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„Sind denn schon Semesterferien?“

Wir haben uns an der Regensburger Uni umgesehen und uns gewundert, wie viele Studis man in den Semesterferien antrifft.
Von Theresa Stangl, MZ

Kilian Glanz arbeitet an seiner Bachelorarbeit in der Philosophischen Bibliothek der Universität Regensburg. Viel Freizeit hat er in den Semesterferien nicht. Foto: Theresa Stangl
Kilian Glanz arbeitet an seiner Bachelorarbeit in der Philosophischen Bibliothek der Universität Regensburg. Viel Freizeit hat er in den Semesterferien nicht. Foto: Theresa Stangl

Regensburg.Kilian Glanz sitzt in der Bibliothek der Philosophischen Fakultät der Uni Regensburg. Mindestens fünf Tage in der Woche arbeitet er hier an seiner Bachelorarbeit. Er wertet Ergebnisse eines Experiments aus. Kühl ist es in der Universitätsbibliothek am Galgenberg. Leise klappern die Tasten der Laptops, man hört Buchseiten zwischen Fingern rascheln. Hin und wieder nimmt man leises Flüstern wahr. Eine optimale Arbeitsatmosphäre für die Studenten, aber das genaue Gegenteil eines erlebnisreichen Sommers.

Kilian wechselt seinen Arbeitsplatz zwischen Lehrbuchsammlung und der Bibliothek ab, je nachdem, ob er einen Kommilitonen antrifft. Dann arbeiten sie gemeinsam, denn geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid. Auch die Mensa der Uni ist für ihn ein Grund, die Universitätsstraße mehrmals die Woche anzupeilen. Das reichhaltige Angebot findet er in seinem Studenten-Kühlschrank nicht.

Die Cafeteria als Arbeitsplatz

Selbst in der Cafete hängt eine Studentin über ihren Unterlagen: Marie Hassenjürgen schreibt heute eine Prüfung. Sie und ihr Kommilitone Alexander Mooser studieren beide BWL. „Die Prüfungsphase geht bei uns immer drei bis vier Wochen. Wir lernen an der Uni, weil man zu Hause immer abgelenkt wird“, sagt Alexander.

Trotz Ferien: Die Lesesäle sind gut gefüllt.Foto: Stangl
Trotz Ferien: Die Lesesäle sind gut gefüllt.Foto: Stangl

Ein Stockwerk tiefer sitzen Olivia und Anja. Die beiden sind Mitarbeiterinnen am Lehrstuhl für Psychologie und haben in den Semesterferien einiges zu tun. Beide müssen Hausarbeiten und jeweils eine Klausur schreiben. „Nur hier kann ich konzentriert für Prüfungen lernen“, sagt Anja. Olivia lernt für Klausuren lieber daheim.

Eine außergewöhnliche Uni-Besucherin ist Sandra: Sie liest in der Cafeteria ein Buch, damit sie „Bildungslücken füllen“ kann. Die junge Frau will promovieren und sich für ihre Laufbahn in der Germanistik weiterbilden. In der Uni habe sie die Möglichkeit, sich auf Wichtiges zu fokussieren.

Draußen im Schatten eines Baumes sitzt Anton Gleißner: Er verbringt die Semesterferien in der Bibliothek, weil er hier alle Bücher zu Verfügung hat. Im Moment ist er auf Themensuche für seine Habilitation.

„Richtige Ferien sehen anders aus“

Katharina Sütterlin ist in der Cafete anzutreffen, weil sie hier Internetzugang hat. Erst kürzlich ist sie umgezogen und wartet noch auf ihren Internetanschluss daheim. Da jeder Student in der Uni Internetzugang hat, nutzt sie diesen unter anderem für ihre drei Hausarbeiten.

Ein paar Tische weiter verbringt Andreas seine wohlverdiente Pause – der junge Mann bereitet sich derzeit auf das Staatsexamen vor. „Dafür sollte man eineinhalb Jahre vorher anfangen zu lernen. Bisher läuft es ganz gut“, sagt er. Die Konzentration sei in der Bibliothek einfach höher, außerdem sei diese Bibliothek angenehm kühl.

Es fällt auf, dass in der Uni auch ein Kind sitzt. David Konieczny sitzt mit ihm an einem der Tische. Er gibt der Schülerin Nachhilfe in Mathe, sogar zwei- bis dreimal in der Woche. Auf die Frage, warum er das Mädchen an der Uni unterrichtet, meint David: „So ist es für mich einfacher, weil ich die meiste Zeit hier verbringe.“

Ein Blick in die Bibliothek: Hier sitzen Dominik Altmann und Christoph Lechner an ihren Rechnern. Beide arbeiten an ihrer Bachelorarbeit, die sie im Laufe der nächsten Wochen fertigstellen müssen. „Sind denn schon Semesterferien?“, fragt Christoph. Er hat noch eine Klausur zu schreiben und das Ende der vorlesungsfreien Zeit gar nicht mitbekommen. „Richtige Ferien sehen anders aus“, sagt Dominik. Er kommt in die Uni, um von seinen Freunden motiviert zu werden. „Man ist hier einfach konzentrierter und zusammen klappt das Arbeiten viel besser“, meint Christoph.

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Hausarbeiten en masse

Germanistikstudentin Anna Heil ist wegen eines Seminars in den Ferien an der Uni. „Blockseminare lege ich mir in die Semesterferien, damit ich unter dem Semester weniger Stress habe“, sagt Anna. Für ihre Hausarbeiten braucht sie auch noch Literatur aus der Bibliothek.

Ayaka Baba schreibt keine Hausarbeit, sie hat auch keine Klausur, jedenfalls nicht hier: Sie macht ein Auslandssemester. Ihr Ziel war Regensburg, weil sie in Japan Deutsche Literatur studiert. Sie bleibt noch bis Ende August an der Uni, um möglichst viel lernen zu können. „In Japan ist der Umfang an deutschen Büchern natürlich nicht so groß wie hier“, sagt die Studentin. Insgesamt bleibt sie ein halbes Jahr für das Studium in Deutschland. Einen großen Unterschied zur japanischen Uni stelle die enorme Menschenmenge dort dar, in Regensburg sei es eher „provinziell“.

Daneben arbeiten viele Studenten auch in den Semesterferien. Emmanuel ist studentische Hilfskraft, also SHK; er arbeitet für einen Lehrstuhl. Die restlichen Semesterferien verbringt er mit dem Erstellen einer Hausarbeit in der Bibliothek.

Eindrucksvoll beweisen die Studenten, dass sie auch in den Semesterferien bereit sind, einiges zu leisten, um an ihr gewünschtes Ziel zu kommen. Den „faulen Studenten“ findet man zumindest hier nicht.

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