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Verbrechen

Serienvergewaltiger ist tot

Der Mann, der verdächtigt wird, mehrere Frauen in Regensburg vergewaltigt zu haben, hat sich selbst getötet. Das gab die Polizei am Mittwoch bekannt.
Von Hans Scherrer und Walter Schiessl, MZ

  • Auch auf Baustellen fahndete die Polizei. Foto: MZ-Archiv
  • Der mutmaßliche Sextäter MZ-Archiv

Regensburg. Vom „großen Fahndungserfolg einer Ermittlungsgruppe der Kripo Regensburg“ spricht jetzt die Polizei. So identifizierten die Beamten einen Mann, „der im dringenden Verdacht steht, in Regensburg in den Jahren 1997 und 2007 zwei vollendete und im Jahr 2012 eine versuchte Vergewaltigung verübt zu haben“.

Doch bereits im September des vergangenen Jahres beging der Verdächtigte Suizid. Dies teilte die Polizei am Mittwoch mit. Nähere Einzelheiten sollen erst am Freitag im Verlauf einer Pressekonferenz mitgeteilt werden. Dies sei so auch mit der Staatsanwaltschaft abgestimmt worden, sagte Polizeihauptkommissar Michael Rebele. „Wir wollen nicht mit Halbwahrheiten an die Öffentlichkeit treten.“

DNA-Proben stimmen exakt überein

Wie die MZ jedoch aus zuverlässiger Quelle in Erfahrung bringen konnte, handelt es sich bei dem Verdächtigen um einen 47-jährigen Mann mit Wohnsitz in Brennberg. Nach dessen Suizid seien DNA-Spuren entnommen worden, die hundertprozentig mit denen des Täters übereinstimmen.

„Das war ein Volltreffer“, so ein Informant zur MZ. DNA-Spuren hatten auch den zweifelsfreien Beweis erbracht, dass es sich bei drei verübten Verbrechen jeweils um ein und denselben Täter handelte, der über 15 Jahre hinweg immer wieder Frauen überfallen und sexuell attackiert hatte.

Wie MZ-Recherchen ergaben, hatte der Verdächtige mehr als zehn Jahre in Brennberg (Landkreis Regensburg) gelebt. Dort hatte sich der Junggeselle, der aus dem schwäbischen Raum stammt, ein kleines Häuschen gekauft, das er mit Souvenirs aus zahlreichen Reisen ausgestattet hatte. Der 47-jährige Junggeselle fuhr häufig nach Regensburg, wo er Hausmeistertätigkeiten erledigte. Auffallend für seine Nachbarn waren allerdings sein häufigen Wechsel an Freundinnen, wobei er eine Vorliebe für langhaarige Blondinen gehabt haben soll. Im öffentlichen Leben trat der Mann, der als „sehr eitel“ beschrieben wird, kaum in Erscheinung.

Am 5. September hatte der Mann, der polizeilich kein Unbekannter gewesen sein soll, vielleicht als Folge des hohen Fahndungsdrucks Suizid begangen. Zwei spielende Kinder hatten den Leichnam entdeckt, den Bürgermeisterin Irmgard Sauerer identifizierte.

Der Mann wurde in einem anonymen Grab auf dem örtlichen Friedhof beerdigt.

Der Sextäter war immer nach dem gleichen Muster vorgegangen. Erstmals trat er – soweit offiziell bekannt – am 25. Mai 1997 in Erscheinung. Nachdem sein Opfer damals gegen 4.45 Uhr die Haustür ihrer Wohnung im Weißgerbergraben aufgesperrt hatte, packte er die Frau von hinten, drängte sie zunächst in den Hauseingang und dann in den Keller, wo er sich an ihr verging.

Nicht minder brutal ging er zehn Jahre später am 15. Dezember 2007 vor. Auch hier wartete er nachts gegen 3.30 Uhr, bis sein Opfer, eine Studentin, die Haustür ihrer Wohnung in der Schwabenstraße aufschließen wollte. Wieder griff er die junge Frau von hinten an, zerrte sie dann in ein nahe gelegenes Gebüsch und vergewaltigte sie.

Opfer wehrt sich heftig

Sein nächstes Opfer sollte wiederum eine Studentin sein. Die junge Frau war am 2. August des vergangenen Jahres mit ihrem Fahrrad auf dem Nachhauseweg, als sie gegen 1 Uhr in der Augsburger Straße ihrem Peiniger begegnete. Er hatte ihr vermutlich schon aufgelauert und sie dann in ein Gebüsch gezerrt, wo er versuchte, die Frau zu entkleiden.

Nur aufgrund ihrer heftigen Gegenwehr und lauten Hilferufe ließ der Täter von ihr ab und flüchtete in nördlicher Richtung. Dabei verlor er noch am Tatort sowohl ein Tapeziermesser als auch einen Arbeitshandschuh. Die Studentin hatte bei dem Überfall Verletzungen erlitten, die in einem Krankenhaus behandelt werden mussten.

Wie die Fahnder jedoch feststellten, stimmten die DNA-Spuren auf dem Tapeziermesser und dem Arbeitshandschuh exakt mit den Spuren des Mannes überein, der die beiden Vergewaltigungen verübt hatte. Nun hatte die Polizei die endgültige Gewissheit, dass es sich hier um einem hochgefährlichen Serientäter handelte.

Radfahrerin wurde verfolgt

Während nun eine „Ermittlungsgruppe 1997“ – benannt nach dem Verbrechen aus dem Jahr 1997 – eine großangelegte Anliegerbefragung im Stadtsüden durchführte, kam es erneut zu einem Überfall auf eine junge Frau. So hatte eine 19-Jährige am 1. September in der Drehergasse im Stadtnorden gerade ein Taxi verlassen, als sie von einem Unbekannten angegriffen wurde. Auch hier ließ der Täter aufgrund der heftigen Gegenwehr von seinem Opfer ab und flüchtete. Ob es sich dabei wiederum um den berüchtigten Serientäter gehandelt hatte, konnte indes nicht zweifelsfrei geklärt werden, da die sichergestellten DNA-Spuren nicht brauchbar waren.

Definitiv scheidet der 47-Jährige für einen Fall aus, der sich am 23. November des vergangenen Jahres ereignete. Damals fühlte sich eine junge Radfahrerin von einem Unbekannten verfolgt, dem sie jedoch entkommen konnte. Auch hier wollte die Ermittlungsgruppe 1997 zunächst nicht ausschließen, dass es sich erneut um den Serienvergewaltiger handeln könnte. Was jedoch nicht der Fall sein kann, weil der 47-Jährige zu diesem Zeitpunkt bereits aus dem Leben geschieden war.

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