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Visionen

RKK: Erste Entwürfe mit Ideen der Bürger

Planer stellten ihre Ideen zur Neugestaltung des Bahnhofsumfelds vor. Linke Demonstranten störten die Veranstaltung.
Von Curd Wunderlich, MZ

Viel Grün, weniger Verkehr, ein ZOB direkt vorm Bahnhof und ein neues Kultur- und Kongresszentrum: Es gibt viele Vorschläge für die Gestaltung des Areals zwischen Bahnhof und Maximilianstraße. Foto: Haala
Viel Grün, weniger Verkehr, ein ZOB direkt vorm Bahnhof und ein neues Kultur- und Kongresszentrum: Es gibt viele Vorschläge für die Gestaltung des Areals zwischen Bahnhof und Maximilianstraße. Foto: Haala

Regensburg.Am Ende musste Moderatorin Anne Krämer am Mittwochabend im Antoniushaus tief in die Trickkiste der Diskussionsleitung greifen. „Wir machen jetzt eine Pause“, verkündete sie. Kurz zuvor war die Ergebnispräsentation der beiden Ideenwerkstätten zur Bürgerbefragung „Stadtraum gemeinsam gestalten“ etwas aus dem Ruder gelaufen. Der Regensburger Linksaktivist Kurt Raster störte mit einer Handvoll Mitstreitern die Infoveranstaltung mit Plakaten und lauten Parolen. Er ist der Meinung, „niemand in Regensburg“ wolle das Kultur- und Kongresszentrum (RKK) am Ernst-Reuter-Platz, um dessen Umsetzung es im Antoniushaus unter anderem ging. Durch Raster angestachelt schlossen sich auch andere RKK-Gegner dem Protest an. Und so rief Krämer die Pause aus – die dann aber den offiziellen Teil des Abends gleich ganz beendete.

Zuvor hatten zwei Planerteams ihre Ideen zur zukünftigen Gestaltung des Bereichs zwischen Hauptbahnhof und Altstadt vorgestellt. Dort soll neben einem neuen, leistungsfähigen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) und einer Trasse für den Nahverkehr auf dem Kepler-Areal eben das RKK entstehen. Rasters Hauptkritikpunkt ist, dass dort dafür Studentenwohnungen abgerissen werden müssen. Laut Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer ist ein Weiterbetrieb der Bestandsgebäude als Studentenwohnheime vom Betreiber aber ohnehin ausgeschlossen – ganz unabhängig davon, ob das RKk kommt oder nicht.

Ein großes „K“ und ein kleines „k“

Gewöhnen sollen sich die Regensburger eigentlich an eine neue Schreibweise – zumindest seitens der Stadt: nämlich mit einem großen „K“ und einem kleinen „k“. Das soll hervorheben, dass im Vordergrund des Zentrums die Kultur und die Nutzungsmöglichkeiten für Regensburger Bürger stehen sollen und eben nicht die kommerziellen Kongressangebote.

Befragung für Stimmungsbild

  • Bürgerbeteiligung

    Nachdem die Bürgerbeteiligung im Rahmen der Ideenwerkstätten abgeschlossen ist und erste grobe Planungen vorgestellt wurden, findet vom 23. Oktober bis 19. November die Bürgerbefragung zur Neugestaltung des Bereichs rund um den Hauptbahnhof statt. Welche Fragen gestellt werden, entscheidet sich kommende Woche.

  • Wahlbeteiligung

    An der Befragung können rund 145 000 Regensburger über 16 Jahren teilnehmen. Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer rief zu hoher Wahlbeteiligung aus: „Es ist wichtig für die Regensburger und für unsere Stadt, was an dieser Stelle passiert.“ Das große Interesse hätte sich während der Ideenwerkstätten gezeigt.

  • Ideen

    Planungsreferentin Christine Schimpfermann erklärte im Gespräch mit der MZ, dass bei der Befragung nicht über einzelne Ideen abgestimmt werde — Entscheidungen zur konkreten Planung oblägen am Ende dem Stadtrat. Es gehe vielmehr darum, ein grundsätzliches Stimmungsbild zum gesamten Prozess einzuholen.

  • Wanderaustellung

    Vor und während des Befragungszeitraums haben Bürger die Möglichkeit, sich bei einer Wanderausstellung und an Infoständen über das Projekt zu informieren. Ab 20. November werden die Ergebnisse der Befragung ausgewertet. Anfang 2018 will die Stadt dann über die Ergebnisse und das weitere Vorgehen informieren.

Das war aber nur ein eher marginales Ergebnis der Ideensammlungen, an denen sich seit März rund 1500 Regensburger beteiligt hatten. Dass bei den Treffen im März und Mai die Interessen ganz unterschiedlich gelagert waren, wurde an den unterschiedlichen – noch sehr grob gehaltenen – Entwürfen deutlich, die die Planer mitbrachten: In dem einen Entwurf werden viele Straßen nördlich des Bahnhofs komplett für den Individualverkehr gesperrt, im anderen bleibt er von allen Seiten für jedermann aus anfahrbar.

Ein MZ-Spezial zum Regensburger Kultur- und Kongresszentrum finden Sie hier.

Auch zum ZOB wurden zwei gänzlich unterschiedliche Versionen präsentiert: Eine Idee geht von einem zweigeschossigen Gebäude aus, bei dem oben die Regionalbusse von der Galgenbergbrücke einfahren und die Stadtbusse das Untergeschoss von der Bahnhofsstraße aus Richtung Hemauerstraße bedienen. Einigkeit herrschte bei der Umfeldgestaltung darin, dass möglichst viel Grün bleiben und auch neu geschaffen werden soll. Eine durchdachte Beleuchtung soll aus dem „Angstraum“ rund um den Hauptbahnhof auch bei Dunkelheit und im Herbst und Winter eine Umgebung machen, in der jeder sich sicher fühlt. Und neugewonnene Freiräume – beispielsweise durch die Verlegung des ZOBs von der Alberstraße direkt vor den Hauptbahnhof – sollen attraktive Aufenthaltsorte werden, zum Beispiel mit Wasserspielen, Sitzgelegenheiten und Spielpunkten.

Zentral oder dezentral?

Beim RKK ist die entscheidende Frage, ob eine zentrale Lösung mit einem Komplettbau auf dem Kepler-Areal oder eine dezentrale Lösung mit einem Zusatzneubau an der Maxstraße 26 forciert wird. Der Vorteil einer dezentralen Variante wäre, dass das Wirsing-Haus am Ernst-Reuter-Platz fast vollständig erhalten bleiben könnte – wenn wohl auch mit neuen Nutzungsformen. Dieser Wunsch war bei den Ideenwerkstätten mehrfach laut geworden. Die Planer sehen zudem den Vorteil gegenüber einer zentralen Lösung, dass Kongressteilnehmer die Umgebung des RKK beleben würden, wenn sie vom großen Tagungssaal am Kepler-Areal in kleine Seminarräume an der Maxstraße wechseln würden. Grundsätzlich machbar sei das, weil das Grundstück mit dem ehemaligen HVB-Gebäude der Stadt gehört.

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Vor 32 Jahren gab die Stadt Regensburg eine Marktanalyse für eine Stadthalle in Auftrag. Bis heute wurde das Vorhaben noch nicht umgesetzt. Eine Chronologie der Ereignisse:

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