MyMz
Anzeige

Jubiläum

Seit 50 Jahren setzt die UB Maßstäbe

1964 wurde die Universitätsbibliothek Regensburg gegründet. Mit innovativen Ideen wurde sie über Bayern hinaus zum Vorbild.
Von Louisa Knobloch, MZ

  • Studierende arbeiten im Lesesaal Philosophicum II der Universitätsbibliothek Regensburg. Foto: Archiv/Knobloch
  • Bibliotheksdirektor Dr. Rafael Ball würdigte die Leistung der Mitarbeiter. Foto: Knobloch
  • Mitarbeiter der ersten Stunde: Ute Kapuste und Elmar Oberkofler haben 1964 in der Universitätsbibliothek Regensburg angefangen. Foto: Knobloch

Regensburg.Mit ihren 50 Jahren ist die Universitätsbibliothek Regensburg im Vergleich zu manch anderer Bibliothek ein ziemlicher Jungspund. Ihre Bedeutung reicht aber weit über die Region hinaus. Als „Vorbild und Taktgeber für zukunftsorientierte und innovationsfreudige Bibliotheksarbeit in Bayern und ganz Deutschland“ würdigte Dr. Wilhelm Hilpert, der Leiter der Benutzungsabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek, die Regensburger Universitätsbibliothek beim gestrigen Festakt zum Gründungsjubiläum.

Innovativ war 1964 bereits das Konzept: Während es an vielen anderen Universitäten neben der zentralen Bibliothek noch unabhängige Instituts- und Lehrstuhlbibliotheken gibt, wurde in Regensburg konsequent ein einschichtiges Bibliothekssystem umgesetzt. Dabei unterliegen alle Teilbibliotheken einer zentralen Leitung, die auch für die Beschaffung und Katalogisierung der Bestände zuständig ist. Neu war auch die systematische Aufstellung von Büchern in den Freihandbereichen: Relevante Literatur zu einem Thema sollte an einem Ort zu finden sein. Diese Systematik, die Regensburger Verbundklassifikation (RVK), wird mittlerweile von über 130 Bibliotheken in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien genutzt.

Früh moderne Technik eingeführt

Dass sich die Zentralbibliothek im Zentrum des Campus befindet, ist Uni-Präsident Prof. Dr. Udo Hebel zufolge kein Zufall: „Die Bedeutung der Universitätsbibliothek für Forschung und Lehre kann nicht hoch genug eingeschätzt werden“, betonte er. Mit neuen, benutzerfreundlichen Diensten wie E-Books, Datenbanken und Open Access gestalte sie den Wandel in der Informationskultur aktiv mit.

Auch die Stadt sei „mächtig stolz“ auf die Universitätsbibliothek, sagte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, der mit seinen Amtskollegen Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Jürgen Huber gekommen war. Schließlich habe die Stadt ihre Entwicklung seit den 1960er Jahren zu einem großen Teil ihren Hochschulen zu verdanken.

Als Nachfolger von Max Pauer übernahm Dr. Friedrich Geißelmann 1990 die Leitung der Universitätsbibliothek. Er habe die innovativen Dienstleistungen weiter ausgebaut, betonte Ralph Deifel vom Deutschen Bibliotheksverband. So startete 1997 die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) – ein Service, der mittlerweile von mehr als 600 Bibliotheken und Forschungseinrichtungen weltweit genutzt wird.

Schon früh hatte die Universitätsbibliothek auf moderne Informationstechnik gesetzt und etwa den Zettelkatalog durch einen Mikrofiche-Katalog ersetzt. In Zeiten des digitalen Wandels seien diese Entschlossenheit und der Mut zum Risiko mehr denn je gefordert, sagte Prof. Dr. Thomas Bürger, der Generaldirektor der Sächsischen Landesbibliothek, in seinem Festvortrag. Digitalisierung, Open Access oder das Management von Forschungsdaten stellten die Bibliotheken vor neue Herausforderungen, die nur gemeinschaftlich gelöst werden könnten. „Bibliothekare müssen sich als Anwälte des freien Zugangs zur gigantisch wachsenden Menge an Informationen verstehen.“

Der Regensburger Bibliotheksdirektor Dr. Rafael Ball würdigte die Mitarbeiter, die mit ihrer Leistung die Erfolgsgeschichte der Bibliothek erst ermöglicht hätten: „Es sind Menschen, die eine Bibliothek zu dem machen, was sie ist.“

Aus der Altstadt auf den Campus

Mit Elmar Oberkofler war beim Festakt auch ein Mann der ersten Stunde anwesend. Er hatte im September 1964 eine Stelle als Bibliothekar in der neugegründeten Universitätsbibliothek angetreten. „Damals hatte ich ein kleines Zimmer im Alten Rathaus“, erinnert sich der 84-Jährige. Im November 1964 stieß Ute Kapuste zu dem noch kleinen Bibliotheksteam. Sie arbeitete zunächst im Thon-Dittmer-Palais, später im alten Gymnasium am Ägidienplatz. „Die ersten drei Jahre waren wir damit beschäftigt, Bücher zu erwerben und den Katalog vorzubreiten“, sagt sie. Mit Beginn des Lehrbetriebs an der Universität Regensburg zum Wintersemester 1967/68 zog die Bibliothek aus der Altstadt auf den Campus – zunächst provisorisch ins Sammelgebäude, bis 1974 die Zentralbibliothek fertiggestellt wurde. „Es war eine interessante Zeit, wir hatten eine schöne Gemeinschaft“, erinnert sich Kapuste an die Anfangszeit. Bis 1993 arbeitete die heute 85-Jährige in der Universitätsbibliothek, Oberkofler bis 1994.

