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Natur

Schwarzangler: Problem mit großer Dunkelziffer

Jüngst wurde wieder ein Fischdieb erwischt. Die Angelvereine fühlen sich machtlos, weil die Strafen meist sehr gering sind.
Von Jürgen Scharf, MZ

Mit der Angel am Ufer stehen. Für Sportfischer ist das die Erfüllung. Wer aber ohne Erlaubniskarte und Fischereischein angelt, der begeht eine Straftat. Foto: dpa

Regensburg. Vor einer Woche machte die Polizei eine seltene Beute. Ein Schwarzangler wurde an einem Fischweiher in Fronau bei Regenstauf auf frischer Tat ertappt. Das ist ungewöhnlich, gelten Schwarzangler doch als äußerst scheue Spezies, die angeblich mehrere hundert Meter gegen den Wind riechen, wenn es Probleme geben könnte. Dieses Mal behielten die Ordnungshüter die Oberhand. Aufmerksame Zeugen hatten den Beamten gemeldet, dass ein unbekannter Mann an dem Fischteich angelt. Die Polizei fuhr hin und kontrollierte den 35-jährigen Osteuropäer. Er hatte keinen Fischereischein; und eine Erlaubnis, in dem Gewässer zu angeln, sowieso nicht. Seine Ausrüstung wurde von der Polizei sichergestellt, nun erwartet ihn eine Anzeige wegen versuchten Fischdiebstahls.

In Stadt und Landkreis Regensburg gibt es viele Gewässer, die wunderbar zum Angeln geeignet sind. Von der Donau bis zum Regen können die Petri-Jünger aus etlichen Fließgewässern wählen, dazu kommen viele kleine Seen oder Baggerweiher. Um einen artgerechten Umgang mit den Fischen zu gewährleisten, müssen Angler eine Prüfung ablegen. Wer besteht, erhält den Fischereischein. Dann darf er aber immer noch nicht überall dort angeln, wo es ihm gerade gefällt. Er braucht für jedes Gewässer eine Erlaubniskarte. Diese gibt es als Tages- oder Jahreskarten. Zumeist werden sie von den ansässigen Anglervereinen verkauft.

Schwarzangler scheren sich um diese Regeln herzlich wenig. Sie betrachten die – oft von Vereinen mühsam mit Fischen besetzten – Gewässer als rechtsfreie Zone und angeln, wo sie wollen. Den Angelvereinen stößt das mächtig sauer auf. Die MZ fragte bei mehreren Vereinsvorsitzenden in Stadt und Landkreis nach. Viele, wie etwa Manfred Schweiger vom Angelsportverein Schierling, können über Schwarzangler einige Geschichten erzählen. „Die haben wir immer wieder“, sagt er. Und die Dunkelziffer der nicht Erwischten liegt nach Schweigers Überzeugung „noch viel höher“.

In der Tat ist es für die Gewässeraufseher nicht einfach, einen Schwarzangler zu überführen. Gewässeraufseher werden vom Verein bestellt. Sie müssen eine Zusatzprüfung ablegen und kontrollieren dann regelmäßig die Flüsse und Seen. Der Angelsportverein Schierling hat alleine fünf Gewässeraufseher. Einen Schwarzangler erkennen diese schnell. Die Tageskarten werden vom Verein verkauft, die meisten Angler sind deswegen persönlich bekannt. Doch wird der Schwarzangler gestellt, beginnen die Probleme erst. Die Gewässeraufseher dürfen verlangen, dass der Schwarzangler ihnen Fischerei- und Berechtigungsschein sowie einen Ausweis vorzeigt. Ob der Schwarzangler dies freiwillig macht, steht auf einem anderen Papier. Und den Täter dann festzuhalten, bis die Polizei eintrifft, könnte für die Aufseher gefährlich werden.

Hans Holler ist Vorsitzender des Anglerbunds Regensburg. Etliche Donau-Kilometer betreut der Verein. Schwarzangler sind hier ein großes Thema. Erst vor ein paar Wochen haben die Aufseher wieder einen auf frischer Tat ertappt. Dessen Fischereischein war bereits abgelaufen, eine Tageskarte hatte er nicht.

Die Aufseher brachten den Mann zur Polizei. „Die wussten aber nicht so recht, was sie mit ihm anfangen sollen und haben dann wieder uns gerufen“, erzählt Holler. Falsche oder abgelaufene Fischerei-Dokumente zu erkennen, ist für Polizeibeamte gar nicht so einfach. Dafür hat Holler, der für die SPD auch im Stadtrat sitzt, noch Verständnis, wie er sagt. Dass die Schwarzangler aber „oft überhaupt keine oder nur eine sehr geringfügige Strafe erhalten“, das will er nicht einsehen: „Als Anglerverein fühlt man sich da von Polizei und Justiz etwas alleine gelassen.“

Holler hat schon von mehreren Fällen gehört, in denen die Strafanzeigen gegen Schwarzangler wegen Geringfügigkeit eingestellt wurden. „Und wenn es eine Strafe gibt, dann meist 40 oder 50 Euro und dann ist der Fall erledigt.“ Holler glaubt, dass solche Mini-Strafen nicht abschreckend wirken.

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