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Migration

Sea-Eye will mit Mahnwache aufrütteln

Die Schiffe der Regensburger Hilfsorganisation dürfen momentan nicht auslaufen. Das Sterben auf dem Mittelmeer geht weiter.
Von Sarah Höger

Die Zahl 13 459 haben die Sey-Eye-Mitarbeiter auf einen Leichensack geschrieben. Foto: Höger
Die Zahl 13 459 haben die Sey-Eye-Mitarbeiter auf einen Leichensack geschrieben. Foto: Höger

Regensburg.13 459 – diese Zahl prangte am Samstagvormittag in großen, schwarzen Ziffern auf einem weißen Leichensack vor dem Regensburger Dom. Sie steht für die seit 2015 während ihrer Flucht im Mittelmeer ertrunkenen Menschen. Um auf die anhaltende Not der Flüchtenden auf dem Weg von Nordafrika nach Europa und auf die zahlreichen im Meer ertrunkenen Menschen aufmerksam zu machen, hat die Regensburger Seenotrettungsorganisation Sea-Eye e. V. eine Mahnwache abgehalten.

Sea-Eye

  • Der Verein:

    Die Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye wurde 2015 gegründet und rettet seit 2016 als eine der Nichtregierungsorganisationen (NGO) im Mittelmeer Menschen vor dem Ertrinken.

  • Die Arbeit:

    Seit ihrer ersten Mission hat Sea-Eye laut eigenen Angaben 14 378 Menschen auf dem Mittelmeer gerettet. Derzeit wird die Arbeit des Regensburger Vereins vor allem von italienischen und maltesischen Behörden behindert. Die Häfen drohen Schiffe von Nichtregierungsorganisationen nicht mehr anlaufen zu lassen.

Zahlen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bestätigen die von Sea-Eye angeprangerte Zahl der Ertrunkenen: 13 474 Geflüchtete sind laut der Organisation seit 2015 im Mittelmeer gestorben. Mehr Menschen, als der Regenburger Stadtteil Burgweinting-Harting Einwohner hat. Eine Zahl, die die Menschen in Europa laut „Sea-Eye“ aufmerksam machen soll: „Die Mahnwache und andere Aktionen am Samstag, wie zum Beispiel die Aktion ‚Seebrücke‘, die in vielen Städten stattfindet, sollen die Menschen aufrütteln.“ Die Organisation wolle den Tod von Menschen nicht hinnehmen.

Die EU hat die Asylpolitik in den letzten Monaten deutlich verschärft. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach von „Asyltourismus“, der italienische Innenminister Matteo Salvini bezeichnete die durch private Seenotrettungsorganisationen geretteten Menschen als „Menschenfleisch“.

Rettungsschiffe sitzen fest

Die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen (NGO) auf dem Mittelmeer leidet unter dem Bestreben Europas, die Flüchtlingsrouten zu schließen. Schiffe von privaten Organisationen werden vor allem von den Behörden von Italien und Malta am Auslaufen behindert, seit letzter Woche sind keine Rettungsschiffe privater Seenotrettungsorganisationen mehr im Mittelmeer unterwegs. Die Häfen dürfen keine Rettungsschiffe mehr einlaufen lassen, Schiffe wurden in den Häfen festgesetzt. So auch die „Seefuchs“, ein Schiff von Sea-Eye, das derzeit auf Malta trocken liegt und nicht auslaufen kann. „Unsere Sorge ist, dass unser Schiff mitsamt der Crew nicht mehr den Hafen anlaufen darf, sollte es den ‚sicheren‘ Hafen erstmal verlassen haben“, so Günther Lindner, der sich selbst als Search- and Rescue Coordinator für Sea Eye engagiert und 2015 als Kapitän von Sea Eye im Mittelmeer Schiffbrüchige rettete, im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Lindner betonte die „humanitäre Leitlinie“ von Sea-Eye. Dem Verein gehe es darum, Schiffbrüchige vor dem Tod im Mittelmeer zu bewahren. Laut Sea-Eye werfe Europa in diesem Jahr allerdings „humane Grundwerte über Bord“.

Sea-Eye-Team ist bereit

Die NGO wartet darauf, endlich wieder auslaufen zu dürfen, um Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Auch das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR forderte die Politik dazu auf, die Seenotrettungsorganisationen nicht mehr von ihrer wichtigen Arbeit auf dem Mittelmeer abzuhalten. Jedes Schiff, das in der Lage sei, Such- und Rettungseinsätze zu unterstützen, solle laut UNHCR die Möglichkeit haben, den Schiffbrüchigen zu Hilfe zu kommen. Sea-Eye bekräftigte, dass sie jederzeit bereitstünde, „wieder auf das Meer hinauszufahren, um den Tod von Flüchtenden zu verhindern“.

Lindner sei froh darüber, dass die Regensburger Bevölkerung der Arbeit von Sea-Eye größtenteils positiv gegenüber stünde. Anfeindungen sei der Verein aber nach wie vor ausgesetzt. Dass die Menschen, die sich mit einem Boot auf den Weg nach Europa machten, „selbst schuld“ daran seien, wenn sie kenterten, sei ein häufig geäußertes Argument, das Lindner zu hören bekommen habe.

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