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Berufswelt

Speed Dating – mal ganz anders

„Blind Date mit der Zukunft“: Das Pindl Gymnasium Regensburg wagte das Experiment einer anderen Berufsorientierung.
Von Angelika Lukesch

Hier informiert Dr. Volker Herold (rechts) die Pindl-Gymnasiasten über den Berufsbereich Medizin. Foto: Tino Lex
Hier informiert Dr. Volker Herold (rechts) die Pindl-Gymnasiasten über den Berufsbereich Medizin. Foto: Tino Lex

Regensburg.In der Oberstufe des Gymnasiums wird die Frage „Welchen Beruf will ich ergreifen?“ bei den Schülern zu einem zentralen Thema. Oftmals werden an den Schulen zur Berufsfindung so genannte Berufsorientierung-Messen abgehalten, im Rahmen derer sich viele Berufssparten mit Ansprechpartnern vorstellen. Das Pindl-Gymnasium mit Schulleiter Bernd Ackermann ging das bedeutende Thema der Berufsfindung in diesem Jahr jedoch ganz anders an.

Berufe im Schnelldurchgang

Veranstaltet wurde ein sogenanntes Speed Dating, das den Titel „Blind Date mit der Zukunft“ trug. Zehn Referenten (fast alle waren Schülereltern) aus verschiedensten Berufssparten von der Rechtswissenschaft über das Ingenieurwesen bis hin zur Medizin standen bereit, um über ihren Beruf, die Verdienstmöglichkeiten und auch ihren persönlichen Lebensweg Auskunft geben.

Viviane Reu: Ich möchte am liebsten Chirurgin werden. Der Amerikanistik bin ich zugelost worden, aber ich finde das auch sehr interessant. Medizin wäre bei mir die erste Wahl. Das Speed Dating find ich ziemlich gut, weil man sich besser orientieren kann
Viviane Reu: Ich möchte am liebsten Chirurgin werden. Der Amerikanistik bin ich zugelost worden, aber ich finde das auch sehr interessant. Medizin wäre bei mir die erste Wahl. Das Speed Dating find ich ziemlich gut, weil man sich besser orientieren kann

Jeder Schüler konnte sich einen Berufsbereich selbst auszuwählen, zwei weitere wurden ihm per Los zugeteilt. Die Schüler der Q 11 wurden in Kleingruppen zu je acht Personen aufgeteilt. Ein komplexer Ablaufplan wurde erstellt. In der Praxis sah dies dann so aus, dass die Schüler-Gruppen jeweils 20 Minuten bei dem gewählten Referenten und bei den beiden zugelosten Referenten verweilten. Dort wurde ihnen im Schnelldurchgang ein Berufsbereich vorgestellt und es konnten Fragen gestellt werden.

Die Schüler waren von dieser Art und Weise der Informationsbeschaffung über verschiedene Berufe sehr angetan. „Ich habe mich für Medizin eingetragen, war aber auch noch in Rechtswissenschaften und Ingenieurwesen – zwei Bereiche, an die ich sonst nie gedacht hätte. Aber gerade das halte ich für sehr gut und es war sehr interessant für mich“, sagt ein dunkelhaariger Bursche zwischen den Speed Dating-Durchläufen.

Niklas Klingel: Ich weiß noch nicht genau, was ich werden will. Ich nutze heute die Chance beim Speed Dating und lasse mich informieren. Für mich ist der Verdienst bei einem Beruf nicht das Wichtigste. Das Leben sollte ein Mix aus Geld, Freizeit und vielleicht auch Spiritualität sein. Die Idee mit dem Speed Dating finde ich sehr gut, da man sich gut informieren kann.
Niklas Klingel: Ich weiß noch nicht genau, was ich werden will. Ich nutze heute die Chance beim Speed Dating und lasse mich informieren. Für mich ist der Verdienst bei einem Beruf nicht das Wichtigste. Das Leben sollte ein Mix aus Geld, Freizeit und vielleicht auch Spiritualität sein. Die Idee mit dem Speed Dating finde ich sehr gut, da man sich gut informieren kann.

