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Inklusion

Sag’s-einfach-Team befragt „Frau Maltz“

Reporter spüren Themen nach, die behinderte Menschen interessieren. Zum Beispiel, wie man mit dem Rolli ins Rathaus kommt.
Vom Sag‘s-einfach-Reporterteam

Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (rechts) empfing das Sag’s-einfach-Reporterteam. Im Hintergrund Frank Reinel, der Behindertenbeauftragte, und Angelika Frey, die das Reporterteam betreut. Fotos: Klein
Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (rechts) empfing das Sag’s-einfach-Reporterteam. Im Hintergrund Frank Reinel, der Behindertenbeauftragte, und Angelika Frey, die das Reporterteam betreut. Fotos: Klein

Regensburg.Wir, sechs Reporter aus dem Sag’s-einfach-Reporterteam, besuchten Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer im Alten Rathaus. Frank Reinel, der Inklusionsbeauftragte von Regensburg, war auch dabei. Die Bürgermeisterin hat sich unseren Fragen gestellt und hat sich dafür viel Zeit genommen. Ihr Name ist ein bisschen kompliziert, aber sie hat uns erlaubt, dass wir Frau Maltz zu ihr sagen.

Die 56-Jährige kommt aus Oberfranken. Sie ist mit zehn Jahren nach Regensburg gezogen. Sie hat zwei Söhne und ist eigentlich Archäologin. Sie hat schon viele alte Dinge ausgegraben: Zum Beispiel Gräber oder Scherben von Geschirr, die man manchmal wieder zusammensetzen kann.

8000 Euro und 14 Stunden Arbeit

Seit drei Jahren ist Frau Maltz Bürgermeisterin. Sie ist bei der SPD, weil sie findet, dass diese Partei sich besonders für soziale Themen einsetzt. Zum Beispiel dafür, dass Frauen und Männer gleich behandelt werden. Das ist ihr besonders wichtig. Deshalb hat sie ehrenamtlich beim Frauen-Notruf gearbeitet und über die Probleme von Frauen auch mit Stadträten gesprochen. Weil sie gerne selbst mitentscheiden wollte, hat sie sich in den Stadtrat wählen lassen. Im Stadtrat sind Leute aus verschiedenen Parteien, die sich um wichtige Angelegenheiten kümmern. 2004 hat es mit ihrer Wahl nicht geklappt, aber dann 2008.

Und wie ist Frau Maltz Bürgermeisterin geworden? Der Stadtrat hat sie zur zweiten Bürgermeisterin gewählt. Es gibt auch einen dritten Bürgermeister, den auch der Stadtrat wählt. Nur der Oberbürgermeister wird nicht vom Stadtrat gewählt, sondern direkt von den Bürgern.

Als Bürgermeister verdient man 8000 Euro im Monat. Frau Maltz bekommt aber auch Geld dafür, dass sie im Aufsichtsrat vom RVV ist. In einem Aufsichtsrat sind Menschen, die eine Firma kontrollieren.

8000 Euro ist viel Geld. Aber dafür muss sie auch bis zu 14 Stunden täglich arbeiten.

Momentan übernimmt sie zusätzlich die Aufgaben des Oberbürgermeisters. Für sie ist das schwieriger als für ihn, weil sie sich in viele Themen erst einarbeiten muss. Sie hat dann nicht mehr viel freie Zeit. Deshalb legt sie sich in ihrer Freizeit am liebsten auf das Sofa und liest ein Buch. Oder sie arbeitet im Garten. Sie geht auch gerne ins Kino oder ins Theater. Und morgens nimmt sie sich viel Zeit, um die Zeitung zu lesen.

Wir haben Frau Maltz nach ihren Zielen als Bürgermeisterin gefragt. Sie setzt sich dafür ein, dass Menschen mit und ohne Behinderung am ersten Arbeitsmarkt teilnehmen können. Das bedeutet: Es soll mehr Betriebe geben, in denen behinderte und nicht behinderte Menschen zusammenarbeiten. Außerdem will sie dafür sorgen, dass es mehr Wohnungen gibt, in denen auch Menschen mit Behinderung oder alte Menschen gut leben können und die nicht zu teuer sind. Leider können in vielen alten Häusern Menschen im Rollstuhl nicht wohnen. Aber Frau Maltz findet, dass zumindest neue Wohnungen barrierefrei gebaut werden müssen.

Regensburg ist eine sehr alte Stadt. Deshalb gibt es viele alte Häuser, die unter Denkmalschutz stehen. Frau Maltz erzählt, dass diese Häuser nicht einfach umgebaut oder abgerissen werden dürfen. Man muss sich an bestimmte Regeln halten. Die Stadt will zum Beispiel einen Aufzug zum Reichssaal im Alten Rathaus bauen. Aber das ist schwierig und wird noch eine Weile dauern. In Regensburg gibt es auch viel Kopfsteinpflaster. Das ist für Menschen im Rollstuhl, für Mütter mit Kinderwägen, für Fahrradfahrer oder für Frauen mit hohen Schuhen schlecht. Herr Reinel erzählt, dass es ein Pflaster gibt, das glatter ist und nicht so tiefe Fugen hat. In der Ludwigstraße oder der Wollwirkergasse kann man das schon sehen.

Offen sein für behinderte Menschen

Wir haben Frau Maltz gefragt, ob sie Berührungsängste gegenüber Menschen mit Behinderung hat. Früher war sie manchmal etwas unsicher und wusste nicht, ob sie ihre Hilfe anbieten darf. Inzwischen versucht sie, diese Menschen wie alle anderen Menschen zu behandeln. Sie hofft, dass sie mit ihnen nicht anders umgeht als mit allen anderen Menschen: nämlich offen.

Woher weiß Frau Maltz, was sie für Menschen mit Behinderung tun soll? Leider hat sie bei der Arbeit nicht so viel Kontakt zu Menschen mit Behinderung. Sie bekommt ihre Anregungen aber zum Beispiel aus Gesprächen wie mit uns und vom Beirat für Menschen mit Behinderung. Er besteht aus 50 Mitgliedern aus verschiedenen Organisationen für Menschen mit Behinderung. Der Beirat hat einmal im Jahr eine öffentliche Sitzung.

Bürgermeisterin sein ist viel Arbeit, aber es macht Frau Maltz großen Spaß. Sie findet, sie hat einen tollen Job. Und dass sie den Oberbürgermeister vertreten muss, gehört momentan einfach dazu. Wir bedanken uns bei Frau Maltz für das offene Gespräch.

Das Gespräch führten Ulrike Märzhäuser, Stefanie Bergmann, Daniela Maggio, Sandra Zimmer, Sven Stöckler und Simon Dickert

Sags-einfach-Reporterin Stefanie Bergmann hat ihre Fragen auf Kärtchen geschrieben.

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