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Kommunalwahl

Schaulaufen der sechs Landratskandidaten

Im Regensburger Presseclub trafen Peter Aumer, Maria Scharfenberg, Klaus-Dieter Lang, Paula Wolf, Stefan Potschaski und Tanja Schweiger aufeinander.
Von Michael Jaumann, MZ

  • Pfleglich gingen die Landratskandidaten für den Landkreis Regensburg bei der Diskussion im Regensburger Presseclub miteinander um. Foto: altrofoto.de
  • Das Interesse bei den Medienvertretern und ihren Gästen war groß. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Im Landkreis gehen die Uhren ein bisschen anders als in der Stadt. Das war beim Podiumsgespräch der sechs Landratskandidaten am Donnerstagabend im Presseclub deutlich zu spüren. Die Kandidaten lagen inhaltlich häufig gar nicht so weit auseinander und sie gingen ganz pfleglich miteinander um. Da schenkte Paula Wolf (SPD) einem Nachbarn schon mal ein Gläschen Mineralwasser ein, Maria Scharfenberg (Bündnis 90/Die Grünen) benutzte ohne Scheu den schwarzen Stift von Peter Aumer (CSU). Und beim Aufwärmquiz halfen sich die Kandidaten schon mal, als ob sie im selben Team wären, um sich der Wissensfragen zum Landkreis der Moderatoren Norbert Lösch und Christof Seidl zu erwehren.

Somit hatten die beiden MZ-Redakteure denn auch keine Mühe, das Heft in der Hand zu behalten, als die Bewerberinnen und Bewerber um die Nachfolge von Landrat Herbert Mirbeth sich in jeweils Zwei-Minuten-Beiträgen zu fünf Themenblöcken äußern sollten. Das Alpha-Tier-Gehabe aus Fernseh-Talkrunden ersparten die Politiker den Zuhörern im voll besetzten Presseclub. Und manche Antwort beendeten die Teilnehmer sogar schon vor dem Zeitlimit. Landrat Mirbeth verzichtete übrigens darauf, die Kür der Kandidaten zu verfolgen.

Das Thema Verkehr steht bei fast allen Gruppierungen weit oben auf der Agenda

Klaus-Dieter Lang (ödp) hat dazu aber eine ganz andere Meinung und durfte darum die Runde eröffnen. Für Lang sind keine weiteren Straßen nötig. Er möchte ein aufeinander abgestimmtes Verkehrssystem, in das die Bahn eingebunden ist. Ein Leitsystem soll die Autofahrer auf freie Verkehrsflächen lenken. Tanja Schweiger (Freie Wähler) hält den Nord-Süd-Transit durch den Landkreis für eine Katastrophe und will zusammen mit der Stadt Regensburg das Verkehrschaos beseitigen. Für die Lösung der Verkehrsprobleme bedürfe es großräumiger Lösungen. Der Bau der Sallerner Regenbrücke sei nicht großräumig genug. Für Stefan Potschaski (FDP) bedürften Firmen und Bürger zusätzlicher Verkehrsinfrastruktur. Eine Sinzinger und eine Kneitinger Brücke über die Donau brächten wichtige Entlastung. Dies sei nur mit der Stadt zu realisieren. Eine zusätzliche Donauquerung hält Paula Wolf für ein Muss. Das Gespräch darüber müsse forciert werden. Die Verbindung der Osttangente zur B16 müsse ausgebaut werden. CSU und SPD regierten in Stadt und Land zusammen seit sechs Jahren und hätten wenig hingekriegt, urteilte Maria Scharfenberg. Weil die Stadt nicht interessiert an neuen Brücken sei, müssten andere Lösungen her. Scharfenberg plädierte für den Ausbau des ÖPNV und ein S-Bahn-Netz sternförmig in den Landkreis hinein. Die Verkehrskonzepte lägen vor. Der OB und der Landrat müssten diese nur noch umsetzen, betonte Peter Aumer. Es sei höchste Zeit dafür, damit die Menschen pünktlich zur Arbeit kämen.

