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Reisebüros: Stornieren statt buchen

Die Corona-Krise zwingt Regensburger Reisebüros zur Umstellung. Die Abwicklung dauert deutlich länger als sonst.
Von Sarah Höger

Strand oder Berge? Egal, bei Buchungen sind die Regensburger vorsichtig.  Foto: Andrea Warnecke/dpa
Strand oder Berge? Egal, bei Buchungen sind die Regensburger vorsichtig. Foto: Andrea Warnecke/dpa

Regensburg.Im Reisebüro Arnold steht das Telefon derzeit nicht mehr still. Die Kunden am Telefon möchten wissen, wie es um ihre Reisen steht, welche Ansprüche sie haben, wo storniert werden kann und welche Reisen möglicherweise doch noch angetreten werden können. „Wir haben hier momentan viel zu tun, allerdings leider unentgeltlich“, sagt Inhaber Claus Arnold.

Die Reisebranche ist wegen der Corona-Krise angeschlagen. Täglich müssen sich die Mitarbeiter der Regensburger Reisebüros über neue Entwicklungen informieren, erst vergangene Woche hat das Auswärtige Amt die Warnung für Reisen ins Ausland verlängert. Und auch den Sommerurlaub im Ausland halten Teile der Politik eher für unwahrscheinlich: „Und solange die Reisewarnung besteht, dürfen wir in diesem Zeitraum auch keine Reisen anbieten“, erklärt Arnold.

Rückerstattung dauert länger als gewöhnlich

Wer eine Reise bis zum 14. Juni gebucht hat, kann wegen der Reisewarnung kostenlos stornieren. Laut Gesetz müssen die Reisebüros die Kosten innerhalb von 14 Tagen nach der Stornierung zurückerstatten: „Das ist derzeit aber nicht umsetzbar. Wir arbeiten schon so schnell wie möglich an der Abwicklung, aber wegen des hohen Aufkommens geht es im Moment nicht schneller“, klagt Maria Nietzel vom Reisebüro Ferntouristik.

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Bei Reisen ab dem 15. Juni müssen Reisende dagegen abwägen: Stornieren und die Kosten dafür in Kauf nehmen oder hoffen, die Reise antreten zu können. Beliebte Urlaubsländer wie Griechenland oder Österreich haben angekündigt, ab Juli wieder Touristen empfangen zu wollen. „Im Moment gibt es dafür bei den Regensburgern aber keine Nachfrage. Neu gebucht wird für dieses Jahr quasi gar nicht, es geht eher darum, ob bereits gebuchte Reisen angetreten werden können“, sagt Nietzel.

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Auch Tanja Petschl vom Reisebüro TUI Travel Star sagt, Reisen würden derzeit eher storniert als umgebucht, obwohl beispielsweise TUI mit Boni lockt, falls Reisen umgebucht oder neugebucht werden sollten. Alle drei Reise-Anbieter glauben jedoch an einen boomenden Deutschland-Tourismus dieses Jahr.

Reisebüros bangen um Existenz

Laut Petschl wollen die Regensburger derzeit allerdings eh nicht verreisen: „Ich denke, da spielt die Angst mit, die Reise dann doch nicht antreten zu können oder nicht mehr heimzukommen.“ Diese Sorge bestätigt auch Arnold: „Besonders ältere Reisende fürchten beengte Flugzeuge und Schiffe.“

Infos für Reisende

  • Problem:

    Es gibt keine einheitlichen Regelungen zum Umgang mit Umbuchungen oder Stornierungen nach dem 14. Juni, jeder Reiseveranstalter hat andere Konditionen.

  • Tipp:

    Die Verbraucherzentrale rät, sich frühzeitig mit seinem Reiseveranstalter in Verbindung zu setzen und Stornierungen sorgfältig abzuwägen.

Alle Reisebüros haben derzeit eins gemeinsam: Sie arbeiten unentgeltlich, weil neue Buchungen gar nicht oder kaum stattfinden. Die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit: „Unsere Existenzgrundlage ist gefährdet“, klagt Petschl.

Claus Arnold hofft darauf, dass keine zweite Corona-Welle kommt und seine Branche bald wieder durchstarten kann. Er appelliert deshalb an die Kunden: „Wir helfen euch in der Krise, bitte helft uns nach der Krise!“

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