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Stadion: So viel zahlt der Jahn Miete

Der Aufsichtsratschef wird konkret: In der 3. Liga muss der Klub bis zu 100 000 Euro, in der 2. Liga bis zu einer halben Million pro Saison zahlen.
Von Jürgen Scharf, MZ

Jahn-Aufsichtsratschef Christian Schlegl gibt bekannt, in welchen Rahmen sich die Mietzahlungen des Vereins für das neue Stadion bewegen werden. Foto: Nickl

Regensburg.Was muss der SSV Jahn Regensburg als Mieter im neuen Fußball-Stadion zahlen? Darüber wurde in den vergangenen Monaten viel spekuliert. Nun gibt es erstmals konkrete Zahlen. Jahn-Aufsichtsratschef Christian Schlegl gab diese der MZ am Rande der Mitgliederversammlung des Vereins am Dienstagabend exklusiv bekannt. In Vorverhandlungen von Stadt und Verein seien ligaabhängige Mietkorridore besprochen worden. Demnach werde der Verein in der 3. Liga nur die Betriebskosten plus eine symbolische Miete an die Stadt überweisen – dies wären etwa 80 000 bis 100 000 Euro. In der 2. Liga zahlt der Klub die Betriebskosten und die Zinsrückzahlung. Dies wären maximal bis zu 500 000 Euro. Falls der Verein in der 1. Liga spielen würde, müsste er sich zudem auch an der Darlehensrückzahlung beteiligen.

„Wollen transparent agieren“

Im Frühjahr 2014 soll der Spatenstich für das neue Stadion erfolgen, im Juni 2015 kann es voraussichtlich eröffnet werden. 15 000 Zuschauer finden in der Arena in Oberisling Platz. Etwa 50 Millionen Euro gibt die Kommune insgesamt dafür aus. Die Miete des Vereins wird sich allerdings nur auf die reinen Baukosten des Stadions von etwa 20 Millionen Euro beziehen. Ein ligaabhängiges Stufenmodell war bereits im „Letter of Intent“ zwischen Stadt und Verein, der in der Vorplanungsphase unterzeichnet wurde, beschlossen worden. Nun liegen erstmals konkrete Zahlen auf dem Tisch.

Für Schlegl, der nicht nur Aufsichtsratsboss des Vereins, sondern auch Chef der CSU-Stadtratsfraktion und Oberbürgermeisterkandidat ist, sei es nach eigener Aussage überaus wichtig, hier mit offenen Karten zu spielen: „Wir wollen dem Bürger hier nichts verschweigen, sondern absolut transparent agieren, das will ich auch persönlich so umsetzen“, sagte er im MZ-Gespräch. Er betont, dass sich die Zahlungskorridore noch in die eine oder andere Richtung etwas verschieben könnten, unterm Strich sei dies aber ein Überblick, was der Verein leisten könne bzw. müsse.

Auffällig bei dem Stufenmodell ist, dass der Verein sich erst in der 1. Liga überhaupt an der Darlehenstilgung beteiligen würde. In der 3. Liga müsste die Kommune auch die Zinszahlungen für das Darlehen übernehmen. Wird das Stadion für den Steuerzahler also im Prinzip noch teurer, wenn der Jahn nicht bald aufsteigt?

Karl Eckert, Leiter der Stadtkämmerei, wehrt sich im MZ-Gespräch entschieden gegen diese Rechnung. Bei einer solchen Investition wisse man von Beginn an, dass Zinszahlungen für das Darlehen anfallen: „Entsprechend sind Kreditaufnahmen auch im Wirtschaftsplan und dem dazu gehörigen Finanzplan enthalten.“ Andere Finanzierungsmodelle – etwa den Haushalt so umzuschichten, um das Stadion sofort abzahlen zu können – könnten weitaus unwirtschaftlicher sein: „In der Realität stellt sich diese Frage ohnehin nicht, weil wir dann andere Investitionen zurückstellen müssten.“ Zu den von Schlegl genannten Mietkorridoren will sich Eckert nicht äußern: „Mir sind diese Zahlen nicht bekannt, deswegen kann ich auch nichts dazu sagen.“ Prinzipiell, sagt er, werde die Kommune bei den Mietzahlungen des Vereins einen Satz des Oberbürgermeisters Hans Schaidinger beherzigen: „Der sagte einmal, dass wir den Jahn fordern, aber nicht überfordern werden.“

Sinkt die Miete über die Jahre?

Beim Modell für die 2. Liga könnten die Mietzahlungen des Jahn über die Jahre nach Schlegls Rechnung übrigens sinken. Schließlich bezieht sich der Zins –bei Kommunen setzt man bei Modellrechnungen etwa zwei Prozent an –stets auf den Restbetrag des Darlehens. Wie schnell oder langsam die Stadt dieses abbezahlen werde, sei Eckert zufolge auf so lange Frist nicht exakt vorhersehbar: „Als Kommune müssen wir hier flexibel und je nach Haushaltslage agieren können.“

Übrigens: Für den Fall, dass der Verein aus der 3. Liga absteigen würden, sind laut Schlegl keine Mietkorridore besprochen: „Nein, weil mindestens 3. Liga die Bedingung für den Stadionbau ist. Sowas müsste man im Ernstfall separat verhandeln.“

Johannes Baumeister, Finanz-Geschäftsführer des SSV Jahn Regensburg, wollte die Angaben von Christian Schlegl nicht kommentieren. „Wir haben von seiten der Geschäftsführung mit der Stadt zwar über verschiedene Modelle aber noch nicht über Zahlen gesprochen. Deswegen kann ich dazu derzeit auch nichts sagen.“ Es gebe noch viele offene Fragestellungen, die es vor einer öffentlichen Aussage zu klären gebe: „Letztlich sind das noch ungelegte Eier“, sagt Baumeister.

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