MyMz
Anzeige

Vergewaltigt? Fall bleibt mysteriös

Eine Frau erklärt, missbraucht worden zu sein. Stimmt nicht, sagt der Staatsanwalt und erhebt Anklage. Doch Rätsel bleiben.
Von Ernst Waller, MZ

Tagelang suchte die Polizei die Umgebung des vermeintlichen Tatorts ab.
Tagelang suchte die Polizei die Umgebung des vermeintlichen Tatorts ab. Fotos: MZ-Archiv

Regensburg.Der Fall sorgte im vergangenen Jahr bundesweit für Schlagzeilen: Eine 22-Jährige hatte bei der Polizei behauptet, in der Nacht zum 27. Juli in der Isarstraße im Stadtnorden Opfer eines furchtbaren Verbrechens geworden zu sein. Die junge Frau hatte im Detail geschildert, wie sie beim Spazierengehen um Mitternacht von drei Männern in Höhe der Heilig-Geist-Kirche in ein Auto gezerrt, an einen unbekannten Ort gebracht und dort vergewaltigt worden sei. Danach hätten sie ihre drei Peiniger zurückgefahren und nackt beim Alex-Center ausgesetzt.

Die Auszubildende, die schwere Verletzungen aufwies, musste eine Woche in einem Regensburger Krankenhaus behandelt werden. Es ist unbestreitbar, dass sie verletzt war. Woher diese Verletzungen stammen, ist allerdings bis heute noch unklar.

Früh tauchten Zweifel auf

Nach der angeblichen Tat lief der Fahndungsapparat der Kriminalpolizei auf Hochtouren. Hundertschaften der Polizei durchkämmten den angeblichen Tatort und die nähere und weitere Umgebung der Isarstraße. Experten der Polizei fertigten Phantombilder der Täter an und die Kripo verhörte auch drei Männer, die kurzzeitig ins Visier der Polizei geraten waren. Doch die Spur zerschlug sich wieder. Die Phantombilder sollten sogar in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY“ gezeigt werden.

Schon früh allerdings war aus Polizeikreisen zu hören, dass die Schilderung der Frau zum Tathergang wohl einige Ungereimtheiten aufwies. Und Anfang September schließlich platzte die Bombe: Die von der 22-Jährigen geschilderte Vergewaltigung habe so nicht stattgefunden, teilte die Polizei der Öffentlichkeit mit. Weitere Details wurden nicht bekannt gegeben. Der Fall blieb mysteriös – und er ist es immer noch.

Jetzt wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Regensburg bereits Ende April Anklage gegen die mittlerweile 23-Jährige erhoben hat. Dies bestätigte Oberstaatsanwalt Theo Ziegler auf Anfrage der Mittelbayerischen Zeitung. Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau das Vortäuschen einer Straftat vor. Die Vergewaltigung habe es nicht gegeben.

Ein weiterer Anklagepunkt lautet auf Betrug. Denn die junge Frau hatte sich nach der vermeintlichen Tat an die Opferhilfe „Weißer Ring“ gewandt und 250 Euro in bar als Soforthilfe sowie einen 150-Euro-Scheck für einen Rechtsanwalt erhalten.

Verletzungen geben Rätsel auf

Wie Ziegler gegenüber der MZ sagte, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass die Tat „nicht so und nicht zu diesem Zeitpunkt“ stattgefunden habe, wie es von der Frau geschildert worden sei. Und woher hat die Frau dann ihre Verletzungen? „Das ist in der Tat rätselhaft“, räumt Oberstaatsanwalt Theo Ziegler auf Nachfrage der MZ ein. Die Spekulationen reichen laut Ziegler von „Sie ist Opfer einer anderen Straftat zu einem anderen Zeitpunkt geworden bis zu hat sich die Verletzungen selbst zugefügt“.

Die Ermittlungen seien schwierig, da die junge Frau beharrlich jede Auskunft verweigert habe, sagte Ziegler. Nach MZ-Informationen hat das vermeintliche Opfer auch in den Polizeiverhören eisern geschwiegen. Die Motive für dieses Verhalten liegen völlig im Dunkeln.

Für die Kriminalpolizei Regensburg sind die Ermittlungen abgeschlossen, auch wenn die Verletzungen der Frau nach wie vor Rätsel aufgeben, bestätigte Pressesprecher Michael Rebele auf MZ-Anfrage. „Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen nicht mehr an uns zurückgegeben“, so Rebele. Es sei natürlich nicht auszuschließen, dass sich im Laufe des Prozesses plötzlich „eine neue Türe öffnet“. Wann der Prozess gegen die 23-Jährige stattfindet, ist noch nicht bekannt.

Die Chronik der Fahndung

  • 27. Juli 2014:

    Die 22-Jährige meldet die angebliche Tat bei der Polizeiinspektion Regensburg Süd.

  • 29. Juli 2014:

    Drei Verdächtige werden verhaftet, verhört und danach wieder freigelassen.

  • 30. Juli 2014:

    Die Polizei befragt Bewohner in der Isarstraße und sucht in Tatortnähe nach der verschwundenen Kleidung des angeblichen Opfers.

  • 12. August 2014:

    Die Kripo veröffentlicht Phantombilder. Die sollen den Haupttäter und den Fahrer des Tatfahrzeugs zeigen.

  • 5. September 2014:

    Die Fahndung wird für beendet erklärt. Die Tat habe nicht stattgefunden, so die Polizei.

  • 14. November 2014:

    Die Staatsanwaltschaft schließt die Ermittlungsakte gegen unbekannt. Und ermittelt nun wegen Vortäuschens einer Straftat.

  • 12. August 2015:

    Gegen die 22-Jährige wird Anklage erhoben.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht