MyMz
Anzeige

Politik

RKK: Verkehr macht den Anwohnern Sorge

Die CSU diskutierte das Mega-Projekt mit den Regensburgern. Dabei wurde Kritik laut am Kongresszentrum und den Plänen.
Von Curd Wunderlich, MZ

Am Ernst-Reuter-Platz soll das RKK entstehen. Auf dem Foto der Stadt von Stefan Effenhauser wurde die Straße bereits „verkehrsfrei gemacht“.
Am Ernst-Reuter-Platz soll das RKK entstehen. Auf dem Foto der Stadt von Stefan Effenhauser wurde die Straße bereits „verkehrsfrei gemacht“.

Regensburg.Es sind Projekte, die das Regensburger Stadtbild wohl auf Jahrzehnte prägen werden: Das Kultur- und Kongresszentrum (RKK), der neue Zentrale Omnibusbahnhof und eine mögliche Stadtbahn – ob auf Schienen oder als Schnellbus. Die CSU-Stadtratsfraktion wollte aufgrund der in der Stadtbevölkerung vielfach geäußerten Unzufriedenheit über die aktuelle Bürgerbefragung der Stadt zu diesen Themen direkt ins Gespräch mit Regensburgern kommen. Am Mittwochabend hatte sie zum Dialog ins „Gwäxhaus“ von Blumen Trede an der Furtmayerstraße eingeladen. Und die Resonanz war groß: Rund 70 Interessierte fanden sich ein und diskutierten eifrig mit.

CSU-Fraktionschef Josef Zimmermann erläuterte nach der Begrüßung durch die Initiatoren des Bürgergesprächs, Ellen Bogner, Bernadette Dechant, Astrid Freudenstein und Michael Lehner, kurz den aktuellen Sachstand. Demnach sei „unstrittig“, dass der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) gestärkt werden müsse. Die Frage hierbei sei vor allem, wie das am wirtschaftlichsten machbar ist. In Sachen RKK sei seine Fraktion allerdings nicht zufrieden mit dem Vorgehen der Stadt. „Die Befragung dazu ist eine klassische Themaverfehlung“, machte Zimmermann den CSU-Standpunkt deutlich. Schließlich habe man in dieser Thematik in den vergangenen fast 35 Jahren eine wahre Odyssee hinter sich. Und da sei es nur sinnvoll, die Bürger konkret zu fragen, wo sie sich ein solches Kultur- und Kongresszentrum vorstellen können – und vor allem, was sie sich am dafür derzeit geplanten Standort Ernst-Reuter-Platz tatsächlich wünschen würden.

Mehr in ÖPNV statt RKK investieren

In der rund zweistündigen Debatte wurde deutlich, dass sich mehrheitlich RKK-Kritiker bei der CSU-Versammlung eingefunden hatten. Achim Hubel, emeritierter Professor für Denkmalpflege, hielt ein Plädoyer für wegweisende Investitionen in den ÖPNV – einhergehend mit einer Generalkritik an der Idee eines zusätzlichen Kongresszentrums in Regensburg. In den vergangenen 20 Jahren ist aus seiner Sicht zu wenig für die Verkehrsberuhigung passiert. „Deswegen muss alles Geld, was da ist, in den ÖPNV fließen.“ Wenn das passiert sei, könne man in zehn Jahren vielleicht nochmal über ein RKK reden.

Das Projekt Stadthalle beschäftigt die Regensburger schon lange:

Er sei zudem der Überzeugung, dass es ein Kongresszentrum in der geplanten Größe – im großen Saal sollen dort voraussichtlich einmal 1800 Menschen Platz finden, im kleineren rund 800 – schlicht nicht braucht. „Ab Januar haben wir das Marinaforum, dort können Tagungen mit bis zu 750 Personen stattfinden. Und für größere Kongresse haben wir schon die Uni.“ Dort im Audimax finden bis zu 1500 Menschen Platz. Für seinen klaren Standpunkt erhielt Hubel viel Zustimmung.

Eine Hauptsorge vieler Anwesender war der zusätzliche Verkehr, den das RKK wohl mit sich bringen würde. Rechtsanwalt Alexander Schöppe, Anwohner der D.-Martin-Luther-Straße, berichtete, dass der Verkehr rund um den Ernst-Reuter-Platz schon heute regelmäßig zusammenbreche. Er und viele andere Diskussionsteilnehmer konnten sich nicht vorstellen, wie der Verkehr abgewickelt werden solle, wenn in einem RKK am Ernst-Reuter-Platz einmal Veranstaltungen mit 1500 Besuchern stattfinden würden.

„Ab Januar haben wir das Marinaforum, dort können Tagungen mit bis zu 750 Personen stattfinden. Und für größere Kongresse haben wir schon die Uni.“

Achim Hubel, emeritierter Professor für Denkmalpflege

Stefan Aumüller versuchte die Kritiker zu beschwichtigen. Auch wenn er sich eher für einen Standort am Donaumarkt eingesetzt hätte, ist er überzeugt: „Das RKK ist ein Gewinn für die Altstadt.“ Viele Geschäfte in der Umgebung stünden derzeit schließlich leer. Ein neues Kultur- und Kongresszentrum würde die umliegende Altstadt mit neuem Leben füllen, so seine Hoffnung.

Ein Diskussionspunkt war auch der Fragebogen der Stadt, den die Regensburger derzeit beantworten sollen. Viele Besucher äußerten ihren Unmut. CSU-Stadtrat Christian Schlegl nannte ihn eine „Abnickveranstaltung“. Einige Diskussionsteilnehmer forderten, dass die Stadt auch die Zahl der ungültigen Fragebögen veröffentlichen solle. Julia Lang meinte sehr deutlich: „Nur so wird ja klar, wie viele Leute einfach keinen Bock auf diesen Nonsens hatten.“

Umfrage

RKK: Nehmen Sie an der Bürgerbefragung teil?

Regensburger Kultur- und Kongresszentrum, Zentraler Omnibus-Bahnhof, ÖPNV-Trasse für die Straßenbahn und Erhalt des Alleengürtels: Derzeit möchte die Stadt von den Regensburgern wissen, wie wichtig ihnen jedes einzelne dieser Projekte ist. Dieser Fragebogen stößt aber auch auf heftige Kritik. Beteiligen Sie sich an der Bürgerbefragung der Stadt?

Anregungen sollen einfließen

Josef Zimmermann versprach im Gespräch mit unserem Medienhaus, die Anregungen der Bürger in der Klausurtagung seiner Fraktion zu besprechen. Anschließend soll in Zusammenarbeit mit den Parteigremien eine Position zu den zukunftsweisenden Themen erarbeitet werden. „Das eilt aber nicht“, so Zimmermann. Allein bis zum Baubeginn des neuen ZOB – der aus Zimmermanns Sicht der erste Schritt bei der Gestaltung einer „neuen Mitte“ sein muss – würden schließlich noch „minimum fünf Jahre“ vergehen.

Alle Hintergründe und Berichte zum Regensburger Kultur- und Kongresszentrum finden Sie in unserem Spezial.

Mehr Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier.

Die Kritik am Fragebogen

  • 1. Frage:

    Insbesondere die erste Frage bei der Bürgerbefragung stößt auf Kritik. Gefragt wird, ob es wichtig ist, dass öffentliche Angebote bei den Planungen zum RKK berücksichtigt werden.

  • Stadt will Klarheit:

    Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer wehrt sich gegen die Kritik: Die Stadt wolle Klarheit darüber, in welche Richtungen weitergeplant werden könne.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht