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Aktion

RKK: Protest-Picknick bei Kepler

Bürger sollen Platz in der Allee nehmen: Bei einer Brotzeit zeigten Aktivisten die Schönheit des Raums in Bahnhofsnähe.
Von Helmut Wanner

Der sogenannte Normalbürger eroberte die Grünflächen am Schwammerl zurück. Fotos: Wanner
Der sogenannte Normalbürger eroberte die Grünflächen am Schwammerl zurück. Fotos: Wanner

Regensburg.Die RKK-Gegner machen mobil. Idealerweise zur Landtagswahl soll das Bürgerbegehren gegen das geplante RKK an den Wahlurnen liegen. Um die 152 vom Bauvorhaben bedrohten Bäume zu retten, davon 67 hocherhaltenswerte, besetzten die Aktivisten am Sonntag den öffentlichen Raum und sammelten Unterschriften. 7000 ist das Ziel. Zu den bisherigen 2000 kamen nun mehr als 100 Unterschriften hinzu, wie Dr. Achim Hubel allein für die Altstadtfreunde bestätigte. An der Aktion beteiligten sich außerdem das Bündnis gegen das RKK, die ÖDP, die Sozialen Initiativen und das Aktionsbündnis Verkehrswende.

„Wir wollen das Gelände aufwerten als Fläche, wo sich auch Normalbürger wohlfühlen.“

Dr. Achim Hubel

Ihre einzige Waffe im Kampf gegen das RKK war am Sonntag eine Picknickdecke. Die RKK-Gegner setzen bewusst aufs Grün: „Wir wollen das Gelände zwischen Bahnhof und Ernst-Reuter-Platz aufwerten als Fläche, wo sich nicht nur die Penner wohlfühlen, sondern auch die Normalbürger“, sagte ein barfüßiger Prof. Dr. Achim Hubel am Sonntagmittag. Er stand beim Keplerdenkmal im Schatten eines Mammutbaumes. „Mehr Licht und mehr Streetworker“ schlägt Dr. Hubel vor, um das Gelände auch in der Nacht sicherer zu machen.
Unterstützt wurde er von einer stets überschaubaren Zahl von Picknick-Teilnehmern jeglichen Alters. „Jeder Student geht auf die Jahninsel. Warum nicht am Freitagabend zum Kepler? Man müsste die Allee am Bahnhof als grünen Ort populärer machen“, sagte der Student Alexander Frummet.

Lesung rund ums Peterskircherl Foto: Wanner
Lesung rund ums Peterskircherl Foto: Wanner

Gleich von drei Flügeln wurden am Sonntag die Pläne zum Bau eines Regensburger Kultur- und Kongresszentrums und eines Zentralen Omnibusbahnhofes angegriffen. Eine Aktion startete im Norden, auf dem Deckel des Europabrunnens, eine rund um das Keplerdenkmal und eine am Peterskirchlein.

Zahlreiche Bürger nutzten dabei die Gelegenheit, das Peterskircherl einmal von innen zu sehen. Die bulgarisch-orthodoxe Kirche nutzt das Gotteshaus. Sie feierte dank der VHS-Lesung rund ums Peterskircherl so eine Art Tag der offenen Tür. Angela Kreuz, Sabine Rädisch und Gerda Stauner lasen Eigenes und Brittings Feuilleton über die Allee.

Unser Video fasst die RKK-Planungen zusammen:

Die Planungen zum Regensburger Kultur- und Kongres

Denkmal wurde Musik-Pavillon

Am Kepler-Denkmal lief von 12 bis 18 Uhr das Demonstrations-Picknick. Zehn Musikformationen nutzten ihn als Musik-Pavillon, sie hatten sich spontan bereit erklärt, am Aktions-Sonntag mitzumachen. Dr. Helmut-Eberhard Paulus, den Regensburgern noch bestens bekannt als Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde, kam, um eine Gruppe durch den Alleengürtel von der Hellenenbrücke bis zum Hallenbad zu führen. Was die Menschen am meisten beeindruckte, war sein Satz, dass die Allee 200 Jahre gebraucht habe, um diesen Charakter aufzubauen. Die Kunsthistorikerin Antonella Strobl bot eine weitere Führung an. Dr. Achim Hubel will den Beweis führen, dass das Konzept eines Zentralen Omnibus-Bahnhofes (ZOB) veraltet ist. Auch das RKK sei überflüssig, meinte er. „Die Stadt hat seit 40 Jahren diesen Bedarf vor sich hergetragen – und boomt auch ohne RKK. Man braucht es nicht. Wir haben die Uni, wir haben das Kolpinghaus, wir haben das Marina-Forum.“

Die 100 Millionen Euro solle man für den sozialen Wohnungsbau einsetzen und für die Stärkung des ÖPNV. Die RKK-Gegner setzen sich für eine Stadtbahn ein. Dr. Hubel schlägt vor, das Lutherhochhaus stehen zu lassen und den Rest abzureißen und zu begrünen.

Jakob Friedl bespielte den „Ernst“. Foto: Wanner
Jakob Friedl bespielte den „Ernst“. Foto: Wanner

Außer Konkurrenz war die Kunstaktion am Europabrunnen. Mit einer halben Tonne Bohnenstange, die bei einer Holzaktion auf einem Gut in Burgweinting abfielen, errichtete der Aktionskünstler Jakob Friedl (38), Sohn eines Lehrers und einer Pädagogin, seinen Bohnen-Palast. Er formulierte am Sonntag drei Ziele. Erstens: Das RKK verhindern. Zweitens: Den heißen „Ernst“, so nennt er den Platz, mit Kannen bewässern, statt mit einer sündteuren Sprinkler-Installation im Rahmen eines Römer-Rastplatzes am Ernst-Reuter-Platz. Drittens: Den Europabrunnen als Bühne entwickeln.

Sein skuriller Kampfplatz hatte schon von der Lage her die höchste Kunden-Frequenz. Mit seinen Freunden hatte er die Nacht zum Sonntag auf dem Platz verbracht. „Die ganze Nacht haben wir Gespräche mit Jugendlichen geführt“, bilanzierte er am Morgen danach. Nach 4 Uhr musste er die Installation wieder aufrichten. Ein Betrunkener hatte sie eingerissen, während die Aktivisten schliefen. Um 19 Uhr baute er die Installation wieder ab. Er nutzt die Stangen jetzt, um in Burgweinting Bohnen zu züchten.

Stimmen aus der Allee

  • Alexander Frummet:

    Man könnte die Bahnhofs-Allee als grünen Ort noch viel populärer machen.

  • Melanie Hien:

    Treff am Kepler - das wär es. Ich bin heute das erste Mal da. Der Platz hat viel Potenzial.

  • Jakob Friedl:

    Ich unterstütze das Anliegen der RKK-Gegner. Ich verstehe aber deren Angst vor der Kunst nicht.

Eine Woche lang hat sich die Lokalredaktion Regensburg mit allen Aspekten des RKK beschäftigt.Alle Teile unserer Serie finden Sie in unserem MZ-Spezial!

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