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Prozesse

Sex nach einer Prügel-Orgie

Vom Vorwurf der Vergewaltigung bleibt im Strafverfahren gegen Tibor K. nichts übrig. Es gibt viel zu viele Ungereimtheiten.
Von Wolfgang Ziegler

Der Angeklagte Momir J. machte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.
Der Angeklagte Momir J. machte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Regensburg.Im Strafverfahren gegen den 44-jährigen Serben Tibor K. (Name geändert) hatte die Regensburger Staatsanwaltschaft – basierend auf dem polizeilichen Ermittlungsergebnis – hoch gepokert. Von Vergewaltigung war die Rede, zuletzt sogar von einem besonders schweren Fall. Und von gefährlicher Körperverletzung, begangen in Tateinheit. Seit dem 7. Februar sitzt der Mann deswegen in Untersuchungshaft. Doch nach dem ersten Verhandlungstag am Montag vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Richter Wolfgang Schirmbeck kann Staatsanwältin Alexandra Landsmann mit Glück erreichen, dass Tibor K. keine Bewährungsstrafe bekommt. Mit viel Glück. Ihre Anklage ist zusammengefallen wie das sprichwörtliche Kartenhaus.

Dabei hatte sie mutmaßlich einen Royal Flash in der Hand. Der 44-Jährige sollte seine um ein Jahr jüngere Ehefrau Domenica K. am 23. Dezember vergangenen Jahres in der gemeinsamen Wohnung in der Regensburger Aussiger Straße im Schlaf mit einem Gürtel und einem Besenstiel grün und blau geschlagen haben. Sie erlitt laut Anklageschrift Hämatome am ganzen Körper – vom Kopf bis zu den Beinen. Sie habe sich nach den Worten der Staatsanwältin auch nicht verteidigen können, weil die Prügel unvorhersehbar und unerwartet kamen. Danach sollte der angetrunkene Mann die 43-Jährige mit einem 30 Zentimeter langen Küchenmesser zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Das war ein Pfund.

Im Schlaf überrascht

Doch davon blieb nicht mehr viel übrig, als die rustikale Kronzeugin aussagte – obwohl oder gerade weil sie kein Blatt vor den Mund nahm. Ja, ihr Mann habe an diesem Tag getrunken, zunächst einen Liter Wein. Ja, man habe einen besonderen Grund gehabt – zum einen habe sie an diesem Tag ihren Lohn bekommen, zum anderen wurde der Sohn des Angeklagten an diesem Tag in Serbien aus einem Heim entlassen. Und ja, sie habe gegen 1 Uhr morgens an einer Tankstelle noch einmal eine Flasche Wein und eine Flasche Wodka gekauft.

Getrunken hatte sie nach ihrer Aussage von all dem nichts, nur Coca Cola, war später ins Bett gegangen und hatte bereits geschlafen, als ihr Mann ausgetickt war. Zuerst habe sie der 44-Jährige mit einem Gürtel malträtiert, danach mit einem Besenstiel auf sie eingeschlagen, bis dieser gebrochen sei. Und obwohl er später aus der Küche auch noch besagtes Messer geholt und damit eine Drohhaltung eingenommen habe, habe sie sich nach ihren eigenen Worten – nach einer Entschuldigung ihres Mannes – zu sexuellen Handlungen mit ihm eingelassen. „Aber er war zu betrunken, es ging nichts mehr“, sagte sie vor Gericht. „Obwohl ich alles getan habe.“

Danach zog sie sich an – Unterwäsche, Bluse, Sweatshirt, lange Hose, dicke Jacke – und stieg in das Auto ihres Chefs, der sie morgens um 5 Uhr zur Arbeit abholte. Sie war verweint und an den Händen verletzt, wollte aber weder zu einem Arzt noch zur Polizei. „Ich musste doch arbeiten, es gab keine Vertretung.“ Auch später am Tag suchte sie keine medizinische Hilfe. Stattdessen traf sie sich mit ihrem Peiniger, man fuhr gemeinsam mit einem befreundeten Paar nach München, die 43-Jährige selbst von dort aus nach Belgrad. Erst dort besorgte sie sich Ibuprofen. Zur Polizei ging sie, als sie aus ihrer Heimat nach Regensburg zurückkehrte. So ist auch zu erklären, dass zwischen der Tat und dem Haftbefehl gut sechs Wochen vergingen.

Ein Fressen für die Verteidigung

Für den ambitionierten Strafverteidiger Johannes Büttner aus der renommierten Regensburger Kanzlei Haizmann war all dies natürlich ein gefundenes Fressen. Schon in der Mittagspause des Gerichts sagte er unserer Zeitung, dass er ein Gespräch mit Kammer und Staatsanwältin anstrebe, um eine Bewährungsstrafe gegen Auflagen zu erreichen. Büttner wörtlich: „Der Vorwurf der Vergewaltigung ist vom Tisch.“ Dazu kam es auch, allerdings nicht mit dem von Büttner angestrebten Ergebnis – noch nicht. Denn nachdem sich Staatsanwältin Landsmann einer Bewährungsstrafe verwehrte, meinte auch das Gericht, dass wegen der Körperverletzung letztlich Freiheitsentzug in Frage kommen könne.

Ob die Kammer bei dieser Meinung bleibt, werden die nächsten Verhandlungstage am Dienstag und am Freitag zeigen, an dem auch das Urteil fallen soll. Denn zuletzt stellte sich auch noch heraus, dass Tibor K. möglicherweise an massiven psychischen Problemen leidet. Er höre Stimmen, die ihn dazu überredeten Dinge zu tun, die er gar nicht tun wolle, berichtete seine Ehefrau bei einer Befragung durch den psychiatrischen Sachverständigen.

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