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Kandidatur

Senkrechtstarterin aus Pettendorf

Tanja Schweiger strebt zum zweiten Mal ein Mandat im Landtag an. Dabei liebäugelt die Politikerin der Freien Wähler auch mit dem Amt der Landrätin.
Von Norbert Lösch, MZ

Tanja Schweiger von den Freien Wählern kandidiert erneut für den Landtag. Foto: MZ-Archiv

REGENSBURG. Die Pettendorferin Tanja Schweiger darf man mit Fug und Recht als politische Senkrechtstarterin bezeichnen. Noch ein Jahr vor ihrer Wahl in den Landtag im Herbst 2008 hatte Politik kaum eine Rolle in ihrem Leben gespielt. Damals arbeitete sie für die Deutsche Bank in München und kümmerte sich um Geldanlage-Konzepte für vermögende Privatkunden. „Ich hatte ein halbes Jahr Vorlaufzeit von der Entscheidung, mich politisch für die Freien Wähler zu engagieren, bis zu den Kommunalwahlen im März, und nur ein Jahr bis zur Landtagswahl.“ Jetzt strebt sie als Direktkandidatin im Stimmkreis 304 Regensburg-Land schon zum zweiten Mal ein Mandat im Landtag an.

Den Anstoß dafür, dass sie heute für die Freien Wähler im Maximilianeum sitzt, gab das Urgestein der Freien Wähler in der Stadt, Günther Riepl. Der habe nach einer Diskussion über Verkehrsthemen im Sommer 2007 spontan befunden: „Sie müssen für uns als Landrätin kandidieren.“ Und tatsächlich stieg die damals noch sehr junge Pettendorferin im März 2008 als Gegenkandidatin zu Amtsinhaber Herbert Mirbeth (CSU) in den Ring. „Damals gab es nur drei Optionen: entweder ich werde gar nichts, ich werde Kreisrätin – oder ich werde Landrätin.“

Vom Landtag ins Landratsamt?

Auf Anhieb verbuchte sie einen Achtungserfolg: Sie lag noch vor dem SPD-Bewerber Josef Weitzer, verfehlte die Stichwahl gegen Amtsinhaber Mirbeth nur um rund 300 Stimmen und zog immerhin in den Kreistag ein. Mittlerweile verdichten sich die Anzeichen, dass sie auch bei den Kommunalwahlen 2014 wieder als Landratskandidatin antritt – dann gegen den von der CSU nominierten jetzigen Bundestagsabgeordneten Peter Aumer.

Zunächst stehen aber am 15. September die Landtagswahlen an. Dann wird die nach wie vor jüngste weibliche Abgeordnete, die bis 2011 paradoxerweise auch dem Ältestenrat angehörte und bis dahin zudem als Parlamentarische Geschäftsführerin ihrer Fraktion fungierte, erneut in den Ring steigen. Sie will mit ihrer Wählergruppe – das Wort Partei ist bei den Freien Wählern verpönt – weiterhin für bessere Bedingungen auf dem Bildungssektor, für die von den Bürgern mitgetragene Energiewende, gesunde Lebensmittel und eine starke kommunale Selbstverwaltung eintreten, um nur ein paar Stichworte zu nennen.

Um ihre Anliegen auch öffentlich deutlich zu machen, startete die Mutter eines zehn Monate alten Buben im Juni eine sogenannte Themenreise, die sie am 19. August mit dem Komplex „Würdevoll leben im Alter“ beenden wird. „Politik ist vor allem der Austausch mit Menschen, der Versuch, sie zusammenzubringen und Netzwerke zu bilden“, sagt Schweiger. Zu ihren Veranstaltungen, die sich bewusst vom üblichen Wahlkampf-Getöse unterscheiden sollten, seien „viele Menschen gekommen, die überhaupt nichts mit den Freien Wählern zu tun haben“. Das sei eine positive Erfahrung gewesen, ebenso wie die ersten fünf Jahre im bayerischen Parlament.

„Eine feste politische Kraft“

„Wir haben in den letzten fünf Jahren gut und viel gearbeitet“, zieht Schweiger eine selbstbewusste Bilanz der Arbeit ihrer Fraktion. „Die Freien Wähler sind landesweit eine feste politische Kraft geworden.“ Dass aktuelle Prognosen ihre Wählergruppe derzeit bei nur mehr acht bis zehn Prozent sehen, ficht die Tochter einer Krankenschwester und eines Maurers nicht an. „Ich sehe die Chancen bei zehn Prozent plus x – und in der Oberpfalz brauchen wir 15 Prozent, da hatten wir ja schon mehr als 13.“

Das größte Konfliktpotenzial in der nächsten Legislaturperiode hat für sie die Energiewende. „Von der CSU weiß man nur, dass sie das auch wollen, aber sie sagen nicht wie“, sagt sie – das klingt nach Opposition. Schweiger ist ohnehin mit vielen Entwicklungen im Freistaat nicht zufrieden. Chancengleichheit, Inklusion, Förderung und Betreuung von Kindern und Jugendlichen aller Altersstufen sind aus ihrer Sicht weitgehend Lippenbekenntnisse, solange eine Grundvoraussetzung nicht stimmt: die personelle Ausstattung in Kindertagesstätten, Kindergärten und allen Schulformen.

„Wir brauchen mehr Lehrer in allen Schularten, mehr Förder- und Wahlunterricht und den Ausbau der Jugendsozialarbeit.“ Das Dilemma fange schon bei den Kleinsten an: „Es wurden viele Kitas geschaffen, aber von Gebäuden allein ist noch kein Kind betreut. Erzieherinnen, die meist nur befristete Verträge haben und oft in Teilzeit arbeiten, müssen besser bezahlt werden. Idealismus ist schön und gut, aber man muss in diesen wichtigen Erziehungsberufen auch von der Arbeit leben können.“

Geteilte Kinderbetreuung

Persönlich bringt sie das Leben als Abgeordnete mit ihrer relativ neuen Rolle als Mutter „ganz gut auf die Reihe“. Vater des kleinen Laurent und Schweigers Lebensgefährte ist bekanntlich Hubert Aiwanger, Bundesvorsitzender und Fraktionschef der Freien Wähler im Landtag. „Da kommt es dann schon vor, dass ich ihm das Kind übergebe, wenn ich mal eine Auszeit brauche“, schildert die 35-Jährige die geteilte Kinderbetreuung am Arbeitsplatz Maximilianeum.

„Der Beruf eines Politikers hat den Nachteil der hohen zeitlichen Belastung“, verweist die Abgeordnete, die auch Bezirksvorsitzende der Freien Wähler ist, auf eine 60- bis 80-Stunden-Woche. Ausgleich findet sie außer in der Familie am liebsten bei Waldspaziergängen – und in der Musik. Sie spielt Klavier und Saxophon, mitunter auch in der Band der Regensburger Wirtschaftsjunioren. Tanja Schweiger gibt also gerne mal den Ton an – ob privat oder beruflich.

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