Die Zusammenarbeit mit der Stadt ist auch bei der Bildung schwierig

In der Bildung, etwa beim Gymnasium Lappersdorf, sind die Positionen nicht deckungsgleich, gab Moderator Lösch das nächste Thema vor. In der Bildungslandschaft arbeiten Stadt und Land durchaus zusammen, betonte Aumer. Wenn sich das vom Landkreis in Auftrag gegebene Gutachten für den vierzügigen Ausbau des Gymnasiums ausspreche, dann solle man dies so machen. Voraussetzung aber sei, dass keine andere Schule gefährdet würde. „Die Fachräume fangen bereits jetzt den Mangel an Klassenzimmern auf“, urteilte Scharfenberg zum Thema Gymnasium. Die Konzen-tration bei den Mittelschulen sei zudem nicht gut für die Gemeinden. Die Schüler gehörten dort unterrichtet, wo sie wohnen. Dass Schulen gut ausgestattet gehörten sei klar, so Lang. Aber es bedürfe auch der nötigen Lehrer. Breite Bildung, die soziales Handeln lehre, müsse bereits im Kindergarten beginnen. Die Mittelschulen müssten gestärkt werden, forderte Wolf. Die Gesellschaft benötige auch gute Handwerker. Da müsse nicht jeder Abitur machen. Deutschland stehe im globalen Wettbewerb und lebe vom Humankapital, betonte Potschaski. Bildung sei ein Eckpfeiler. Dazu gehöre nach der Ausbildung aber auch ein Arbeitsplatz. Beim Gymnasium wolle er erst das Bedarfsgutachten abwarten. Die Zahlen liegen für Schweiger auf dem Tisch. Ein Gutachten brauche es nicht mehr, legte sich die Pettendorferin fest. Für die Orte nordwestlich von Regensburg sei Lappersdorf wegen der Brückenproblematik erste Wahl. Schweiger beklagte das Mittelschulkonzept, das manche Schulen überquellen lasse, während andere leer stünden. Der Verlust von Ausbildungsklassen an den Berufsschulen habe Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in Stadt und Land.

Wo bietet der Landkreis beim Ausbau der regenerativen Energie Potenzial?

Wegen des Verdrängungswettbewerbs in der Landwirtschaft sprach sich Schweiger gegen große Biogasanlagen aus, aber für kleine bäuerliche Anlagen. Bei den Bürgergenossenschaften für regenerative Energien seien andere Landkreise weiter. Wichtig sei, das Geld in der Region zu belassen. Potschaski bekannte sich als Freund dezentraler Lösungen und regte die Auflage von Programmen für regenerative Energien an. Die Energiepolitik in Bund und Land müsse sich erst neu sortieren, betonte Wolf. An den Flüssen sieht sie Potenzial für weitere Wasserkraft. Die Energieeinsparung biete das größte Potenzial, betonte Lang. Bei der regenerativen Energie gelte es die Bürger zu begeistern. Energie, die in der Region verbraucht wird, solle auch in der Region erzeugt werden, findet Scharfenberg. Dezentrale Anlagen seien ein Uranliegen der Grünen. Die Kraft der 41 Gemeinden möchte Aumer nutzen, um die Struktur für die Energiewende zu schaffen. Bei der genossenschaftlichen Beteiligung sei das Geld da, aber geeignete Objekte fehlten.

Soziale Probleme fordern große Anstrengung

Auf die Jugendhilfe als einen der größten Posten im Landkreishaushalt verwies Aumer. Der Landkreis habe erkannt, dass man früh in die Sozialarbeit einsteigen müsse. Geleichzeitig sollte die Jugendarbeit der Vereine gestärkt werden. Bei der Integration von Migranten habe der Freistaat versagt, prangerte Scharfenberg an. „Wir brauchen Einwanderung“, betonte sie. Der CSU bot sie die Hilfe an, dies in die Köpfe der Menschen zu bringen. Soziales Leben muss am Land wieder stattfinden können, plädierte Lang. Integration von Migranten müsse zum Selbstverständnis der Bevölkerung werden. Integration könne funktionieren, wenn sich die Vereine ihrer annehmen, glaubt Wolf. Hilfe und Beratung seien aber Voraussetzung. In der Jugendarbeit vermisst Potschaski ausreichend Therapieplätze. Mehr personelle Ressourcen seien auch nötig, um Migranten schnell mit Sprachkompetenz auszustatten. Mehr Hilfe für die Kommunen bei der Aufnahme von Asylbewerbern fordert Schweiger. Bei der Jugendsozialarbeit und der Seniorenarbeit will sie mehr Vernetzung der einschlägigen Stellen.

Eine große Behörde führen

Aus ihrer beruflichen Erfahrung leiten alle Kandidaten ab, mit einer 800 Menschen starken Behörde zurechtzukommen. Gefragt nach ihren persönlichen Stärken nannte Schweiger unter anderem die Fähigkeit auf andere zuzugehen und zuhören zu können, Potschaski sieht sich als Teamarbeiter und Wolf beschreibt sich als menschlich ehrlich und zuverlässig. Er habe erkannt, dass vieles möglich ist, wenn man sich gegen Bürokratie auflehnt, betonte Lang und Scharfenberg will im Kreistag für ein Denken werben, das soziale Fragen aufgreift. Er sei der richtige Landrat, so Aumer, weil er zuhören, verarbeiten und umsetzen könne. Er beschrieb sich als offenen Menschen, der mehr Bürgerbeteiligung anstrebe.

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