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Bürgerfest

Schlemmen: Neues aus Töpfen und Pfannen

Ein MZ-Redakteur kämpfte sich von Fressstand zu Fresstand. Er war auch dort, wo man „Vleisch“ mit veganem „V“ schreibt.
Von Heinz Klein, MZ

  • Köchin Leah zeigt den kross frittierten Thlapi: Alle wollten den Fisch, der afrikanische Stand war der Knüller in der Thundorferstraße. Fotos: altrofoto.de
  • Fladenbrot und Flammkuchen schmecken immer wieder. Foto: altrofoto.de
  • Ein legal erworbener Räuberspieß Foto. altrofoto.de
  • Beißt sich gut: Die bewährte Steaksemmel. Foto: altrofoto.de-l
  • Holler- und Apfelkiachl aus der Hallerdau: ein regional und jahreszeitlich passendes Schmankerl. Foto. Klein
  • Der Vegane Döner: Schmeckt zu 95 Prozent wie richtig guter Döner und zu fünf Prozent ein bisserl anders – aber gut!Foto: altrofoto.de
  • Die Lebensmittel-Retter von Foodsharing strichen ein Pesto aus leicht betagtem Gemüse auf Brot von vorgestern. ökologisch korrekt und durchaus schmackig! Foto: altrofoto.de

Regensburg.Wo gefeiert wird, da wird gegessen. Und was bei dem größten aller Feste in Regensburg nicht alles gemampft und gekaut, geschlabbert und geschleckt wurde. Das Bürgerfest, ein einziges „eat to go“. Nein, manchmal blieb man auch sitzen. Zum Beispiel an der langen Tafel an der Thundorferstraße, wo Slow Food regierte. Dort musste man ja schließlich auch slow essen, zum Beispiel ein extrem langsames Käsebrot. Na ja, prickelnder wäre schon der Champagner am benachbarten Edelschlürfstand gewesen. Aber gleich den Geldbeutel so strapazieren? Der sollte in diesen drei Bürgerfesttagen ohnehin noch ganz schön abnehmen – ganz im Gegensatz zu seinem Besitzer. Da lobe man doch den „Strohhalm“, da gab’s einen Schweinebraten mit Semmelknödel und Kraut für den wirklich hochanständigen Preis von sechs Euro.

Und wo gab es was ganz umsonst? Richtig, in der Maximilianstraße beim Foodsharing-Stand. Die netten jungen Lebensmittelretter boten kleine würzige Rettungshäppchen an – selbst gemachte Pasten aus im Handel schon verschmähten Paprika oder roten Beeten auf Brotscheibchen von vorgestern. Man aß eigentlich mehr die Idee des Lebensmittelrettens als das kleine Häppchen. Beides ist gut.

Nanu: Schmalzbrot ohne Schmalz

Ansonsten sorgten zigtausende Besucher dafür, dass an den vielen, vielen Essständen nichts verkam. Sie retteten alles, was es zu retten gab: Fischpflanzerl und Steaksemmeln, Langos und Donuts, Turbokartoffeln und Baklava, Crêpes und Bioburger, Feuerspieße und Fladenbrote, Burritos und Leberkässemmeln, Bratwürstl und Glasnudeln, Wallerfilet, Falafel, Chicken Wings, Apfelkiachl und natürlich den allgegenwärtigen Döner.

Freilich gab manches auch ein wenig Rätsel auf. So fragte man sich zum Beispiel beim Räuberspieß, ob so ein geraubter Spieß nicht ein bisschen preiswerter hätte sein können. Auch die stürmische Tornadokartoffel dürfte für 3,50 Euro eine satte Rendite abgeworfen haben. Aber lassen wir den schnöden Mammon, man gönnt sich ja sonst nix.

