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Ausblick

So werden wir in Zukunft wohnen

Die Mittelbayerische prüft die Thesen des renommierten Zukunftsforschers Professor Horst W. Opaschowski. Was kann in Regensburg umgesetzt werden?
Von Ernst Waller, MZ

Zukunftsforscher Professor Horst W. Opaschowski Foto: MZ-Archiv

Regensburg. Franz und Erika wohnen im Landkreis. Vor 35 Jahren haben sie die Stadt verlassen und sich auf dem Land ein hübsches Eigenheim mit großem Garten gebaut. Jetzt sind die drei Kinder aus dem Haus, die Eheleute mittlerweile in Rente, aber noch topfit. Franz und Erika werden in Kürze ihr Häuschen verkaufen und wieder zurückgehen in die Stadt. Dort wollen sie sich ein Appartement oder kleines Häuschen mieten – am besten mit flexiblem Grundriss. Die Wege zum Arzt, ins Fitness-Studio, ins Theater und ins Lieblingsrestaurant sollen kurz sein. So stellen sich die beiden ihren Lebensabend vor.

Zukunftsforscher: Die Pendler kehren in die Stadt zurück

So wie sie denken viele. Erika und Franz haben wir zwar erfunden, doch sie stehen beispielhaft für eine Entwicklung, die in den nächsten Jahrzehnten verstärkt auf die Kommunen zukommen wird. So jedenfalls sieht es der renommierte Zukunftsforscher Professor Dr. Horst W. Opaschowski. „Mister Zukunft“, wie er auch genannt wird, hat untersucht, wie wir in den nächsten Jahrzehnten wohnen werden. „Die Pendler kehren in die Stadt zurück“, ist eine seiner Thesen. Wer es sich leisten könne, wohnt citynah. Wird das in Regensburg auch so sein? Anton Sedlmeier, der Leiter des Stadtwicklungsamtes, stimmt dieser These im Kern zu. Doch diese Entwicklung stehe in Regensburg erst am Anfang. „Der Rückzug der Pendler in die Stadt läuft spärlich“, sagt der Experte. Er rechne zwar auch mit dieser Entwicklung, doch das werde noch dauern. In Regensburg werde der Zuzug derzeit vielmehr von vielen jungen Menschen gespeist. Die Stadt biete rund 130.000 Arbeits- und 28.000 Studienplätze. „Die Menschen ziehen dorthin, wo es gute Arbeit gibt“, sagt Sedlmeier, und genau dies sei in Regensburg der Fall. Dies wiederum ist auch eine der zentralen Thesen von Professor Opaschowski. Die Stadt liege beim Verhältnis Einwohnerzahl/Arbeitsplätze bundesweit ganz weit vorne, sagt Sedlmeier, „und da ist für jeden etwas dabei“.

Wird auch Regensburg zu einer Stadt der Mieter?

Opaschowski geht davon aus, dass sich der wohl kinderlose Städter der Zukunft kein Haus kauft, sondern sich einmietet. Mieter könnten sich mehr leisten im Leben als Hausbesitzer. Eine Eigentumswohnung sei schließlich so „teuer“ wie zwei Kinder. Berlin habe einen Mietwohunungsanteil von rund 90 Prozent. Auch Regensburg werde eine Mieterstadt werden, sagt Deutschlands bekanntester Zukunftsforscher voraus. Anton Sedlmeier hingegen verweist auf die derzeit herrschende „Flucht in das Betongold“. Viele Menschen, die sich im Laufe ihres Lebens Geld erwirtschaftet haben, würden nun in vermeintlich sichere Anlageformen wie Immobilien wechseln. Der Leiter des Stadtwicklungsamtes geht vielmehr davon aus, dass „Kaufen das Mieten verdrängt“. Eigentums- und Studentenapartments schießen derzeit in der Stadt wie Pilze aus dem Boden. In Regensburg liege die Eigentumsquote bei rund 30 Prozent und „die Tendenz geht eher in Richtung Eigentum“, erklärt der städtische Experte. Regensburg sei mittlerweile interessant für Kapitalanleger aus dem gesamten ostbayerischen Raum.

Die Zahl der Ein- und Zweipersonenhaushalte nimmt zu

Single- und Seniorenhaushalte werden zunehmen, sogar an den Stadträndern werden Einfamilienhäuser zu Einpersonenhäusern, prophezeit Opaschowski. Der Anteil der kleinen Ein- und Zweipersonenhaushalte steige auf rund 75 Prozent. Es gebe in Zukufnt weniger junge Familien und deshalb werde die Nachfrage nach Eigenheimen weiter sinken. Wohneigentumsbildung verlagere sich auf den Geschoßwohnungsbau in der Stadt.

Der Anteil der Ein-Personen-Haushalte in der Stadt liegt mittlerweile bei rund 50 Prozent, bestätigt auch Anton Sedlmeier. Dies sei typisch für eine Studentenstadt wie Regensburg. „Die jungen Leuten haben verständlicherweise ein ganz anderes Nachfrageverhalten als Familien mit Kindern.“

Kurze Wege in den Quartieren werden immer wichtiger

Die Menschen wollen kurze Wege in ihren Wohnquartieren. Quartiermanager bieten in der Zukunft Concierge-, Einkaufs- und Begleitdienste an, sagt Opaschowski. „Kurze Wege wollen alle“, bestätigt Sedlmeier. Mit städtischen Zentren wie BUZ oder REZ trage die Stadt dieser Entwicklung Rechnung.

Nachbarschaftshilfen nehmen deutlich an Bedeutung zu

Das „Comeback der guten Nachbarn“ sagt „Mister Zukunft“ Opaschowski voraus. Die Hilfsbereitschaft in den eigenen vier Wänden, vor der Haustüre oder um die Ecke werde zunehmen, sagt der Experte. Die Zukunft ist diesbezüglich schon in Regensburg angekommen. Anton Sedlmeier verweist auf das Projekt „Regensburgs nette Nachbarn“ (ReNeNa), das 2009 ins Leben gerufen worden war. Diese organisierte Form der Nachbarschaftshilfe findet zunehmend in den einzelnen Stadtteilen statt. ReNeNa übernehme künftig immer mehr Quartiersbetreuung. Das in jüngster Zeit oft propagierte „Wohnen und Arbeiten“ in unmittelbarer Nähe sieht Sedlmeier distanziert. „Gerade bei Führungskräften geht der Trend aktuell in genau die entgegengesetzte Richtung.“

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