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Kirche

Schwieriger Weg für das Bistum Regensburg

Der Missbrauchsskandal machte schon 2010 Schlagzeilen. Erst in jüngster Zeit ist Bewegung in die Aufklärungsarbeit gekommen.

Die Türme des Regensburger Doms ragen aus dem Nebel.
Die Türme des Regensburger Doms ragen aus dem Nebel. Foto: dpa

Regensburg.Das Bistum Regensburg will mehr Offenheit an den Tag legen. Das wurde von den Verantwortlichen zuletzt immer wieder beteuert. In der Predigt bei der Vesper zu seinem Weihejubiläum am 25. Januar verurteilte Bischof Rudolf Voderholzer sexuellen Missbrauch und körperliche Gewalt und bat die Opfer um Vergebung. „Zwei der damaligen Verantwortlichen in Etterzhausen und später in Pielenhofen haben den jungen Buben durch ihr Terrorsystem, dessen einzige pädagogische Maßnahme offenbar die körperliche Züchtigung war, die Hölle bereitet“, sagte er. Im Abstand von nicht einmal vier Monaten veröffentlichte das Bistum auch zwei brisante Zwischenberichte: Im November gab erstmals der Missbrauchsbeauftragte des Bistums, Dr. Martin Linder, Auskunft über seine Arbeit. Am Dienstag legte Angelika Glaß-Hofmann, Ansprechpartnerin des Bistums für Opfer von Körperverletzung, ihren Bericht vor.

Es dauerte, bis sich das Bistum zu diesen Schritten durchringen konnte. Fünf Jahre ist es immerhin bereits her, dass der Missbrauchsskandal erstmals Schlagzeilen machte. Der ehemalige Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, inzwischen Glaubenspräfekt in Rom, tat sich in Sachen Aufklärung nicht hervor. Für Irritationen sorgte gestern auch die Ankündigung des Bistumssprechers Clemens Neck zu Beginn des Pressetermins, dass „im Zweifelsfall für Zitate das gedruckte Wort“ – also der schriftliche Zwischenbericht – gelten solle. Video- und Tonaufnahmen waren während der Ausführungen von Angelika Glaß-Hofmann und Rechtsanwalt Andreas Scheulen nicht gestattet. Generalvikar Michael Fuchs stand nach dem Gespräch für Statements zur Verfügung. Auch wenn am Ende keine Frage unbeantwortet blieb und – zumindest unserer Zeitung gegenüber – keine Aussage zurückgezogen wurde, waren das ungewöhnliche Umstände. Das Bistum bat um Verständnis dafür, weil es nach dem vorherigen Pressetermin dieser Art Morddrohungen gegeben habe.

Heftiger Kritik ausgesetzt sah sich das Bistum nach der Ausstrahlung einer Dokumentation des SWR Anfang des Jahres. Darin schildert ein ehemaliger Schüler der Domspatzen-Vorschule in Etterzhausen, wie er von einem damaligen Präfekten schwer missbraucht wurde. Das Bistum sprach danach von „neuen Erkenntnissen“, weshalb dieser Fall nun auch als sexueller Missbrauch anerkannt werde. Zuvor war der Antrag des Mannes abgewiesen worden.

Bemerkenswert ist, dass Generalvikar Fuchs am Dienstag einen Systemfehler einräumte. Mit Blick auf das Vorschulinternat Etterzhausen/Pielenhofen sprach er von einem „System der Angst“. Für die Zukunft kündigte er an, dass das Bistum seine Aufklärungstätigkeit insgesamt von einer unabhängigen Stelle prüfen lassen werde. Wenn das Bistum damit ernst macht, wäre das ein großer Schritt auf dem Weg zu mehr Offenheit.

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