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Sport

Stadion: Vier Millionen Miese

Die Stadt Regensburg rechnet für 2018 mit einem noch größeren Defizit – obwohl der Jahn mehr Miete zahlen muss.
Von Julia Ried

Vor allem abends fällt die Continental Arena den Autofahrern auf der A 3 ins Auge. Die Stadt kommt der Neubau teuer zu stehen. Foto: MZ-Archiv/altrofoto.de
Vor allem abends fällt die Continental Arena den Autofahrern auf der A 3 ins Auge. Die Stadt kommt der Neubau teuer zu stehen. Foto: MZ-Archiv/altrofoto.de

Regensburg.Sportlich läuft es rund in der 2015 eröffneten Continental- Arena: Der SSV Jahn Regensburg stieg zweimal hintereinander auf, die Fans strömen in großer Zahl zu den Heimspielen. Auch das Veranstaltungsgeschäft im „Communication Center“ brummt, heißt es von den Regensburger Badebetrieben (RBB), dem Stadionbetreiber. Trotzdem rechnet die Stadt 2018 mit einem noch größeren Defizit als in ihren bisherigen Wirtschaftsplänen für das Stadion: Der Plan für 2018, den sie am Donnerstag dem Stadtrat vorlegt, geht von einem Fehlbetrag in Höhe von 3,99 Millionen Euro aus, den die Stadt ausgleichen muss.

Insgesamt kalkuliert die Stadt, die das Stadion für 52,7 Millionen Euro gebaut hat und es dem SSV Jahn vermietet, 2018 mit 945 000 Euro Erlösen aus Spieltagen, aus Vermietung, aus dem Veranstaltungsbetrieb, aus Parkplatzbewirtschaftung, Catering und der Vergabe der Namensrechte – und damit mit weniger Einnahmen als 2016, für das der erste Jahresabschluss gut eine Million Euro Erlöse ausweist.

Ausgaben: Fünf Millionen

Dem stehen in der Prognose für 2018 Ausgaben in Höhe von rund fünf Millionen Euro gegenüber. Neben Betriebskosten von 2,5 Millionen Euro plant die Stadt 1,9 Millionen Euro für Abschreibungen ein – diese erfassen die Wertminderung von Gebäude und technischen Anlagen – und 500 000 Euro für Zinsen.

Sandra Strobl, Leiterin der Stadtkämmerei, erläutert dazu: „Der sportliche Erfolg wirkt sich später aus.“ Das variable Nutzungsentgelt, das der Jahn zahlen muss, wenn er in der Zweiten Liga spielt, werde erst in den Haushaltsplan 2019 einfließen. 300 000 Euro extra erwartet die Stadt. Zwar hat der SSV schon nach dem Aufstieg 2017 pro Spieltag dreimal so viel überwiesen wie zuvor in der dritten und vierten Liga, nämlich 15 000 Euro, und tut das auch 2018. Doch im Verhältnis zu den Ausgaben sind die Extra-Einnahmen klein. Unabhängig vom sportlichen Erfolg steht der Stadt eine Erlösbeteiligung von 200 Euro pro vermieteter Loge – es gibt sechs – pro Spieltag zu.

Andere Stadionbetreiber bitten Fußballvereine deutlich stärker zur Kasse, wenn diese nicht ohnehin selbst das Stadion bauen. So plant etwa die Stadt Freiburg gerade eine neue Arena für 76,45 Millionen Euro. 66,45 Millionen Euro soll der Erstligist SC Freiburg beisteuern, zum größten Teil in Form von Pachtzahlungen.

Ein Interview mit Tobias Haupt, Professor am Institut für Fußballmanagement in Ismaning, lesen Sie hier.

Der Tagungsbetrieb brummt

In Regensburg werden die zusätzlichen Zweitliga-Einnahmen „aufgezehrt“, so nennt es Sandra Strobl – durch einen erwarteten Umsatzrückgang im Veranstaltungsgeschäft. Dieses lief nach Meinung der RBB bislang „sehr positiv“. 2017 wurde das „Communication Center“ für mehr als 300 Veranstaltungen von Unternehmen aller Größen gebucht, berichtet RBB-Sprecher Martin Gottschalk: Im Schnitt war es also nahezu täglich belegt. Die kleinste Veranstaltung wurde für fünf Personen ausgerichtet, die größte für 950.

Nun aber geht die Stadttochter im Vergleich zu 2016 und der Prognose für 2017 (225 000 Euro) von einem Rückgang von 25 Prozent bei Erlösen aus Veranstaltungen aus. RBB-Sprecher Gottschalk erklärt: „Das Stadion ist dann zweieinhalb Jahre alt. Vielleicht ist dann die erste Neugier auch schon weg. Es wäre vermessen, noch einmal von einer zusätzlichen Steigerung auszugehen.“ Er findet ohnehin: „Das Defizit entwickelt sich positiv, weil man immer deutlich über Plan ist.“

Konkret ist der Verlust 2017 mit voraussichtlich 3,7 Millionen Euro 200 000 Euro geringer als geplant. Wie sich das Minus mittelfristig entwickeln wird, da wagt auch Strobl keine Prognose. „Das kann ich beim besten Willen nicht sagen.“

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