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Ideen

Schlafmangel, Koffein und Innovation

Mit dem „Hackaburg 2017“ fand die zweite Auflage des Hackathons an der OTH Regensburg statt. Der Erfolg spricht für sich.
von Bastian Winter, MZ

  • Das Team der App „kooci“ darf sich über den Hauptpreis freuen, einen Erlebnistag auf der Rennstrecke mit einem Audi R8.
  • Michael Schwarz vom Team „aMUSE-measure“ testet ein Stirnband, das Gedankenströme sichtbar macht. Fotos: Winter

Regensburg.In einem Hörsaal der OTH blicke ich am Sonntagmorgen in viele müde Gesichter. Es gibt kaum einen Tisch, an dem neben Laptops und Kabelsalat nicht Unmengen an Kaffee-Tassen, leeren Energy-Drink-Dosen oder Mate-Tee-Flaschen stehen – Koffein scheint hier eine wichtige Rolle zu spielen. Vielleicht gerade deshalb ist die Stimmung im Raum hektisch. „Das muss unbedingt neu kalibriert werden,“ tönt es aus einer Ecke. „Ich glaub’ das Frontend schaffen wir heute nicht mehr, wenn es so langsam vorangeht“, hört man aus einer anderen. Je mehr ich mir die einzelnen Teams anschaue, bin ich mir sicher, was hier in der Luft liegt: Innovation.

Am Stand von Sponsor BMW konnten die Teilnehmer dank virtueller Realität fliegen lernen. Foto: Winter
Am Stand von Sponsor BMW konnten die Teilnehmer dank virtueller Realität fliegen lernen. Foto: Winter

Was am Wochenende an der OTH Regensburg stattfand, war ein Hackathon. Am „Hackaburg“ nahmen bei der Erstauflage 2016 100 kreative Köpfe teil, dieses Jahr hatten sich 160 angekündigt. „Wahrscheinlich hätten wir auch auf 250 Personen erhöhen können. Dann haut das aber mit dem Ablauf nicht mehr so hin. Es gäbe dann einfach zu viele Teams“, meint Organisator Markus Guder, der zusammen mit elf anderen Organisatoren das Event auf die Beine gestellt hat.

Mit „Hackern“, wie man sie vielleicht aus den Nachrichten kennt, hat ein Hackathon übrigens nichts zu tun. „Im Entwickler-Jargon bezeichnet man einen Hack als eine clevere oder eventuell unsaubere Lösung eines Problems“, erklärt Guder.

Zu einem Hackathon kommen kreative Köpfe mit unterschiedlichen Fähigkeiten zusammen und versuchen in kurzer Zeit (meist einem Wochenende) eine Idee gemeinsam umzusetzen. Dazu benötigt man unter anderem Programmierer, Designer und auch Marketingspezialisten. Mitmachen kann aber jeder, denn letzten Endes reicht es auch, wenn jemand nur die zündende Idee mitbringt, die dann gemeinsam im Team umgesetzt wird.

Der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt, was man an den 15 Projekten erkennen konnte: darunter waren zum Beispiel eine App, die Wohngemeinschaften und Wohnungssuchende schneller zusammenbringen soll, ein kleines selbstfahrendes Auto, das intuitiv auf Hindernisse reagiert und ein Roboter, der per Gestensteuerung fähig ist, Gegenstände aufzuheben.

15 Teams, ein Wochenende

Ziel war es, bis zum Ende des Hackathons zumindest einen Prototypen seiner Idee präsentieren zu können. „Es geht nicht darum, ein perfektes Produkt abzuliefern, sondern eine Jury, die schlussendlich das Projekt bewertet, von seiner Idee und der damit verbundenen Umsetzung zu überzeugen“, sagt der Organisator.

Eines darf bei einem Hackathon natürlich nicht fehlen – Koffein. Über 50 Liter Kaffee waren am Sonntagmorgen schon verbraucht.
Eines darf bei einem Hackathon natürlich nicht fehlen – Koffein. Über 50 Liter Kaffee waren am Sonntagmorgen schon verbraucht.

Der Hackaburg an der OTH ist damit ein sehr freier Hackathon. Diese Freiheit gibt es nicht immer, denn oft hängen das Thema und die angestrebten Ergebnisse von den Sponsoren ab. „Eine feste Ausrichtung macht einen Hackathon für potenzielle Geldgeber natürlich attraktiver“, erklärt Organisator Guder. „Das schränkt natürlich ein, kann aber auch dazu führen, dass schlussendlich mehr Projekte eine tatsächliche Weiterführung nach dem Event erfahren.“

Trotz der Freiheit des Hackaburg konnten die Organisatoren namhafte Sponsoren gewinnen, wie Hauptsponsor BMW, aber auch Audi, Sixt, Continental. Insgesamt 16 Unternehmen unterstützen die Veranstaltung.

