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ReNeNa: Ein Netzwerk der Hilfe

Ergänzung statt Konkurrenz: 20 Kooperationspartner unterstützen Senioren unter dem Dach „Regensburger nette Nachbarn“.
Von Manfred Rohm

Der Kleinreparaturdienst hilft in vielen Lebenslagen: vom tropfenden Wasserhahn bis zum Riss in der Jacke.
Der Kleinreparaturdienst hilft in vielen Lebenslagen: vom tropfenden Wasserhahn bis zum Riss in der Jacke. Foto: Stadt

Regensburg.Dass sich Nachbarn gegenseitig helfen, sollte selbstverständlich sein, ist es aber leider nicht. Dort, wo nette Nachbarn in Regensburg gebraucht werden, kommt ReNeNa ins Haus.

Seit Jahren wohnt Irmgard Fuchs in einer Siedlung im Stadtsüden und hier möchte die Seniorin auch bleiben. Doch so ganz ohne Hilfe kommt die ältere Dame nicht aus. Aber sie weiß schon lange wohin sie sich wenden muss, wenn der Wasserhahn tropft oder wenn einem die Decke auf den Kopf fällt. Regensburgs Nette Nachbarn (ReNeNa) helfen gerne. „Ich bin ReNeNa unheimlich dankbar, weil die freundlichen Helfer unbürokratisch, zuverlässig und schnell da sind, wenn man sie braucht.“

Es ist eine alte Lebensweisheit: „Einen alten Baum verpflanzt man nicht.“ Das bestätigt sich auch in Umfragen, die das Senioren- und Stiftungsamt durchführte. Die stellvertretende Amtsleiterin Petra Frauenstein, die das Projekt ReNeNa begleitet, drückt es so aus: „Ältere Menschen wollen möglichst lange selbstbestimmt in ihren eigenen vier Wänden leben.“ Ihnen genau das zu ermöglichen ist das Ziel von „Regensburgs Netten Nachbarn“.

Ins Leben gerufen wurde ReNeNa Anfang 2009 vom Seniorenamt der Stadt. Das Amt hatte sich an einer Ausschreibung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend beteiligt, in der besondere Initiativen im Rahmen des „Freiwilligendienstes aller Generationen“ drei Jahre lang gefördert werden.

Regensburg erhielt als eines von 46 Leuchtturmprojekten den Zuschlag. Geplant war ein Netzwerk, in dem sich neben der Stadt mit dem Treffpunkt Seniorenbüro auch Wohlfahrtsverbände, Kirchengemeinden und soziale Einrichtungen wiederfinden sollten. Nach sechs Jahren kann man sagen, der Plan ist aufgegangen. 20 Kooperationspartner knüpfen inzwischen an dem Netz, das Senioren eine möglichst umfassende Hilfe beim selbstbestimmten Leben in der eigenen Wohnung leisten soll. Das ist nicht gerade selbstverständlich, denn Petra Frauenstein weiß: „Die meisten dieser kommunalen Modellprojekte schlafen nach dem Auslaufen der Anschubfinanzierung durch den Bund wieder ein.“ Nicht so Regensburgs Nette Nachbarn.

Bis das Projekt aber wirklich zukunftsfähig war, mussten manche dicken Bretter gebohrt und Vorurteile überwunden werden. „Die Idee von ReNeNa war und ist es, Hilfsangebote, die es bereits gibt, zu bündeln“, sagt die stellvertretende Amtsleiterin. „Das war nicht für alle Partner leicht zu verstehen. Viele vermuteten Konkurrenz.“

Was durchaus nachzuvollziehen ist. Schließlich leistete jede der sozialen Einrichtungen all die Jahre hervorragende Arbeit auf ihrem Gebiet. Doch der im vergangenen Jahr inzwischen verstorbene Netzwerk-Koordinator Wolfgang Gabler hat bei seiner Arbeit die Erfahrung gemacht: „Oft schotteten sich die Einrichtungen voneinander ab, gemäß dem alten bayerischen Feuerwehrspruch: ‚Des is mei Feier, des lösch i und net du.‘“ Und genau dieses Konkurrenzdenken zu Gunsten der Seniorinnen und Senioren in Regensburg abzubauen, war und ist ein Ziel von ReNeNa. „Der Mensch steht im Mittelpunkt unserer Arbeit und nicht die Organisation, sagte Gabler immer.“

Dass sich die Einstellung gewandelt hat, ist auch ihm zu verdanken, der von Anfang an dabei war und geholfen hat, dass ReNeNa kontinuierlich gewachsen ist.

Gablers Arbeit hat sich gelohnt, denn inzwischen hat sich herumgesprochen, dass in der Vernetzung die Zukunft liegt: Es ist klar: „Keiner kann alles“, sagt Petra Frauenstein. „Und bei manchen Einrichtungen sind auch die Kapazitäten begrenzt. Dann können andere helfen. Gemeinsam sind wir stärker.“ Knotenpunkte in dem Netzwerk und damit Dreh- und Angelpunkt in dem Hilfsprojekt sind die sogenannten Stadtteilkümmerer. Es sind Menschen, die in ihrem Stadtteil einen gewissen Bekanntheitsgrad haben und bei der Bevölkerung für Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit der Unterstützung stehen. „Ältere Menschen benötigen die Sicherheit, dass es im Bedarfsfall Hilfe gibt, die wohnungsnah und unbürokratisch zur Verfügung steht“, sagt Petra Frauenstein.

Das Leuchtturmprojekt ReNeNa strahlt aber weit über die Grenzen Regensburgs hinaus. Bei einer Messe im Sony-Center in Berlin, bei der verschiedene Angebote für Senioren vorgestellt wurden, ernteten Netzwerk-Koordinator Wolfgang Gabler und Stadtteilkümmerer Manfred Rohm ungläubiges Staunen. Die Kollegen aus ganz Deutschland waren überrascht von der großen Zahl der bürgerschaftlich engagierten Helfer, von der Vielfalt der Koordinationspartner und von der Regensburger Nachbarschaftshilfe im Allgemeinen. „Beispielhaft, das müssen wir bei uns auch anregen“, war der allgemeine Tenor der Kommentare.

So groß ist die Familie

  • „Treffpunkt Seniorenbüro“

    ist nur einer von 20 Kooperationspartnern von „Regensburgs Nette Nachbarn“. Katholische Pfarreien, evangelische Kirchengemeinden, Verbände der freien Wohlfahrtspflege mit ihren ehrenamtlichen Angeboten und viele soziale Vereine haben sich dem Netzwerk bereits angeschlossen. Doch es soll noch enger geknüpft werden.

  • Die Kooperationspartner

    bieten viele verschiedene Hilfen für Senioren an, um ihnen das Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen und zu erleichtern. Die Angebote reichen von A wie „Auskunft zur rechtlichen Betreuung“ bis V wie „Vorbeugen gegen Verbrechen“. Ziel von ReNeNa ist es auch, die Hilfen möglichst in jedem Stadtteil vorzuhalten.

  • Das große Angebot

    von „Regensburgs Nette Nachbarn“ st in einer Broschüre zusammengefasst, die bereits in der zweiten Auflage erschienen ist. Sie liegt in den Bürgerbüros, im Mehrgenerationenhaus, Ostengasse 29 und im Senioren- und Stiftungsamt, Johann-Hösl-Straße 11, auf. Hier ist auch alles über die Stadtteilkümmerer zu erfahren.

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