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Vortragsreihe

„Schulsystem ist Gift für Gesellschaft“

Margret Rasfeld kritisiert bei einem Vortrag in Regensburg die Auslese in der Bildung. Sie steht für den Verzicht auf Noten.
Von Thomas Kreissl, MZ

Ein Junge fasst sich beim Anblick seines Zeugnisses ans Auge (gestelltes Bild). Bildungsexpertin Margret Rasfeld fordert, in der Schule auf Noten zu verzichten.
Ein Junge fasst sich beim Anblick seines Zeugnisses ans Auge (gestelltes Bild). Bildungsexpertin Margret Rasfeld fordert, in der Schule auf Noten zu verzichten. Archivfoto: dpa

Regensburg.Margret Rasfeld ist eine leidenschaftliche Visionärin. Ihr großes Ziel ist es, das System Schule zu verändern – von Grund auf, radikal. Transformation nennt sie das. „Ich stehe für die Transformation des Schulsystems“, erklärt sie den rund 80 Besuchern, die am Montagabend zum Auftakt der Vortragsreihe „Gebt den Kindern Flügel – Abenteuer Schule“ in die Buchhandlung Dombrowsky gekommen sind. In drei Vorträgen und einer Podiumsdiskussion steht dabei vor allem das Grundschule im Mittelpunkt. Unser Medienhaus begleitet die Vortragsreihe von 20. bis 25. Februar mit einer Themenwoche.

Es geht nie um die Kinder

Was Rasfeld zu sagen hat, geht weit über die Grundschule hinaus. Sie hat das Bildungssystem als Ganzes im Blick. Ein System, in dem es ihren Beobachtungen zufolge nie um die Kinder und kaum um Bildung geht. Stattdessen gebe es in Deutschland ein datenbasiertes Konkurrenzsystem zwischen den Bundesländern. „Wie bescheuert ist das denn, nur immer hinter PISA-Punkten herzurennen“, schimpft sie.

Margret Rasfeld fordert eine grundsätzliches Umdenken im Bildungssystem.
Margret Rasfeld fordert eine grundsätzliches Umdenken im Bildungssystem. Foto: Kreissl

Rasfeld polarisiert, provoziert, eckt an. Und sie unterfüttert ihr Kritik mit Verweisen auf eine Unmenge von Datenmaterial: Bücher, Studien und Untersuchungen, die leider nur selten den Weg an eine breite Öffentlichkeit gefunden hätten. Margret Rasfeld weiß, wovon sie spricht, denn sie hat selbst an einigen mitgearbeitet. Sie ist Mitbegründerin der Initiative „Schule im Aufbruch“, wurde mit dem Querdenker-Award in der Kategorie „Vordenker“ ausgezeichnet und entwickelt mit der UNO die 17 Development global goals für den Bereich Bildung. Pausenlos ist die mittlerweile pensionierte Schulleiterin im In- und Ausland unterwegs, erreicht ihren eigenen Angaben zufolge 40 000 bis 50 000 Menschen im Jahr mit ihren Anliegen.

„Unser Schulsystem betont die Ungleichwertigkeit“, ist einer ihrer zentralen Kritikpunkte. Es sei extrem selektiv und damit Gift für die Gesellschaft. Die Bildungsexpertin bezieht dagegen klar Position. Und sie zeigt auf Wege, die ihrer Meinung nach aus dieser Entwicklung herausführen. Einer davon ist die Einführung der Gesamtschule, der andere der Verzicht auf Noten.

„Die müssen unbedingt abgeschafft werden“, fordert sie. Schießlich tendiere der Wirkungsgrad der Schule gegen Null, wenn es um die Vermittlung von Wissen gehe. Sehr viel mehr Nachhaltigkeit könne die Schule dagegen mit Blick auf Haltung und Einstellung der Kinder erzielen. Diese Erkenntnis meint Rasfeld auch bereits in bei den Unternehmen erkannt zu haben. „Eine 1,0 kann schädlich sein“, sagt sie und provoziert: Die meisten 1,o-Schüler haben ihrer Meinung nach nur gezeigt, dass sie sich am besten anpassen können an das System.

Wie kommen Kinder, Eltern und Lehrer gut durch die Schulzeit? Das beleuchten wir mit einer Diskussion und einer Themenwoche.

Schüler organisieren sich selbst

Doch bei aller polarisierenden Kritik, Margret Rasfeld ist auch Praktikerin. Bis vor wenigen Monaten war sie Leiterin der Evangelischen Gemeinschaftsschule Berlin-Zentrum und hat vorexerziert, wie Schule anders gemacht werden. Unter anderem gibt es hier für die Hauptfächer Lernbüros, in denen Schüler verschiedener Jahrgangsstufen weitgehend selbst organisiert lernen und über Tests, deren Zeitpunkt sie selbst bestimmen, Zertifikate erwerben, die über ihren Leistungsstand Auskunft geben.

Wichtige Eckpunkte sind zudem Projekte und zwei neue Fächer. Etwa das Fach Verantwortung, bei dem die Schüler einmal in der Woche eine Aufgabe im Gemeinwesen übernehmen. Oder das Fach Herausforderung: Hier suchen sich die Schüler einmal im Jahr eine dreiwöchige Aufgabe außerhalb von Berlin, die sie allein oder in Gruppen mit einem vorgegebenen Budget und in Begleitung eines Coaches bewältigen. Das können anspruchsvolle Wander- oder Radtouren genauso sein, wie eine Recherche im Konzentrationslager oder die Produktion eines Films.

Der nächste Vortrag ist am Donnerstag, 9. Februar, um 20 Uhr im Leeren Beutel. Das Thema lautet Thema“ Lasst Kinder träumen – Warum Fantasie wichtiger ist als Wissen“. Referent ist der Familien- und Kommunikationsberater Jan Uwe Rogge. Der Eintritt kostet 10 Euro.

Podiumsdiskussion

  • Teil einer Themenwoche

    Herausforderung Schule – wie Kinder, Eltern und Lehrer gut durch die Schulzeit kommen? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine Podiumsdiskussion am Dienstag, 21. Februar, um 20 Uhr im MZ-Verlagshaus. Die Diskussionsveranstaltung ist Teil einer Themenwoche vom 20. bis 25. Februar, die die Lokalredaktion der Mittelbayerischen Zeitung dem „Abenteuer Grundschule“ widmet. Die Debatte wird per Live-Stream auf www.mittelbayerische.de übertragen.

  • Vier Experten auf dem Podium:

    Christine Frey ist als staatliche Schulpsychologin und für alle Grund- und Mittelschulen in Stadt und Landkreis Regensburg zuständig, Verena Hinrichs ist Elternbeiratsvorsitzende der Kreuzschule, Mirjam Thurn ist Konrektorin der Wolfgangsschule und Dr. Hermann Scheuerer-Englisch ist Diplom-Psychologe und Leiter der Erziehungsberatungsstelle der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg.

  • Moderatoren

    Moderiert wird die Podiumsdiskussion von der stellvertretender Leiterin der MZ-Lokalredaktion, Andrea Fiedler, und Redakteur Thomas Kreissl.

  • Anmeldung

    Die Anmeldung zur Podiumsdiskussion im MZ-Verlgashaus ist bis 20. Februar möglich bei der Volkshochschule Regensburg unter Tel. 507-24 33 oder per Mail unter der Adresse service.vhs@regensburg.de .

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