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Geschichte

Stadt erwirbt kostbare Münzsammlung

Dem Historischen Museum Regensburg gelang mit dem Kauf fast ein Schnäppchen. „Es war eine Gelegenheit, die es vielleicht nur alle hundert Jahre gibt.“
Von Ralf Strasser, MZ

  • Das Historische Museum ist bekannt für seine Münzsammlung von der Römerzeit bis in die Gegenwart. Foto: Historisches Museum Regensburg
  • OB Hans Schaindinger (links) und Dr. Martin Hoernes begutachten die Münzen. Foto: Strasser
  • Das Historische Museum ist bekannt für seine Münzsammlung von der Römerzeit bis in die Gegenwart. Foto: Historisches Museum Regensburg
  • Das Historische Museum ist bekannt für seine Münzsammlung von der Römerzeit bis in die Gegenwart. Foto: Historisches Museum Regensburg
  • Das Historische Museum ist bekannt für seine Münzsammlung von der Römerzeit bis in die Gegenwart. Foto: Historisches Museum Regensburg

Regensburg.Historisches Museum, zweiter Stock, Mittelalter, 16. Jahrhundert. Dort liegen sie. Flankiert von malerischen Kunstwerken: Pfennige, Heller, Kreuzer, Batzen, Taler und Dukaten. Dass sie von einigem Wert sind, sieht man an den beiden Sicherheitsboxen, in denen die 32 prachtvoll geprägten Zeugnisse der Stadtgeschichte Regensburg auf kleinen Sockeln zur Schau gestellt werden.

„Eine geheime Kommandosache“

Das Historische Museum ist bekannt für seine Münzsammlung von der Römerzeit bis in die Gegenwart. Aber es ist vor allem die Sammlung von Regensburger Geprägen des Mittelalters und der Neuzeit, die bei Historikern die Herzen höher schlagen lässt. Jetzt ist es gelungen eine Sammlungslücke zu schließen.

„Wir hatten die große Chance unsere herausragende Münzsammlung zu vervollständigen“, sagte Oberbürgermeister Hans Schaidinger bei der Präsentation der Neuerwerbung aus dem Bestand „Die Münzen des Bistums und der Reichsstadt Regensburg“ von Karl Walter Bach. Darunter Kleinode mit Prunkstücken des wohl bedeutendsten Stempelschneiders seiner Zeit, Johann Leonard Oexlein (1715 bis 1787), der mit Akkuratesse den Dom St. Peter und die Steinerne Brücke auf einem Dukaten mit 21 Gramm reinstem Edelmetall prägte. „Es war buchstäblich eine geheime Kommandosache und ohne die Medien zu informieren“, schmunzelte der Oberbürgermeister.

Jagdfieber auf eine Kostbarkeit

Doch dazu brauchte man Helfer: Einer von ihnen war und ist Dr. Martin Hoernes, der stellvertretende Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder. Hoernes, der vor einigen Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Museum in Regensburg tätig war, erkannte die Verkaufssignale, stellte die Verbindung her, die Stadt reagierte, die Stiftung ersteigerte. „Es war fast wie ein Jagdfieber auf eine Kostbarkeit mit enormem nationalem Wert.

„Eine Gelegenheit, die es vielleicht alle 100 Jahre gibt“, sagte Hoernes und strahlt dabei mit dem Oberbürgermeister und dem Kulturreferenten Klemens Unger um die Wette. Mit gutem Grund, denn der Schatz war ein Schnäppchen. Und nicht nur aus kulturhistorischer Sicht. 270 000 Euro kosteten die 32 Münzen mit den Regensburger Motiven vom Reichswappen bis zu reizvollen Stadtmotiven. „Gut, dass es einen Stuhl gab, auf den ich mich setzen konnte“, sagte Schaidinger in Erinnerung an die Bitte von Klemens Unger, die Summe aus dem Haushalt für die Versteigerung zu genehmigen. In der Tat: „Es war nicht leicht, die Stadt um eine Viertelmillion Euro zu bitten, aber es hat sich gelohnt“, unterstreicht Unger. „Wir haben nun eine bedeutende Sammlung, die fast komplett ist.“ Ob sich noch Lücken ergeben, ist nicht bekannt, da es sich bei den nun ersteigerten Exemplaren bereits um Unikate allergrößter Seltenheit handele. „Das wird schon aus der Tatsache deutlich, dass sie zum Teil im Standartwerk der Regensburger Münzprägung gar nicht vorkommen und erst kürzlich nachgewiesen wurden“, erklärt Unger.

Das, was jahrhundertelang fast achtlos von Hand zu Hand der reichen Kaufleute wanderte, wartet nun auf seine Beachtung. Wann und wie ist noch nicht abzusehen, gab Unger zu. Man brauche ein funktionierendes Sicherheitssystem und einen passenden Rahmen für eine Ausstellung. Beides sei aber in Arbeit. „Sie können ruhig schreiben ‚Einbruch zwecklos’, diktierte Oberbürgermeister in die Notizblöcke der Journalisten, bevor er selbst mit Samthandschuhen die seltenen Stücke inspizierte. „Schönes Gefühl historisches Edelmetall im Gegenwert eines Kleinwagens in der Hand zu halten.“ Und es ist eine Zeitreise in Epoche, als Regensburg den Immerwährenden Reichstag beherbergte und das Münzrecht mit stolzem Selbstbewusstsein verband.

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