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So atmet man das Trump-Trauma weg

Ein Regensburger Trauma-Experte rät zur Verarbeitung politischer Schocks: Vier Sekunden einatmen, sieben Sekunden ausatmen.
Von Heinz Klein, MZ

  • Donald Trump bei einer Wahlkampfrede Foto: dpa-Archiv
  • Prof. Dr. Thomas Loew Foto: MZ-Archiv

Regensburg.Professor Dr. Thomas Loew weiß von Menschen, die bei der Vorstellung, Donald Trump könne US-Präsident werden, physische Schmerzen erleiden. In der Tat können nicht genehme politische Situationen Menschen Bauchschmerzen bereiten, berichtet der Chefarzt der Abteilung für Psychosomatik am Regensburger Universitätsklinikum.

In einem Beitrag für das IPG-Journal für Internationale Politik und Gesellschaft rät der Trauma-Experte bei einem Wahlsieg Donald Trumps politisch spitzbübisch, aber medizinisch durchaus ernsthaft, als Erste-Hilfe-Maßnahme zur Traumabekämpfung mit einer entschleunigten Atmung zu reagieren: Vier Sekunden einatmen, sieben Sekunden ausatmen – und das ganze elf Minuten lang (4711-Regel). In dem von der Friedrich-Ebert-Stiftung herausgegebenen Journal war der Tipp aus Regensburg der Renner unter allen Beiträgen.

Auch Kirchengesänge helfen

Die langsame Atmung sei der gemeinsame Nenner aller Entspannungsverfahren, angefangen vom Yoga bis hin zum autogenen Training, erklärte Loew im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch Kirchengesänge und Litaneien würden sich hier einreihen lassen. „Das ist auch der wichtigste Grund, warum sie in unserer Kulturgeschichte so verankert sind“, sagt Loew. Der vielfach gemachte Fehler sei es, nur kurz entschleunigt zu atmen. Ein paar Minuten entschleunigtes Atmen sollten es schon sein.

Die zweite Technik des Sich-selbst-Beruhigens ist das Hin-und-her-Wiegen oder Schunkeln. „Jeder kennt das aus der Kinderzeit und auch der Schaukelstuhl hat eine knallharte psychophysiologische Grundlage“, weiß der Trauma-Experte und empfiehlt deshalb: „Wiegen Sie sich doch einfach mal zwei, drei Minuten lang in Sicherheit!“ Ohne an etwas Spezielles zu denken würden sich auf diese Weise sorgenvolle Gedanken einfach in Luft auflösen. Dann sei wieder Raum für strukturiertes Denken.

Wissenschaftlich heißt diese Methode SURE (Short oder somatic universal regulative exercise). Auch bei der Krisenintervention arbeiten Profis mit dieser Methode, erzählt Loew. Natürlich funktioniere 15 Minuten Spazierengehen genauso, aber das sei nun mal nicht in allen Situationen möglich. Doch sei das körperliche Sich-Beruhigen, also die Balance finden zwischen Sympathikus und Parasympathikus das letztlich Lebensentscheidende.

Humor als Mittel der Entlastung

Der dritte Weg, sich zu entlasten – und damit wäre dann auch die Psychologie im engeren Sinn im Spiel – sei der Humor. Im Falle eines Wahlsiegs von Donald Trump bekämen Karikaturisten dann wohl wirklich viel Arbeit, vermutet Prof. Thomas Loew.

Im Sinne des dritten Weges der Entlastung durch Humor sei noch darauf verwiesen, dass die Beruhigungsstrategie des Hin-und-her-Schwingens übrigens nichts mit den „Swing States“ bei der US-Wahl zu tun hat. Diese Staaten schwingen nicht, um sich zu beruhigen, sie stehen vielmehr auf der Kippe, weil keiner der Kandidaten dort eine so große Wählerbasis hat, dass er sich sicher sein kann, den Bundesstaat für sich gewinnen zu können. Die wichtigsten, weil bevölkerungsreichsten Swing States sind Florida, Pennsylvania und Ohio.

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Professor macht Schlagzeilen

  • Zur Person

    Thomas Loew ist Professor für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universität Regensburg und Chefarzt der psychosomatischen Station der Klinik Donaustauf.

  • Traumahilfe für Flüchtlinge

    2012 wurde Loew zum Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Ärztliche Hypnose und Autogenes Training gewählt und 2015 im Amt bestätigt. Ebenfalls 2012 wurde er auch Vizepräsident der Gesellschaft Europäischer Ärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Loew machte vor Kurzem mit der Schulung von Laien als Trauma-Helfer für junge Flüchtlinge Schlagzeilen.

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