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Terror

Rückkehr aus dem IS-Krieg

Die Kriminologin Andrea Holzer sprach im Presseclub Regensburg über Radikalisierung und die Rolle der Frauen.
Von Daniel Pfeifer

Andrea Holzer erläuterte die Wege, die junge Leute in die Radikalisierung führen. Foto: Pfeifer
Andrea Holzer erläuterte die Wege, die junge Leute in die Radikalisierung führen. Foto: Pfeifer

Regensburg.Die Angst ist verständlicherweise groß, wenn es um das Thema „IS-Rückkehrer“ geht. Die Angst vor Terror in Deutschland, die Skepsis gegenüber Deradikalisierungs-Maßnahmen und generell die Frage „Warum holen wir uns solche Leute in die Gesellschaft zurück“ dominieren die öffentliche Diskussion. Doch oft ist es ratsam, statt emotionaler Argumente auch die rationale Sichtweise von Wissenschaftlern anzuhören.

Andrea Holzer ist Kriminologin. Sie arbeitet zurzeit in München an ihrer Doktorarbeit zum Themenfeld Extremismus. Am Donnerstagabend sprach sie im Presseclub Regensburg über die Gefahr durch Rückkehrer, darüber, wie sich junge Menschen für den grausamen Krieg im Mittleren Osten radikalisieren können und was man dagegen tun kann.

Kaum greifbar für Behörden

Von rund 1050 Rückkehrern gehe man aktuell aus, so Holzer. Die meisten davon jung und männlich. Doch eine besondere Gruppe werde häufig übersehen: „Frauen spielen eine Schlüsselrolle,“ bekräftigte Holzer. Sie ziehen nicht nur üblicherweise die Kinder groß und vermitteln ihnen in direkter Linie ideologische und verhaltensbasierte Muster. Sie sind auch durch das traditionalistische Rollenbild zuhause „versteckt“ und so kaum greifbar für Behörden.

Dabei sind es gerade soziale Geflechte, die in den meisten Fällen zu einer Radikalisierung führen. Es seien fast immer Freunde, Familie oder Bezugspersonen, die den Weg in extremistische Ideologien bahnen, so Andrea Holzer. „Dabei ist es ein Zufallsmoment, ob ich rechtsextrem werde, linksextrem oder islamistisch,“ formulierte sie provokant. Je nach sozialem Umfeld eben.

Auch heimische Salafisten gefährlich

In diesem Sinne seien Rückkehrer weniger ein Problem als „heimische“ Salafisten, deren Zahlen die IS-Kämpfer um ein Vielfaches übersteigen. Tatsächlich sieht Holzer in den Rückkehrern kaum Gefahr: „Wir müssen gerade keinerlei Angst haben,“ beschwichtigt sie. Diese Personen seien von der Ankunft am Flughafen an unter Dauerbeobachtung. Ganz im Gegensatz zu vielen inländisch Radikalisierten.

Wie eine Deradikalisierung am besten funktioniert, ist umstritten. Staatliche Repression gelte jedoch laut Holzer als eher ineffektiv. Eine bessere Alternative sei, positive „Gegennarrative“ zum Extremismus zu schaffen.

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