Die Baugeschichte der Universitätsbibliothek und den Medienwandel illustrieren zwei Ausstellungen, die gestern anlässlich des Jubiläums eröffnet wurden. 1982, als Nanni Saule von einer kleinen wissenschaftlichen Bibliothek in München nach Regensburg, wechselte, war noch der Mikrofiche-Katalog im Einsatz. An die viele neue Technik habe sie sich erst gewöhnen müssen, erzählt sie. Beeindruckt sei sie damals von dem vielen Grün auf dem Campus und den neuen, großzügigen Lesesälen gewesen: „Das gab es in anderen Bibliotheken nicht.“

Die Jubiläumsausstellung, Exponate zur Mediengeschichte und die Schätze aus dem Historischen Werbefunkarchiv sind bis 27. Februar 2015 im Oberen Foyer der Zentralbibliothek zu sehen.

Die Universitätsbibliothek

  • 1964

    Gründung der Universitätsbibliothek (UB) Regensburg. Max Pauer wird erster leitender Bibliotheksdirektor.

  • 1967

    Start des Lehrbetriebs im Wintersemester 1967/68. Die Universitätsbibliothek zieht von der Altstadt auf den Campus, u.a. ins Sammelgebäude.

  • 1973

    Eröffnung des Lesesaals Philosophicum II – damals größter Lesesaal der Bundesrepublik Deutschland

  • 1974

    Bezug der neuerbauten Zen tralbibliothek mit zentralen Diensten, Lehrbuchsammlung, zentralem Magazin, Allgemeinem Lesesaal, Handschriften- und Katalogsaal.

  • 1976

    Über 1 Million Lesesaalbenutzer jährlich

  • 1977

    Bestand der Druckschriften überschreitet 1,5 Millionen Bände

  • 1984

    Bestand der Druckschriften überschreitet 2 Millionen Bände

  • 1989

    Anschaffung von Benutzer-PCs zur selbständigen Datenbankrecherche

  • 1990

    Dr. Friedrich Geißelmann wird leitender Bibliotheksdirektor

  • 1992

    Bestand der Druckschriften überschreitet 2,5 Millionen Bände

  • 1994

    Start des Online-Benutzerkatalogs (OPAC) mit Recherchefunktion im Hochschulnetz; Ausstattung der Bände mit maschinenlesbaren Datenträgern (Barcode)

  • 1995

    Der Studentenausweis wird zugleich elektronisch lesbarer Bibliotheksausweis

  • 1997

    Start der Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB)

  • 1998

    Bestand der Druckschriften überschreitet 3 Millionen Bände; Bauliche Erweiterung: Magazinneubau für 1,3 Mio. Bände und „Bücherbahnhof“

  • 2000

    Umbau der Zentralbibliothek: Infozentrum (vormals Katalogsaal), Ausleihe, Freihandmagazin, Arbeitsräume, u.a. für audiovisuelle Mediennutzung

  • 2001

    Eröffnung des Multimediazentrums als Dienstleistung für die Benutzer: Anschaffung von Scannern für Bücher, Großformate, Mikrofilme, Geräte zur Digitalisierung von Audiomaterial

  • 2003

    OPAC erhält Namen „Regensburger Katalog“ und verzeichnet auch die Regensburger Bibliotheken

  • 2004

    Erstmals Sonntagsöffnung in den Teilbibliotheken Recht und Wirtschaft

  • 2006

    Erstmals Lizenzierungen von E-Books

  • 2006

    Auszeichnungen: „Ausgewählter Ort 2006“ beim bundesweiten Innovationswettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“, 2. Platz beim nationalen Bibliothekspreis „Bibliothek des Jahres“

  • 2007

    Bestand der Druckschriften überschreitet 3,5 Millionen Bände

  • 2008

    Dr. Rafael Ball wird leitender Bibliotheksdirektor

  • 2009

    UB präsentiert sich jetzt auch interaktiv in den sozialen Netzwerken

  • 2011

    Open Access: Die UB unterstützt die Universitätsmitglieder beim Open-Access-Publizieren

  • 2013

    Über 3 Millionen Lesesaalbenutzer jährlich

  • 2014

    Jubiläum: Die Universitätsbibliothek feiert ihr 50-jähriges Bestehen

50 Jahre Universitätsbibliothek Regensburg

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht