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Beförderung

Semesterticket sorgt für Streit

Einige Studenten befürchten Preissteigerungen. Dabei zahlen Pendler, Schüler und Auszubildende viel mehr für Bus und Bahn.
Von Heike Haala

Das Semesterticket kostet inzwischen 92,50 Euro. Die „Bunte Liste“ warnt vor weiteren Preissteigerungen. Foto: Lex
Das Semesterticket kostet inzwischen 92,50 Euro. Die „Bunte Liste“ warnt vor weiteren Preissteigerungen. Foto: Lex

Regensburg.Ob sie den Weg auf den Galgenberg mit Bus oder Bahn zurücklegen, mit dem eigenen Auto, mit dem Fahrrad oder zu Fuß: Alle Studenten der Universität und der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) müssen für das Semesterticket in diesen Tagen 92,50 Euro überweisen. Ein neuer „Höchststand“, wie Patrick Weißler von der parteiunabhängigen Hochschulgruppe „Bunte Liste“ klagt. Für Menschen, die sich ihr Studium selbst finanzieren, sei das „ein hoher Preis“, ein „großer Einschnitt“ und immerhin die Hälfte einer Monatsmiete.

Dabei ist das Semesterticket unter den Zeitkarten des RVV vergleichsweise günstig: So schlägt selbst das ermäßigte Monatsticket für Schüler und Auszubildende für eine Tarifzone derzeit mit 38,70 Euro zu Buche, für zehn Tarifzonen kostet es 220,50 Euro. Die Jobtickets für Berufspendler bewegen sich im gleichen Preissegment. Studenten aber können für 92,50 Euro mit dem Semesterticket ein halbes Jahr lang in allen zehn Zonen des RVV-Gebiets Bus und Bahn fahren.

Die Preise in anderen Städten

  • München:

    Das volle Semesterticket kostet 193 Euro, hinzukommen 67,40 Euro Solidarbeitrag im Halbjahr.

  • Nürnberg:

    Der Preis für die Basiskarte beträgt 72 Euro. Die unlimitierte Zusatzkarte kostet 202,50 Euro.

  • Augsburg:

    Hier zahlen die Studierenden 60 Euro pro Semester, allerdings gilt die Karte nur für das Stadtgebiet.

Sorge um das Solidarmodell

RVV-Chef Kai Müller-Eberstein sieht im Semesterticket deswegen ein wahres Erfolgsmodell, das nur durch das Solidaritätsprinzip günstig angeboten werden kann. Der Gedanke dahinter: Alle Studierenden zahlen den Beitrag, damit das Ticket auch für Kommilitonen erschwinglich bleibt, die bei ihrer Anfahrt an die Uni und die OTH mehrere Tarifzonen durchqueren. Die „Bunte Liste“ aber sieht das Solidarmodell in Gefahr. Die Akzeptanz unter den Studenten werde bei weiteren Preissteigerungen sinken, so die Sorge von Weißler und seinen Mitstreitern. Er befürchtet, dass Studenten gegen das Semesterticket klagen und das Solidarmodell damit kippen könnten.

Im Sommer müssen RVV und Studentenwerk einen neuen Tarif aushandeln, bei dem auch die Studierenden angehört werden. Diese Verhandlungen entpuppten sich etwa in den Jahren 2015 und 2012 als wahre Nervenkrimis. Stets ging es bei diesen Konflikten um die Preissteigerungen. Erst auf den letzten Drücker konnte der Fortbestand des Solidarmodells gesichert werden, obwohl der Preis für das Semesterticket dabei stets anstieg. Auch die anstehenden Verhandlungen werfen ihre Schatten voraus und sorgen schon jetzt für Streit unter den Studenten.

Hier gibt es Tipps, wie man das erste Semester übersteht

Zweifel an den Vertretern

Weißler bezweifelt, dass die Vertreter der Studenten den Willen und das Standing haben, sich gegen Preissteigerungen zu wehren. Das aber bestreiten die beiden Sprecher: „Preissteigerungen dieser Art stehen nicht im studentischen Interesse und die rasante Preisentwicklung der letzten sechs Jahre ist überaus ernst zu nehmen“, schreiben Tarek Carls von der FDP-nahen Liberalen Hochschulgruppe und Adrian Zimpel vom CSU-nahen Ring Christlich-Demokratischer Studenten auf Anfrage unserer Zeitung. Weiterhin wirft Weißler den beiden vor, sich vor den Studierendenvertretern lediglich „kurz angebunden“ zu dem Thema geäußert und keine Vorschläge oder Pläne zu dem Thema präsentiert zu haben. Er fordert mehr Transparenz bei den Verhandlungen. Carls und Zimpel aber sagen, das Thema ausführlich besprochen zu haben und schießen zurück: „Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet die Gruppe, die die Preissteigerungen der letzten Jahre nicht zu verhindern wusste, nun mit einem solchen Selbstbewusstsein Forderungen nicht nur an den SprecherInnenrat, sondern auch an den politischen Gegner stellt, denen sie selbst innerhalb von vier Semestern nicht nachkommen konnte“. Sie wünschen sich eine sachlichere Debatte. Schon weil sich dabei alle politischen Hochschulgruppen einig seien.

Das sagen Studenten zur Preissteigerung:

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Einstweilen laufen die Verhandlungen gerade an. Müller-Eberstein sagt, dass sich der Arbeitskreis für das Semesterticket im Frühjahr zum ersten Mal treffen wird. Der Tarif, der dann ausgehandelt werden soll, gilt ab dem Sommersemester 2019. Bis dahin werde sich der Preis des Tickets nicht verändern. Müller-Eberstein findet es schade, dass das Thema bereits jetzt politische Wellen schlägt. „Wir haben noch nicht über Details gesprochen“, sagt er. Gerlinde Frammelsberger, Geschäftsführerin beim Studentenwerk, wirft der Bunten Liste vor, hier ohne konkreten Anlass Befürchtungen zu kommunizieren. Größere Preissprünge hält sie für unwahrscheinlich. Sollte es aber zu einer Erweiterung des Verbunds – etwa nach Straubing – kommen, werde der Preis angepasst.

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