Schulleiter Ackermann erklärt, dass er ganz bewusst nach einem neuen Konzept gesucht hatte, um den Schülern bei der Berufsfindung zu helfen. Hinzu kam das Bewusstsein, wie Ackermann betont, „dass wir mit unseren Schülereltern eine ganz große Bandbreite der verschiedensten Berufe abdecken können.“ Dabei sei die Idee entstanden, die Schülereltern in die Berufsorientierung mit einzubauen. Der Gedanke, dass sich die Schüler einen Berufsbereich selbst aussuchen und zwei weitere zugelost bekommen, war aus der Absicht entstanden, dass die Schüler ihren Fokus, zumal dann, wenn sie bereits einen festen Berufswunsch haben, erweitern und auch Kenntnis von anderen Berufsbereichen erlangen können.

Joshua Spieß: Einen Beruf habe ich noch nicht ins Auge gefasst, aber ich würde mich sehr für Geschichte interessieren, beziehungsweise das mit Journalismus verbinden. Ich könnte mir vorstellen, dass ich bei einer Geschichtszeitschrift arbeiten könnte.
Joshua Spieß: Einen Beruf habe ich noch nicht ins Auge gefasst, aber ich würde mich sehr für Geschichte interessieren, beziehungsweise das mit Journalismus verbinden. Ich könnte mir vorstellen, dass ich bei einer Geschichtszeitschrift arbeiten könnte.

„Damit wird es für unsere Schüler auch spannend!“, sagt Ackermann. Außerdem biete die Tatsache, dass Schülereltern als Referenten zur Verfügung stünden, eine wesentlich persönlichere Art der Kommunikation und des Informationsaustausches, als dies bei einer herkömmlichen Berufsmesse stattfinden könne. Auch die persönliche Motivation und der individuelle Lebensweg der Referenten, der nicht unbedingt immer geradlinig verlaufen müsse, erweitere den Horizont der Schüler und mache das jeweilige Berufsfeld und auch einfach die Vorstellung von einem gelungenen Leben vielfältiger.

Scheitern ist nicht schlimm

Anton Kühn: Ich weiß noch nicht genau, was ich werden will. Aber ich interessiere mich sehr für Naturwissenschaften. Eingeschrieben habe ich mich für Physik und Halbleitertechnik. Prinzipiell finde ich das Speed Dating auch sehr gut. Man kann sich sehr gut informieren.
Anton Kühn: Ich weiß noch nicht genau, was ich werden will. Aber ich interessiere mich sehr für Naturwissenschaften. Eingeschrieben habe ich mich für Physik und Halbleitertechnik. Prinzipiell finde ich das Speed Dating auch sehr gut. Man kann sich sehr gut informieren.

Nachdem alle Schüler ihre drei Berufssparten mit den jeweiligen Referenten durchlaufen hatten, kam der Verein der Freunde des Pindl Gymnasiums und Hauptgeschäftsführer der IHK Oberpfalz, Dr. Jürgen Helmes zu Wort. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand die Frage, wie sich durch die Digitalisierung die Arbeitswelt verändere. Dr. Helmes war es wichtig darzustellen, „dass wir keine Angst zu haben brauchen vor der Zukunft“. Es werde genauso viel Arbeit und Jobs geben wie vorher. Die Berufe würden sich jedoch verändern. „Die Kinder brauchen mehr Kreativität, müssen im Team arbeiten können. Die digitalen Medien unterstützen das Thema Teamwork jedoch nicht immer…. Zusammenarbeit bedeutet, miteinander zu reden, miteinander zu streiten und miteinander zu arbeiten. Real Life ist etwas anderes, als nur zu chatten und im Internet unterwegs zu sein“, sagte Dr. Helmes. Besonders wichtig war es ihm auch, den Schülern klarzumachen, dass es viele Wege im Berufsleben gehe, sei es zum Beispiel, dass man zuerst eine Ausbildung mache und dann erst studiere. Und auch ein etwaiges Scheitern gehöre mit dazu. Dr. Helmes machte den Schülern Mut: „Keine Angst vor dem Scheitern! Und auch keine Angst vor der digitalen Arbeitswelt!“

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