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Kultur

Sprachenvielfalt mitten in der Altstadt

Die Studenteninitiative „uM die ecKe“ veranstaltet seit Dezember 2013 zweimal im Monat ein Sprachcafé in Regensburg. Das Projekt kommt an.
Von Jasmin Kohl, MZ

  • Wenn die Studierendengruppe „uM die ecKe“ zum Sprachcafé einlädt, wird es interkulturell. Foto: Kohl
  • Das „Icebreaker“ versteckt sich in der Engelburgergasse 18. Foto: Kohl

Regensburg.Von „Ca va?“ bis „Dobrý den“; an jedem zweiten Mittwoch im Monat wird es interkulturell in der Regensburger Altstadt, wenn die Studierendengruppe „uM die ecKe“ zum Sprachcafé in die Bar „Icebreaker“ einlädt. Seit Dezember 2013 schafft das sechsköpfige Organisationsteam der Studenten-Initiative dort einen Treffpunkt für Sprach- und Kulturbegeisterte.

Unter einem Sprachcafé versteht man eine Veranstaltung, zu der sich Menschen treffen, um auf verschiedensten Sprachen miteinander zu diskutieren. Die Beweggründe sind dabei unterschiedlich. „So kann ich meine Russischkenntnisse endlich einmal anwenden und gleichzeitig noch etwas über das Land lernen“, freut sich die Studentin Nora Happel, die regelmäßig an der Veranstaltung teilnimmt. Andere kommen, weil sie etwas über eine ihnen fremde Kultur erfahren möchten oder einfach neue Leute kennen lernen wollen.

70 Besucher kamen zuletzt

Sprachcafés finden auch in anderen bayerischen Städten statt, darunter sind München, Passau und Nürnberg. „In Regensburg gab es bisher keine vergleichbare Veranstaltung, dabei bestand auch hier ein deutliches Interesse“, begründet Tina Czada, von „uM die ecKe“ die Gründung des Sprachcafés. Die Teilnehmerzahlen geben ihrer Vermutung Recht: Rund 70 Besucher kamen zum letzten Sprachcafé vor den Semesterferien, bei dem auf Französisch, Spanisch, Italienisch, Englisch, Polnisch, Tschechisch, Hebräisch und Swahili diskutiert wurde. Der Andrang am Englisch-Sprachtisch war dabei sogar so groß, dass dieser spontan erweitert werden musste. Die französische Studentin Rébecca Damotte merkt an, dass die Sprache für sie dabei nicht immer im Mittelpunkt steht. „Das Sprachcafé ist auch ein Ort, an dem man Leute kennenlernen kann.“

Bei den Werbekosten und weiteren Ausgaben werden die Studenten von der Sprachschule „Horizonte“, dem Bekleidungsgeschäft „Zikade“ und dem „Icebreaker“ unterstützt.

Muttersprachler animieren

Aber wie kann man sich das Sprachcafé konkret vorstellen? Jeder Tisch wird mit einer Länderflagge versehen, die dem Teilnehmer bei der Orientierung hilft. Eine Besonderheit ist, dass jeder dieser Sprachtisch von Muttersprachlern, sogenannten „Sprachanimateuren“, geleitet wird. So werden die Diskussionen umso lebhafter, denn bei sprachlichen Schwierigkeiten kann sofort ausgeholfen werden. „Diese Sprachanimateure zu finden, war am Anfang gar nicht so leicht“, erinnert sich Organisationsmitglied Jana Schubert.

Mit im Angebot ist auch ein Deutsch-Sprachtisch, der sich an Ausländer richtet, die in ihrem Alltag wenig Möglichkeit haben, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Das Kontakt knüpfen fällt denjenigen besonders schwer, die sich für ihre unzureichenden Sprachkenntnisse schämen.

Die Wirtin der Bar „Icebreaker“, Stefanie Fasora, war sofort von der Idee des Sprachcafés begeistert. „Mehrsprachigkeit wird heutzutage immer wichtiger“, stellt sie fest. Sie ist selbst viele Jahre durch die Welt gereist und möchte mit ihrer Bar eine Anlaufstelle für neue Regensburger bieten, die das Eis zwischen Fremden brechen soll, daher auch der Name „Icebreaker“, zu deutsch: Eisbrecher.

Mit Herzblut dabei

Bereits zum vierten Mal wird das Sprachcafé am 26.Februar stattfinden. „Eigentlich wollten wir das nächste Sprachcafé erst wieder zu Semesterbeginn organisieren, aber die Nachfrage war so groß, dass wir es doch in den Semesterferien veranstalten werden“, so Czada. Die Organisatoren sind ständig auf der Suche nach neuen „Sprachanimateuren“, um den Teilnehmern einen abwechslungseichen Sprachenmix präsentieren zu können.

Am 26. Februar werden so das erste Mal Portugiesisch und Chinesisch vertreten sein. Auch regionale Deutsch-Sprachtische sind in Planung. Am Bairisch-Sprachtisch könnte man so Norddeutschen zum Beispiel das Geheimnis des Wörtchens „fei“ erklären.

Die Fragen: „Wie seid ihr eigentlich auf die Idee gekommen? Und was habt ihr davon?“ begegnen den Mitgliedern von „uM die ecKe“ öfters. Die Idee stammt aus eigenen positiven Erfahrungen mit einem in Toulouse (Frankreich) veranstalteten Sprachcafé. Während ihres Auslandssemesters faszinierte Tina Czada die angebotene Sprachenvielfalt und die unkomplizierte Art des Austausches.

Die Motivation, einen Teil seiner Freizeit für das Projekt zu opfern erklärt Jana Schubert so:. „Wir wollen einen Teil von dem weitergeben, was uns bei unseren Auslandsaufenthalten gegeben wurde.“ Sie selbst engagierte sich während ihres Auslandsjahrs in Clermont-Ferrand (Frankreich) in einer schon existierenden Studentengruppe.

Dass die Studenten mit Herzblut dabei sind, merkt man deutlich: Länderflaggen, Flyer- und Plakatentwürfe, Newsletter und Facebook-Seite – alles wird selbst gemacht.

Vom bunten Abend zum Sprachcafé

„uM die ecKe“ hat sich im Wintersemester 2011 auf Initiative von drei Studierenden der Universität Regensburg gegründet.

Im Mai 2012 stellten sie zusammen mit acht Kommilitonen ihr erstes Projekt auf die Beine. In Kooperation mit dem „W1 – Zentrum für junge Kultur“, bereicherten sie damals die Regensburger Kulturszene. Unter dem Titel „uM die ecKe - Deutschland, Frankreich, Spanien“ versteckte sich ein buntes Programm – von Fotoreportage über Tanzvorführung und Schauspiel bis Gedichtvortrag. Eigens dafür wurde sogar ein Kurzfilm gedreht, der die Regensburger mit der Frage: „Was ist Interkulturalität?“ konfrontierte. Mit dem Ziel, Kultur erlebbar zu machen, sollte jeder an diesem Abend die Möglichkeit haben, Frankreich, Spanien und Deutschland zu entdecken. Nach einem Jahr Pause formierte sich die Gruppe im Oktober 2013 dann neu.

Das neue Projekt findet vor allem bei Studenten und jungen Berufstätigen Anklang. „Die Veranstaltung richtet sich aber an alle, die Lust auf Sprachen haben, da gibt es keine Altersgrenzen“, so Czada. Die Studenten wollen in Zukunft weitere Sprach-Projekte anbieten: Ein Sprachanimations-Workshop und ein internationaler Brunch sind bereits in Planung. An Ideen mangelt es sicher nicht.

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