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Freizeit

Spiel mit dem Mythos der Geheimbünde

Im Kellergewölbe vom „Goldenen Fass“ treten Illuminaten in den Wettlauf gegen die Zeit. Rätsel über Rätsel warten.
Von Daniel Geradtz, MZ

Rätsel um Geheimbünde: Das Spiel beinhaltet die bekannten Symbole der Illuminaten.
Rätsel um Geheimbünde: Das Spiel beinhaltet die bekannten Symbole der Illuminaten. Foto: Geradtz

Regensburg.Man schreibt das Jahr 1786. Eine adlig wirkende Dame in blauer Robe tritt unvermittelt in den Wirtsraum des „Goldenen Fasses“. „Ich bin Johanna de Frey. Mein Mann ist vor drei Tagen entführt worden“, klagt sie. Ihr Mann, das ist Johannes, Mitglieds des Geheimbunds der Regensburger Illuminaten. Rasch führt sie fünf Menschen in den Keller. Dort sollen sie eine Prüfung ablegen, um wie ihr Mann in den Orden aufgenommen zu werden.

Hinter der Person von Johanna de Frey steckt die Schauspielerin Anna Günther. Sie ist Teil eines Spiels. Die Idee dahinter ist, sich als Gruppe einen Lösungsweg aus einer scheinbar auswegslosen Situation zu erschließen. Dabei ist Zusammenarbeit gefordert. Der Spiel-Trend stammt aus der Computer-Szene: Per Mausklick gilt es dort, sich einen Überblick über einen oder mehrere Räume zu verschaffen und Gegenstände oder Hinweise zum Weiterspielen zu finden.

Spieler nehmen andere Identität an

Seit einiger Zeit werden diese Spiele, auch als „Escape Room Game“ bezeichnet, in der „realen Welt“ angeboten. Der Name beschreibt ein häufiges Szenario der Spiele: Ein verschlossener Raum soll durch das Lösen mehrerer Rätsel wieder geöffnet werden. Tut sich eine Gruppe schwer, bekommt sie Hilfe.

Stefanie Schädel, Konstanze Welllein und Thomas Franke betreiben ihren Escape Room als „Challenge Room“ in den Kellerräumen vom „Goldenen Fass“ in der Spiegelgasse. Die Eingangsszene hätte so tatsächlich in Regensburg passieren können: Denn der Illuminat Johannes de Frey war einst ein gut situierter Bankier und Kaufmann in der Stadt.

Inzwischen haben die Spieler bereits einen schwarzen Umhang umgelegt. Denn zu ihrem Aufnahmeritual in die Geheimgesellschaft gehört auch, dass die Anwärter die alte Identität abstreifen. Der Kellerraum ist nur schwach beleuchtet. Die Spieler lassen ihre Blicke entlang der kahlen Wände schweifen. Zunächst haben sie keine Idee, ob sich dort Hinweise verstecken. Dann erklärt die Spielleiterin die wenigen Regeln.

Bevor es losgeht, erlischt das erste „Licht der Weisheit“. Diese Lichter stehen symbolisch für die Hinweise, die die Spieler erbitten dürfen. Insgesamt gibt es deren fünf. „Wir wollten alles so authentisch wie möglich machen. Deswegen haben wir uns für die Kerzen entschieden“, sagt Konstanze Wellein. Schon das Kellergewölbe, das als Handlungsplatz zur Verfügung stehe, sei ein Segen. Dadurch kann eine passende Atmosphäre geschaffen werden.

Die Spieler haben nun erfahren, wonach sie suchen sollen. Praktisch überall könnten wichtige Hinweise stecken. Deshalb darf kein Winkel ausgelassen werden. Da die Spieler nicht viel sehen können, müssen sie sich teilweise im Raum vortasten. Die erste Etappe ist dennoch rasch bewältigt.

Das Ziel ist noch keineswegs in Sicht. Die Spieler müssen sich Schritt für Schritt vorarbeiten: Mal müssen mehrere Gegenstände gefunden und miteinander kombiniert werden, mal gilt es Schriften zu dechiffrieren. Die Aufgaben folgen nicht nur aufeinander: Wenn die Spieler mit dem Prinzip vertraut sind, gibt es sogar Überschneidungen. Thomas Franke macht während der Spiele interessante Beobachtungen: „Man sieht beispielsweise, dass eine Person die Gruppendynamik verändern kann, wenn sie andere Spieler lenken oder führen“. Daher sei das Spiel nicht nur für Privatpersonen interessant, sondern auch für Firmen als teambildende Veranstaltung oder Assessment-Center. Damit kann in einem diskreten Rahmen festgestellt werden, wer für Führungspositionen geeignet ist und andere von seinen Vorschlägen begeistern kann.

Den fünf Spielern rinnt die Zeit davon. „Ihr habt nun noch 40 Minuten“, sagt Schauspielerin Anna Günther. Damit sind bereits 20 Minuten verstrichen. Doch für die Spieler ist diese Information nicht viel wert. Alles, was sie wissen, ist, dass sie im letzten Spielraum angelangt sind. Wie viele Aufgaben aber noch vor ihnen stehen, können sie nicht abschätzen. Genauso wenig ahnen sie, wie viele Aufgaben noch auf sie warten.

Fortsetzung ist in Planung

Auch hier lassen sich laut Franke interessante Beobachtungen machen. Die höhere Anzahl von Spielern ist keine Garantie für einen schnellen Erfolg: „Es gibt sogar kleine Gruppen, die die Rätsel schneller lösen als große.“ Zudem berichtet er von Gruppen, die durch die Aufgaben förmlich durchrauschen.

Die Spieler brauchen an diesem Tag nicht die vollständige Zeit, um am Ende an das letzte Geheimnis der Illuminaten zu gelangen. Sie haben sich ganz wacker geschlagen: Ein letztes Licht der Weisheit flackert noch. Weil die Anwärter das alles entscheidende letzte Rätsel gelöst haben, sind sie nun Mitglieder des Ordens. Die Spieler erhalten eine Überraschung, mit der sie ihren Erfolg später beweisen können.

Nur wenige Wochen nach der Aufnahme des Spielbetriebs haben die Macher des Challenge Room bereits große Pläne: „Wir arbeiten an einem zweiten Teil. Der soll im nächsten Jahr als Fortsetzung spielbar sein“, sagt Wellein.

Übrigens, in Regensburg gibt es mit „LiveAct Games“ einen zweiten Anbieter, der sich jedoch eine moderne Variante des Spiels überlegt hat. Dabei muss innerhalb von einer Stunde eine Zeitbombe entschärft werden. Auch dieser hat erst in diesem Jahr den Spielbetrieb aufgenommen.

Der Challenge Room

  • Besonderheit

    Eine Besonderheit des „Challenge Room“ ist, dass das Spiel von einem Schauspieler beziehungsweise von einer Schauspielerin geleitet wird. Die Existenz von Johannes de Frey ist geschichtlich belegt. Die seiner Frau hingegen nicht.

  • Gruppenstärke

    An dem Spiel können Gruppen von einer Größe zwischen vier und zehn Personen teilnehmen. Dadurch zeichnet sich das Angebot aus. Denn vergleichbare Spiele können oft nur für kleinere Gruppen bis maximal acht Interessierte wahrgenommen werden.

  • Soziales

    Zehn Prozent des Erlöses kommen caritativen Zwecken zugute.

  • Kontakt

    Auf der Webseite www.challengeroom.de stehen Informationen zum Abruf bereit. Dort können auch die Spielrunden, die jeweils am Wochenende stattfinden, gebucht werden. (mxg)

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