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Sextäter als charmanter Nachbar


Von Hans Scherrer, MZ

„Wir sind immer noch fassungslos“, sagt eine Frau aus der Vorwaldgemeinde Brennberg, dass dieser Mann solche Verbrechen begangen hat. Gemeint ist Michael S., der sich am 5. September letzten Jahres mit einem Sprung vom Turm der Burgruine das Leben genommen hat. Mittlerweile steht zweifelsfrei fest, dass der 47-Jährige der gesuchte Phantomtäter war, der in Regensburg in den letzten 15 Jahren für Angst und Schrecken gesorgt hatte.

Mindestens zwei Frauen hat er in Regensburg vergewaltigt; ein weiteres Opfer konnte ihm nur knapp entkommen. Und in der Schweiz, so stellte sich jetzt heraus, hatte S. eine mehrjährige Haftstrafe verbüßt, weil er auch dort sechs Frauen überfallen, über Stunden brutal misshandelt und mehrfach vergewaltigt hat (MZ berichtete). „Ein krankhaft veranlagter Sadist“ hatte der Gutachter damals befunden.

Als sich S. im Sommer letzten Jahres auf spektakuläre Weise das Leben nahm, waren die Dorfbewohner zunächst verärgert. Schließlich hatten Kinder seine zerschmetterte Leiche aufgefunden. Und dann schossen auch schon die Gerüchte ins Kraut. S. soll unheilbar krank gewesen sein, sagten die einen; die Schulden seien ihm über den Kopf gewachsen, mutmaßten andere. Oder hat er letztlich, als der Fahndungsdruck immer größer wurde, keinen anderen Ausweg mehr gesehen als die Flucht in den Tod?

„Man kann in den Menschen einfach nicht hineinschauen“, sagt ein Nachbar, der voller Entsetzen aus der MZ erfuhr, dass S. der fieberhaft gesuchte Serienvergewaltiger war. Denn nicht das Geringste habe darauf hingedeutet, dass S. noch diese fürchterliche dunkle Seite hatte. „Der war immer freundlich und hilfsbereit, jemand, den man einfach mögen musste.“

Eloquent und weltgewandt

Vor circa zehn Jahren war S. in die Vorwaldgemeinde gezogen und hatte sich dort ein kleines Häuschen gekauft. „Eine richtige Bruchbude war das einmal, die früher einmal einem Söldner gehört hatte“, sagt eine Dorfbewohnerin, „und die hat er dann liebevoll hergerichtet.“ Von Handwerk habe er etwas verstanden.

„Im Garten hat er einen Pizzaofen installiert und häufiger seine Nachbarn eingeladen“, erzählt ein Anlieger. Und er habe häufig schöne Musik aufgelegt: Jazz oder die Hits der 70er. „Ein aufgeschlossener Typ, charmant, eloquent und weltgewandt“, sagt eine weitere Nachbarin und fügt hinzu: „Mich schüttelt es heute noch, wenn ich daran denke, wer der noch war.“

Die Ermittlungen gehen noch weiter

Michael S. sei sehr modebewusst gewesen, weiß ein weiterer Nachbar; immer wieder habe er mal die Frisur gewechselt „und auch einen sehr sportlichen und durchtrainierten Eindruck gemacht.“ Tierlieb und humorvoll sei S. auch gewesen. So habe er zunächst einen Hund namens „70“ gehabt und später eine Katze mit dem Namen „Schröder“.

„Ein bisschen eitel und selbstverliebt hat er schon gewirkt“, erzählt eine Dorfbewohnerin. Gerne habe er sich mit Weltreisen gebrüstet, die er unternommen haben will und damit geprahlt, dass er „die angesagtesten Frauen“ gehabt haben will. Fest steht allerdings auch, dass S. häufig jüngere Freundinnen mit nach Hause brachte, „bevorzugt attraktive Blondinen. Notlage hat bei dem sicher nicht vorgeherrscht“, sagt die Dorfbewohnerin.

Ob S. noch mehr Frauen überfallen hat als bisher bekannt, steht noch nicht fest. „Wir überprüfen alle uns bekannten Fälle der letzten Jahre“, sagte Polizeikommissar Albert Brück, „aber unsere Ermittlungen sind noch längst nicht abgeschlossen.“

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