Wichtige Unterstützung bekamen die Veranstalter vom internationalen Verband „Major League Hacking“ (MLH). Dieser hilft studentischen Hackathons professionell bei der Umsetzung. „Ich bin sehr stolz, dass wir einer der zwei von MLH geförderten Hackathons in Deutschland sind“, erklärt Maximilian Pöschl, der 2016 den Hackaburg mitgegründet hat.

Um die Förderung zu erhalten, müssten nämlich eine Reihe genauer Vorgaben bei der Organisation eingehalten werden. Dank MLH gab es dieses Jahr eine Neuerung beim diesjährigen Hackaburg. Im Hardware Lab, standen den Teilnehmern für ihre Ideen verschiedene technische Geräte zur Nutzung zur Verfügung. Dort konnte man sich unter anderem Geräte für die virtuelle Realität ausleihen (HTC Vive, Motion Leap, Holo Lens), mit Amazons Sprachassistentin Alexa arbeiten oder seinen Ideen an einem 3D-Drucker eine Form geben.

Wer hat die beste Idee?

Den Innovationspreis räumte das Team „aMUSE-measure“ ab. Per Gehirnströmen kann ihre Anwendung erkennen, wie gut eine Person ein Video oder eine Werbung findet. Foto: Winter
Den Innovationspreis räumte das Team „aMUSE-measure“ ab. Per Gehirnströmen kann ihre Anwendung erkennen, wie gut eine Person ein Video oder eine Werbung findet. Foto: Winter

Eine Jury aus den beiden Hauptorganisatoren, zwei Professoren der OTH und zwei Sponsoren-Vertretern entschied am Ende über alle Ideen im Rahmen der finalen Produktpräsentationen, den sogenannten „Pitches“. In diesen kurzen Vorträgen gilt es, die Jury für seine Idee zu begeistern. Die Kriterien waren Innovation, technische Schwierigkeit, potenzielle Wirkungen der Idee, die Qualität der Präsentation und der Gesamteindruck. „Die Kriterien haben wir absichtlich schlank gehalten, damit man während der ohnehin nur dreiminütigen Präsentationen auch noch aufpassen kann, ohne einen Katalog abhaken zu müssen“, so Jury-Mitglied Pöschl.

Das Team der App „kooci“ darf sich über den Hauptpreis freuen, einen Erlebnistag auf der Rennstrecke mit einem Audi R8.
Das Team der App „kooci“ darf sich über den Hauptpreis freuen, einen Erlebnistag auf der Rennstrecke mit einem Audi R8.

Letztlich konnte das Team der App „kooci“ überzeugen. Die Anwendung für Smartphones soll beim Kochen helfen. Der Clou dabei: Das Smartphone erkennt bei der Anleitung nicht nur Sprachbefehle, sondern kann anhand eines Sensors am Handgelenk erkennen, bei welchem Schritt im Rezept sich der Nutzer gerade befindet und ihm entsprechende Anweisungen geben. Hauptpreis war ein Erlebnistag bei Audi, bei dem sich das Team aus Niko Tzioras, Andre Müller, Mathias Quintero, Adnan Makhani und Ute Schiehlen den neuen Audi R8 auf der Rennstrecke testen dürfen.

Wie konzentriert ist der Betrachter?

Über den Innovationspreis des Sponsors BMW, einen Scheck in Höhe von 2000 Euro, durfte sich das vierköpfige Team „aMUSE-measure“ freuen. Sie entwickelten eine Methode, mit der anhand von Gehirnströmen gemessen werden kann, wie konzentriert eine Person einem Videoclip folgt. Werbefirmen können so die Wirkung ihrer Produkte präzise testen.

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Was ist ein Hackathon?

  • Begriff:

    Mit „Hackern“, wie man sie vielleicht aus den Nachrichten kennt, hat ein Hackathon nichts zu tun. „Im Entwickler-Jargon bezeichnet man einen Hack als eine clevere oder eventuell unsaubere Lösung eines Problems“, erklärt Guder.

  • Hackathon:

    Zu einem Hackathon kommen kreative Köpfe mit unterschiedlichen Fähigkeiten zusammen und versuchen in kurzer Zeit (meist einem Wochenende) eine Idee gemeinsam umzusetzen. Dazu benötigt man unter anderem Programmierer, Designer und auch Marketingspezialisten.

  • Teilnahme:

    Mitmachen kann jeder, denn letzten Endes reicht es auch, wenn jemand nur die zündende Idee mitbringt, die dann im Team umgesetzt wird. (mwb)

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