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Stadion: Ein Caterer – viele Meinungen

Die Gastronomie in der Arena wird neu ausgeschrieben. Der Jahn kritisiert den Caterer. Bei Gästen schneidet er gut ab.
Von Norbert Lösch und Ernst Waller

Gespräche bei Häppchen und Getränken: Manchmal mischt sich auch ein Spieler des SSV Jahn – wie hier Joshua Mees (Zweiter von links) – im VIP-Bereich der Continental-Arena unter die Besucher. In diesem Bereich gibt es viel Lob für den Caterer.Foto: Nickl
Gespräche bei Häppchen und Getränken: Manchmal mischt sich auch ein Spieler des SSV Jahn – wie hier Joshua Mees (Zweiter von links) – im VIP-Bereich der Continental-Arena unter die Besucher. In diesem Bereich gibt es viel Lob für den Caterer.Foto: Nickl

Regensburg.Nach zweieinhalb Jahren wird die Kooperation zwischen dem Caterer „Party-Engel“ und den Regensburger Badebetrieben (RBB) als Betreiber der Continental-Arena vorerst beendet: Das städtische Tochterunternehmen kündigte den Dreijahresvertrag mit dem Regensburger Gastronomie-Dienstleister, der sich ansonsten automatisch um ein Jahr verlängert hätte. Das letzte Heimspiel des in dieser Zweitliga-Saison bisher so erfolgreichen Jahn könnte damit der letzte Einsatz für das Unternehmen sein, das auch die Eishockey-Fans und Konzertbesucher in der Donau-Arena regelmäßig mit Speis und Trank versorgt.

Die Arbeit und das Angebot des Caterers werden unterschiedlich betont. Offiziell äußern sich die Jahn-Verantwortlichen auf unsere Nachfrage gar nicht. Doch hinter vorgehaltener Hand wird kolportiert, dass der SSV Jahn als Mieter des Stadions mit dem Catering-Angebot unzufrieden war – und zwar von den VIP-Logen bis zu den Stehplatzrängen. Doch es gibt auch ganz andere Stimmen. Was steckt hinter der Kündigung?

Der Anfang war schwer

Das Angebot an den Kiosken im Stadionrund sorgt immer wieder mal für Diskussionen.Foto: lla
Das Angebot an den Kiosken im Stadionrund sorgt immer wieder mal für Diskussionen.Foto: lla

Den Fans sind vor allem die Anlaufschwierigkeiten in der Eröffnungsphase des neuen Stadions im Sommer 2015 in Erinnerung. Das ist bitter für den Caterer, der für diese Kinderkrankheiten – Stichwort defekte Schankanlage – nichts konnte, aber dennoch dafür verantwortlich gemacht wurde. Das wirkt bis heute nach. Was Fans auch monieren: Der über Jahre hinweg vorgetragene Wunsch nach der in Regensburg nahezu legendären Knackersemmel werde vom Party-Engel beharrlich ignoriert. Immer wieder mal taucht in Internetforen auch Kritik am Angebot des Caterers sowie dem Preis-/Leistungsverhältnis auf.

Fakt ist, dass sich die Badebetriebe die Aufkündigung der Zusammenarbeit mit dem Caterer vom Stadtrat haben absegnen lassen – in einer nicht-öffentlichen Sitzung Mitte Dezember. Dabei sei man nicht unzufrieden gewesen mit der Gegenleistung, sagt Manfred Koller, der als Geschäftsführer der Stadtwerke und der RBB als Stadion-Betreiber die Stadt vertritt, im Gespräch mit unserer Redaktion. Was die Continental-Arena als „etablierter und sehr gut gebuchter Veranstaltungsort“ für Tagungen, Messen und andere Events angehe, seien die Rückmeldungen im Hinblick auf das Catering „durchweg positiv“ gewesen.

„Die Kündigung in der Continental-Arena steht in keinem Zusammenhang zur Situation in der Donau-Arena. Wir sind hier über einen langfristigen Vertrag mit dem Party-Engel verbunden und mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden.“

Manfred Koller, Geschäftsführer der Stadtwerke

„Auf der anderen Seite ist die Continental-Arena aber in der Hauptsache ein Fußballstadion, dessen Hauptmieter der SSV Jahn Regensburg ist. Leider waren die Rückmeldungen hier nicht durchgängig positiv, so dass es in den vergangenen zweieinhalb Jahren leider nicht gelungen ist, trotz vielfacher Bemühungen und teilweise Mediationen unsererseits hier ein für die Zukunft tragfähiges, partnerschaftliches Miteinander zu erreichen.“

In der Donau-Arena wollen die Badebetriebe am Caterer „Party-Engel“ festhalten. Ein Widerspruch? Nein, sagt Koller. „Die Kündigung in der Continental-Arena steht in keinem Zusammenhang zur Situation in der Donau-Arena. Wir sind hier über einen langfristigen Vertrag mit dem ,Party-Engel‘ verbunden und mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden.“

