsten Jahren bekommen. Symbolfoto: Tom Weller/dpa
aEine S-Bahn-ähnliche Verbindung soll die Region rund um Regensburg in den nächsten Jahren bekommen. Symbolfoto: Tom Weller/dpa

Regensburg.„Die Regio-S-Bahn kommt“, kündigt Noch-Verkehrsminister Dr. Hans Reichhart (CSU) am Montag beim Pressetermin im Landratsamt Regensburg an. Eingerahmt von der Regensburger Landrätin Tanja Schweiger, Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Landräten und Oberbürgermeistern aus der Oberpfalz und aus Niederbayern präsentierte Reichhart Auszüge aus dem sogenannten „Schienen-Personen-Nahverkehrs-Konzept Region Regensburg“.

Reichhart, der sich ab Februar ganz dem Kommunalwahlkampf widmen und sein Amt als Verkehrsminister abgeben wird, will Günzburger Landrat werden. Und so ist es sicherlich kein Zufall, wenn er als Minister noch das eine oder andere Projekt zum Abschluss bringen beziehungsweise den einen oder anderen Erfolg verkünden möchte.

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Die wichtigste Nachricht für Berufspendler und Bahnfahrer in der Region: Ab dem Jahr 2024 werden rund um Regensburg die Züge zu den Hauptverkehrszeiten im Halbstunden-Takt fahren. Weitere Verbesserungen wie neue Haltepunkte werden wohl noch länger auf sich warten lassen. Denn alles, was mit neuer Infrastruktur – beispielsweise einem dritten oder vierten Gleis zum Beispiel nach Obertraubling – zu tun hat, wird erst in einer zweiten Phase frühestens im nächsten Jahrzehnt in Angriff genommen.

Mehr Züge auf allen Verbindungen

Konkret soll es ab Ende 2024 im Großraum Regensburg unter anderem folgende verbesserte Angebote geben: Die Bahnen werden zum Beispiel im Einstundentakt sowohl zum Münchner Hauptbahnhof als auch zum Flughafen (ÜFEX) fahren. Jeweils einmal in der Stunde fährt dann eine Regionalbahn nach Straubing und zusätzliche noch ein Zug nach Plattling. Auch in Richtung Nürnberg und Neumarkt gibt es stündliche Verbindungen.

Viel Politikprominenz für einen besseren Schienenverkehr: Staatsminister Hans Reichhart (CSU) stellte gemeinsam mit Stadt- und Kreischefs aus der Oberpfalz und aus Niederbayern erste Ergebnisse des Schienen-Personen-Nahverkehr-Konzepts für die Region Regensburg vor.
Viel Politikprominenz für einen besseren Schienenverkehr: Staatsminister Hans Reichhart (CSU) stellte gemeinsam mit Stadt- und Kreischefs aus der Oberpfalz und aus Niederbayern erste Ergebnisse des Schienen-Personen-Nahverkehr-Konzepts für die Region Regensburg vor.

Durch diese stündlichen Verbindungen ergibt sich auf den Strecken zwischen Straubing, Landshut und Saal nach Regensburg zur Hauptverkehrszeit ein Halbstunden-Takt. Auf den Strecken von Regensburg-Schwandorf und Regensburg-Parsberg ergibt sich zu bestimmten Zeiten sogar ein 20-Minuten Takt. Einschränkungen wird es trotzdem noch geben: Zum Teil können auch nach der Fahrplanumstellung einige Stationen wie Poikam im Landkreis Kelheim infrastrukturbedingt nur im Einstunden-Takt bedient werden

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Die Oberbürgermeister und Landräte der Region kämpfen schon lange und lautstark für bessere Zugverbindungen. Tanja Schweiger betont noch einmal das Gewicht der Region: „Wir alle vertreten hier über 1,3 Millionen Menschen“, sagt die Landrätin mit Blick auf ihre Kollegen. Es ist in der Tat keine Selbstverständlichkeit, wenn zwölf Landräte und (Ober)-Bürgermeister aus zwei Regierungsbezirken gemeinsam an einem Strang ziehen. Das beweist einerseits, wie wichtig das Thema Nahverkehr ist, aber zeigt andererseits auch, wie schwierig es ist konkrete Verbesserungen zu erreichen. „Das, was hier in der Region passiert, ist nicht selbstverständlich“, lobt Reichhart die anwesenden Stadt- und Kreischefs. Das sei ein wichtiges Signal: „Man steht als Region hinter dem Ziel.“ Wenn nun in Zukunft mehr Züge auf den Gleisen rollen, dann ist das trotzdem nur ein Teilerfolg.

Infrastruktur muss ausgebaut werden

Denn mit den nun angekündigten Verbesserungen ist laut Gutachten dann das Mögliche auf den bestehenden Strecken erreicht. Die Forderung der Region nach einem S-Bahnähnlichen Betrieb mit durchgängigem 30-Minuten-Takt kann erst dann realisiert werden, wenn weitere Infrastrukturmaßnahmen umgesetzt sind. „Wir stoßen hier an unsere Grenzen“, sagt Reichhart. „Die Infrastruktur muss mitwachsen.“ Das sei auch wegen des Fernverkehrs, der durch die Region laufe, unverzichtbar.

„Wir sind eines der letzten ‚Diesel-Löcher‘ in Bayern.“

Michael Cerny, Oberbürgermeister von Amberg über den Schienenverkehr in der Oberpfalz

Die Maßnahmen, die nötig wären, die Kapazitäten weiter zu erhöhen, sind in der Region hinreichend bekannt - und werden zum Teil auch schon seit Jahren in den verschiedenen politischen Gremien diskutiert: die Elektrifizierung der Bahnstrecke Richtung Hof, ein drittes oder viertes Gleis nach Obertraubling oder der Ausbau der Donautalbahn.

Das soll sich ab 2024 verbessern:

  • Strecke nach Eggmühl/Landshut:

    1-h-Takt RB/RE Regensburg — Landshut — München-Flughafen (ÜFEX); 1-h-Takt RE Regensburg — Landshut — München Hbf

  • Strecke nach Schwandorf:

    1-h-Takt RB Regensburg — Schwandorf — Weiden; 1-h-Takt RE Regensburg — Schwandorf (— Hof/Prag): 1-h-Takt RB/RE Regensburg — Schwandorf (— Nürnberg)

  • Strecke nach Straubing:

    1-h-Takt RB Regensburg — Straubing — Plattling; 1-h-Takt RB Regensburg — Straubing (Hauptverkehrszeit)

  • Strecke nach Nürnberg:

    1-h-Takt RE Regensburg — Parsberg — Nürnberg; 1-h-Takt RB Regensburg — Parsberg — Neumarkt; 1-h-Takt RB Regensburg — Parsberg (Hauptverkehrszeit)

  • Streckenast nach Ingolstadt:

    1-h-Takt RB Regensburg — Saal — Ingolstadt; 1-h-Takt RB Regensburg — Saal (Hauptverkehrszeit)

„Wir sind eines der letzten ‚Diesel-Löcher‘ in Bayern“, sagt Michael Cerny. Der Oberbürgermeister von Amberg kritisiert nicht nur die fehlende Elektrifizierung, sondern auch den aus seiner Sicht immer noch mangelhaften Ausbau des Streckennetzes Richtung Tschechien. „Wir haben nur noch eine Grenze, die wirklich übrig geblieben ist. Die Bahn hat immer noch einen Eisernen Vorhang.“

„Das Ziel muss aber weiterhin ein durchgängiger 30-Minuten-Takt sein.“

IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes

Kritik an Inhalt und Zeitpunkt der Ankündigung kommt vom Oberpfälzer Grünen-Bundestagsabgeordnete Stefan Schmidt. „Längst überfällige und teilweise schon vorhandene Verbindungen als Abschiedsgeschenk des scheidenden Verkehrsministers und Wahlkämpfers als Erfolg zu bezeichnen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie“, sagt Schmidt. „Insbesondere ohne flankierende Infrastrukturmaßnahmen, zum Beispiel des Gleisausbaus, der Elektrifizierung und der Barrierefreiheit von Bahnhöfen bleiben Verbesserungen in der Taktung allenfalls Flickwerk.“

Die IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim begrüßt das Engagement der Städte und Landkreise im Großraum Regensburg für den Schienenverkehr. „Stadt und Umland sind eng miteinander verbunden und dieser Verflechtung muss auch beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs Rechnung getragen werden“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes. Für die Unternehmen sei die Verkehrssituation eine der zentralen Kriterien für die zukünftige Entwicklung des Standorts. „Das Ziel muss aber weiterhin ein durchgängiger 30-Minuten-Takt sein“, sagt Helmes. Die dafür notwendigen Infrastrukturmaßen müssen daher schnellstmöglich festgestellt und umgesetzt werden.

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