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Streit

Stadt hat doch 10 000 für Bild bezahlt

Der Regensburger Referent Unger behauptete stets, ein Spender habe die Gesamtsumme für Wittmann-Werk im Sitzungssaal übernommen. Es bleiben Fragen.
Von Marion Koller, MZ

Wie viel das Wittmann-Werk an der Stirnwand des Sitzungssaals insgesamt gekostet hat, verrät die Stadt nicht. Einige Stadträte ärgert die fehlende Transparenz. Archivfoto: Lex

Regensburg. Den Sitzungssaal des Stadtrats im Neuen Rathaus schmückt seit rund vier Jahren das Triptychon „Rotunde“ des Regensburger Künstlers Peter Wittmann. Mit dem dreiteiligen Werk, das halbabstrakte Blüten mit herunterrinnenden Farben zeigt, konnte sich ein Teil der Kommunalpolitiker nie anfreunden. Den einen gefällt es nicht, die anderen wollten, dass wieder der Spiegel aufgehängt wird, in dem die Zuhörer das Plenum sahen. Das lehnte jedoch der Ältestenrat ab.

Margot Neuner (SPD) und der Grüne Jürgen Huber, heute Bürgermeister, fragten mehrmals nach, wer es ausgesucht und bezahlt hat und wie hoch der Preis gewesen ist. Kulturreferent Klemens Unger teilte lediglich mit, ein Sponsor, der geheim bleiben will, habe es der Stadt geschenkt. Offenbar kannten während der Ära Schaidinger nur Unger und der damalige OB die Einzelheiten. Doch der frühere Galerist Peter Bäumler plauderte im Bekanntenkreis aus, die Stadt habe für das Werk tief in die Tasche gegriffen.

Auf hartnäckiges Nachfragen der MZ teilte nun OB Joachim Wolbergs mit, die Kommune habe einen Anteil von 10.000 Euro bezahlt. Stadtpressesprecherin Juliane von Roenne-Styra ergänzte schriftlich: Der Ankauf des Gemäldes sei nicht allein durch Spenden finanziert worden. Das müsse richtiggestellt werden. Unger hatte sich also nicht korrekt geäußert.

Den Spender nennt im Übrigen auch OB Wolbergs nicht. Mit diesem sei vereinbart worden, dass weder sein Name noch die Summe öffentlich genannt werde. Solche Vereinbarungen seien nichts Ungewöhnliches und die Stadt akzeptiere den Wunsch, schreibt von Roenne-Styra. Neben den 10.000 Euro musste die Stadt 14.600 Euro für die Abmontage des Spiegels aufbringen, der früher im Sitzungssaal hing, und für die Aufhängung der „Rotunde“. Das macht immerhin 24.600 Euro, die der Steuerzahler begleicht.

Eins lässt sich Juliane von Roenne-Styra noch entlocken: Der unbekannte Spender hat einen höheren Betrag als 10.000 Euro bezahlt. Wie Künstler Peter Wittmann selbst der MZ im September sagte, sei der Galeriepreis für die aus drei Bildern bestehende Rotunde bei 54.000 Euro gelegen. Der Maler und sein früherer Stamm-Galerist Peter Bäumler schweigen über die wirklich bezahlte Summe. Klar ist: Für Einzelbilder in der Größe 1,60 mal 1,40 verlangt – und erzielt – Wittmann 16.000 bis 18.000 Euro. Die Rotunde setzt sich aus drei solcher Werke zusammen. „Er ist der Beste in der Region“, sagt Peter Bäumler über den 63-Jährigen.

Bürgermeister Jürgen Huber, selbst ein Künstler, schätzt Wittmann ebenfalls, kritisiert aber die mangelnde Transparenz. „Wenn es 50.000 oder 60.000 Euro gewesen wären, müsste man der Frage nachgehen, welche Interessen ein Sponsor verfolgt, der der Stadt so viel Geld schenkt.“ Auch könne es sein, dass das Werk völlig überteuert angeboten worden sei. Dann rudert Huber zurück: Er vermute „keinen großen Skandal“ hinter der Bilderspende. Margot Neuner merkt an: „Uns ärgert diese Undurchsichtigkeit.“

Referent Unger äußert sich am Dienstag nochmals gegenüber der MZ und betont jetzt – trotz der gegenteiligen Richtigstellung der Pressesprecherin wenige Tage zuvor – er habe im Kulturausschuss stets gesagt, dass die Stadt einen Anteil bezahlt habe.

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