Umfragen: Positives Bild

Auch im Business-Bereich versorgt der Caterer die Besucher. Das Feedback ist sehr positiv.Foto: Nickl
Auch im Business-Bereich versorgt der Caterer die Besucher. Das Feedback ist sehr positiv.Foto: Nickl

Ein sehr positives Bild vom Caterer zeichnen Umfragen, die mehrfach sowohl bei den VIP-Gästen als auch bei den vielen Tagungen durchgeführt wurden. Entsprechende Unterlagen liegen unserem Medienhaus vor. Da werden sowohl das Angebot als auch der Service des „Party-Engels“ zumeist in den höchsten Tönen gelobt. Und bei Testkäufen ab den verschiedenen Verkaufsstellen im Stadion selbst gibt es viel Lob von den Fans.

Als einen „ganz normalen Vorgang“ bezeichnet Sybille Berr vom „Party-Engel“ die Kündigung durch den Stadionbetreiber. Es sei durchaus üblich, nach drei Jahren einen Catering-Vertrag wieder auszuschreiben, vor allem in einem neu gebauten Stadion. „Deshalb werden wir uns auch wieder bewerben“, betonte sie auf Anfrage. „Wir bewerten die Zusammenarbeit mit unserem Vertragspartner, den RBB, vor allem im Hinblick auf das Tagungsgeschäft sehr positiv: Wir haben durchwegs sehr gutes Feedback der Firmenkunden und Tagungsgäste“, sagt Berr.

„Deshalb werden wir uns auch wieder bewerben.“

Sybille Berr vom „Party-Engel“

Die RBB seien mit ihrer Arbeit „sehr zufrieden“. Grundsätzlich arbeite der Caterer trotz großer Schwankungsbreiten bei den Besucherzahlen von Anfang an daran, ein optimales Gastronomieangebot für die Besucher zu bieten. „Unabhängige Untersuchungen und das Feedback von vielen Firmen bestätigen uns die hervorragende Arbeit. Und diese wollen wir gerne fortsetzen“, betont sie.

War und ist der Caterer vor allem im Stadionrund überfordert, wie Kritiker behaupten? Veranstaltungsprofis wie Peter Kittel kontern derlei „flache Attacken ohne Hintergrundwissen“ mit dem Hinweis auf die enorme logistische Herausforderung gerade in Fußballstadien – und zwar für jeden Versorger. Ein paar Tage vor Heimspielen nicht zu wissen, ob 8000 oder 12 000 Menschen kommen, ob das Wetter und das Spiel den Durst anregen oder eher nicht, das sei „enorm schwierig“ zu handeln, sagt Kittel. „Ich beneide niemanden, der so etwas auch personell stemmen muss.“ Von der Ungewissheit, auf was man sich in der nächsten Saison einstellen müsse, ganz zu schweigen.

Gastronomie-Profi Hermann Goß, Geschäftsführer der Brauerei Bischofshof, die die Arena beliefert und Großsponsor beim Jahn ist, betont, dass der Caterer „bei vielen Gelegenheiten unter Beweis gestellt hat, dass er es kann“. Sein Unternehmen arbeite seit vielen Jahren problemlos mit dem „Party-Engel“ zusammen. Am Dienstagabend war der Brauerei-Boss in Nürnberg live dabei, als der Jahn ein 2:2 beim Club holte. Die Mannschaft hielt problemlos mit dem Club mit; das gilt laut Goß auch für das kulinarische Angebot: „Hinter dem, was dort geboten ist, müssen sich der Regensburger Caterer wirklich nicht verstecken.“

Wie geht es nun weiter? Nach MZ-Informationen wird die deutschlandweite Neuausschreibung zum Stichtag 1. Juli gerade vorbereitet und soll über das Vergabeamt der Stadt laufen. Leicht möglich, dass zur neuen Saison der neue Caterer wieder der alte ist.

Continental-Arena

  • Sportstätte:

    Die Continental-Arena ist seit der Saison 2015/2016 die Heimat des SSV Jahn. 15 224 Fans finden dort Platz. Es gibt 6148 Steh- und 9076 Sitzplätze. Die Stadttochter Regensburger Badebetriebe betreibt das Stadion, das als Regiebetrieb der Stadt Regensburg firmiert. Die Stadt hat das Stadion für insgesamt 52,7 Millionen Euro auch gebaut, der SSV Jahn Regensburg ist dort Mieter.

  • Architektur:

    Die Continental-Arena hat vier frei stehende Tribünen mit einer roten und runden Stadionfassade. Diese Farbe ist Bestandteil sowohl des Vereins- als auch des Stadtwappens.

  • Tagungszentrum:

    Zur Anlage gehört auch das „Communication Center“, das nach RBB-Angaben von Unternehmen aller Größe genutzt wird. Dort stehen zwei große Veranstaltungsräume mit etwa 1000 und circa 300 Quadratmetern zur Verfügung.

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