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Sextäter führte ein unauffälliges Leben

Seit Mittwoch ist bekannt, dass ein in Regensburg gesuchter Serienvergewaltiger aus Brennberg stammt. In der Gemeinde herrscht seitdem Ratlosigkeit. Verdächtig schien der 47-jährige Hausmeister seinen Nachbarn nicht.
Von Walter Schiessl, MZ

  • In dem Holzhaus nahe der Kirche hatte der mutmaßliche Vergewaltiger elf Jahre lang gelebt. Foto: Beiderbeck
  • Nach der letzten Tat fahndete die Polizei intensiv nach dem Mann – ohne Erfolg. Foto: MZ-Archiv/Pöllmann
  • In einer großangelegten Aktion hat die Polizei nach der Tat in der Augsburger Straße die Anwohner befragt. Eine Spur fand die Polizei damals nicht. Foto: MZ-Archiv

Regensburg. Die Identifizierung des Serien-Vergewaltigers von Regensburg war am Donnerstag Tagesthema in der Stadt und im Landkreis. DNA-Untersuchungen der Polizei hatten ergeben, dass ein 47-jähriger Brennberger in der Domstadt mindestens zwei Frauen vergewaltigt und einen weiteren Versuch unternommen haben soll (wir berichteten am Donnerstag exklusiv).

Dass der 47-jährige Hausmeister, der sich am 5. September mittags vom Brennberger Burgturm in den Tod gestürzt hatte, mehrere Vergewaltigungen in Regensburg begangen haben soll, konnten die Bewohner seines Heimatdorfes kaum fassen. „Das gibt's ja gar nicht“, sagte eine Nachbarin. Sie wohnt neben dem Häuschen, das sich der Täter 2001 in der Maria-Stift-Straße gekauft hatte. Die Frau hatte ihn oft mit seinem Hund bei der Burg spazieren gehen sehen. Auf die Idee, dass der Mann aus Baden-Württemberg Sextaten begangen haben könnte, sei in der Burggemeinde wohl keiner gekommen, sagte sie.

Bürgermeisterin schockiert

Bürgermeisterin Irmgard Sauerer war ebenfalls schockiert von der Nachricht, die ihr die Polizei am Mittwoch per Telefon mitgeteilt hatte. „Das hätte ich nie geglaubt, dass der 47-Jährige so etwas macht“, sagte sie gestern. Gekannt hat sie ihn kaum, im gesellschaftlichen Leben der Burggemeinde sei der Junggeselle nicht engagiert gewesen. Nur als die Gemeinde die Maria-Stift-Straße vor einigen Jahren sanierte, da habe er sich eingebracht, hatte einige Versammlungen besucht, erinnert sich die Bürgermeisterin. Sie hatte den Mann, nachdem er sich am 5. September mittags vom Burgturm gestürzt hatte, identifizieren müssen.

Aufgefallen sei ihr, dass die etwa 70-jährige Mutter des Sextäters zwar nach dessen Suizid in Brennberg mit ihrem Lebensgefährten aufgetaucht, aber nicht einmal bis zur Beerdigung geblieben sei. Die Seniorin habe damals verfügt, dass ihr Sohn auf dem Brennberger Friedhof zu bestatten sei, eine Grabstätte mit einem Stein oder einem Kreuz, das an ihren Sohn erinnert, wollte die Frau nicht, sagte Irmgard Sauerer. Aus diesem Grund habe sich die Gemeinde dazu entschieden, die Urne des 47-Jährigen in einem Anonymen-Grab unweit des Leichenhauses beizusetzen.

Einige Freunde scheint der Brennberger aber schon gehabt zu haben. Denn an der Bestattungsstelle seien ein paar Tage später Blumen niedergelegt und auch Kerzen angezündet gewesen, erinnerte sich die Bürgermeisterin.

Der mutmaßliche Vergewaltiger hatte in den Jahren 2001 bis 2004 in einem Brennberger Landschaftsbau-Betrieb gearbeitet. Dessen Besitzer hatte gleich neben seinem Häuschen gewohnt, erinnern sich einige der Burgdörfler. Der Chef sagte am Donnerstag zur MZ, er sei mit der Arbeitsleistung seines Nachbarn zufrieden gewesen, aufgefallen sei ihm in dieser Zeit nichts Besonderes. Später hatte sich der Junggeselle selbstständig gemacht und Hausmeisterdienste in Regensburg verrichtet. Die Brennberger waren gestern erschüttert, dass einer ihrer Nachbarn zu solch schlimmen Taten fähig gewesen sei. „Das kann man einfach nicht glauben“, hörte man immer wieder auf den Straßen und in den Geschäften des Ortes.

In Regensburg wollten sich die meisten von der MZ befragten Passanten nicht detailliert zum Fall äußern. Viele Frauen sagten nur, dass sie erleichtert seien, dass die Taten geklärt sind. „Ich bin nicht mehr alleine nach Hause gegangen“, berichtete eine Frau der MZ. „Wir waren mindestens zu zweit. Oft hat mich auch mein Freund von der Disco abgeholt.“

Weitere Details gibt es heute

Details zu der Straftatenserie, die 1997 begann, werden Polizei und Staatsanwaltschaft heute bei einer Pressekonferenz bekanntgeben. Im Polizeipräsidium wird angesichts des spektakulären Falles mit großem Medienandrang gerechnet. Offen ist noch die Frage, ob der Brennberger auch als Täter für einen Überfall am 1. September, also vier Tage vor seinem Tod, in der Drehergasse in Frage kommt.

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