„Am, besten, du probierst alles, vor allem neue Sachen – und iss auch mal was Veganes, das ist nicht gefährlich.“ So lautete mein Auftrag. „Bring’s hinter dich“, dachte ich mir und stellte mich in einer Schlange beim Stand der „kleinen Veganerie“ am Haidplatz an – dort, wo man „Vurst“ mit dem veganen „V“ schreibt und „Vleisch“¨ auch. Schlange, ja richtig, da standen viele Menschen, die offensichtlich aus freiem Willen hier waren, um eine „Vleischsemmel“ nach Döner-Art zu essen. „Es sind auffallend viele schlanke Menschen“, dachte ich und dann hatte ich ihn in der Hand, den ersten veganen Döner meines Lebens. Beim ersten Bissen war ich baff, beim zweiten begeistert! Das schmeckt! – zu 95 Prozent nach gutem Döner und zu fünf Prozent ein bisschen anders. Gemacht ist es aus Seitan, einer Art Nudelteig aus Weizen, mit Majo, die nie ein Hühnerei gesehen hat, dafür aber Cashew-Nüsse und geheimen Zutaten. Sensationell auch das Griebenschmalzbrot ohne Griebenschmalz mit 100 Prozent Griebenschmalzgeschmack! „Viele sind Neueinsteiger, aber es gibt auch viele Wiederkommer, die sich durchs ganze Sortiment futtern“, sagte mir der vegane Markus Dillig, der den Stand mit Sabine Beintinger betreibt und selbst ganz begeistert von dem Erfolg ist.

Völlig „vertig“ vom Verräumen veganer Vorurteile trabte ich zur Gegenprobe hinüber nach Stadtamhof, nicht ohne vorher am Kornmarkt dem Walliser Schwarznasenschaf ohne Gewissensbisse und mit veganer Aufrichtigkeit in die Augen geschaut zu haben. Jetzt aber auf zum „Sündenfall“ am Mutz-Stand, wo das Fleisch vom Schweinenacken auf Spießen zwei Stunden überm Feuer schmurgelt. Ein Stück Mutz-Fleisch in der Semmel – „gigantisch“, muss ich sagen.

Die Knüller: Thlapi und Maislimo

Nun aber Fisch! Bei den Donaufischern am Eisernen Steg sind die Fischpflanzerl hauptsächlich aus Nasen gemacht. „Die fangen wir im Donaudurchbruch“, sagte mir der Donaufischer. Nasen sind Weißfische aus der Familie der Karpfenartigen. Der frische Kren auf der Semmel ging schon in die Nas’n, die Nasen selber nicht.

Und noch mal Fisch! In der Thundorferstraße lag ein Duft in der Luft, der viele Menschen vor einem afrikanischen Stand zum Stehen brachte. Eine Schar bunt gekleideter Ghanaerinnen hatte dort alle Hände voll zu tun, denn alle wollten diesen Fisch! „Thlapi“ heißt er in der Bantusprache, Tilapia nennt man ihn in Europa: ein afrikanischer Buntbarsch aus warmen Gewässern. Mit afrikanischen Gewürzen veredelt, kross frittiert und mit einer geheimnisvollen roten Soße überzogen ist „Thlapi“ zuerst ein Augenschmaus und dann ein echter Gaumenschmaus. Mit Plastikgäbelchen ist dem Barsch allerdings kaum beizukommen. „Man sollte ihn ja auch mit den Händen essen“, verriet Köchin Leah. Mitsamt der roten Soße? Habe ich dann auch gemacht, aber man muss hinterher vielen Menschen die Hände schütteln, bis die Soße wieder weg ist.

Am peruanischen Stand von Pachamama wartete ein Knüller: Limonade aus schwarzem Mais, mit Ananas und Äpfel gekocht und Zimt und Limettensaft verfeinert – herrlich! Dazu ein mariniertes Rinderherz vom Rost, auch gut. Am Rückweg noch eine Bratwurstsemmel vom „Strohhalm“, wo am Morgen eine der Armen Schulschwestern in die Geheimnisse des Grillens eingewiesen worden war. Hat sie gut gemacht! Abschließend eine gute Tat in der sozialen Meile: Den afrikanischen Eintopf von der Uganda-Kinderhilfe – Reis mit Linsen, obendrauf eine grüne Haube aus geschmortem Spinat und eine gelbe Kochbanane – fein. Und von nebenan eine frische Hollerkiachl aus der Hallertau. Na, wenn das nicht multikulti war! Es drückt nur ein bisserl im Magen.

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