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Stadt kündigt dem TSV Oberisling

Im Herbst soll der A-Klassenverein für das neue Stadion das Feld räumen. Das bringt ihn in Bedrängnis. Fieberhaft wird nach einer Interimslösung gesucht.
Von Thomas Rieke, MZ

  • Blick über das Areal, auf dem die neuen Fußballplätze des TSV angelegt werden. Bis Ende November sollen die Arbeiten erledigt sein. Foto: Rieke
  • TSV-Boss Jürgen Eberwein mit einem Plan, der die Lage der neuen Sportanlagen zeigt. Foto: Rieke

Oberisling.Langsam wird’s eng: Weil die Stadt noch heuer auf den Islinger Fluren mit den „vorbereitenden Maßnahmen“ für die Fußball-Arena beginnen möchte, soll der TSV bereits im Herbst das Feld räumen. Dieser Tage flatterte Vorsitzendem Jürgen Eberwein die Kündigung auf den Tisch.

Das bringt den A-Klassenverein in die Bredouille. Zwar wurden mittlerweile die Arbeiten für das Ersatzgelände an der Lieperkingstraße vergeben, doch bespielbar werden die neuen Plätze frühestens Mitte 2013 sein. Hinter den Kulissen wird deshalb fieberhaft nach einer Interimslösung gesucht. Wie diese aussieht, sprich bei welchem Nachbarverein die Islinger befristet unterschlüpfen könnten, ist völlig offen.

Das Ende des Booms?

In den letzten zwei Jahren freute sich der TSV über einen Mitgliederzuwachs von sagenhaften dreißig Prozent. Dass dieser positive Trend durch die sich zuspitzende Lage gestoppt werden oder gar zu einem Einbruch führen könnte, glaubt Eberwein nicht.

Der Optimismus des TSV-Bosses wurde in den letzten Monaten mehrfach auf die Probe gestellt. Einerseits hatte die Stadt für den Umzug größtmögliche Unterstützung zugesagt und Ersatzflächen in unmittelbarer Nachbarschaft zu den TSV-Tennisplätzen organisiert. Andererseits musste Eberwein immer wieder umplanen, die Kosten neu berechnen – und um Zuschüsse des BLSV zittern.

Zwischenzeitlich hatte der Sportverband sogar grundsätzliche Zweifel angemeldet, ob er das Projekt mitfinanzieren dürfe; denn der Umzug werde ja ausschließlich durch das Bauvorhaben der Stadt erforderlich. Diese Bedenken konnten ausgeräumt werden. Doch weil für die Tiefbaumaßnahmen auf dem neuen Vereinsgelände ein städtischer Architekt eingesetzt wird, sah sich der Verband gezwungen, in diesem Bereich die Fördermittel immerhin um acht Prozent zu kürzen.

Auch diese Lücke hat Eberwein geschlossen, wie ihn das Projekt überhaupt zum Meister der Improvisation werden ließ. Seine persönliche Zwischenbilanz fällt allerdings durchwachsen aus: Der Aufwand, der mit dem Vorhaben verbunden ist, sei „deutlich größer als ich mir das vorstellen konnte“. Immer wieder seien bürokratische Hürden aufgetaucht, mit denen nicht zu rechnen gewesen sei. Unterm Strich wird in das neue Sportgelände des TSV rund eine Million Euro investiert. Der BLSV steuert knapp dreißig Prozent bei. Die Stadt stockt ihren Pflichtanteil von ebenfalls dreißig Prozent um einen Sonderzuschuss auf, denn wegen der „ungünstige Topographie“ (Hanglage) sind umfangreichere Erdbewegungen erforderlich als üblich. Hinzu kommt die Ablöse für die Anlagen auf dem alten Gelände, die laut Eberwein aber „eher bescheiden“ ausgefallen sei. Für Neid gebe es jedenfalls keinen Anlass, versichert der Vorsitzende.

Keine spektakulären Befunde

Die Arbeiten für den Tiefbau und die Fußballfelder sind vergeben, die Firmen stehen Gewehr bei Fuß. Doch noch haben die Archäologen das Sagen. Um sich ein Bild zu verschaffen, wurde der Oberboden großflächig abgetragen. Für Mittwoch hat Dr. Lutz-Michael Dallmeier das Ende der Sondage angekündigt. Vor Ort werde nun entschieden, wie es weiter gehen soll. Es gibt Spuren von Abfallgruben und Pfählen, die auf ein vorgeschichtliches Anwesen hindeuten. Nun geht es darum auszugraben, zu vermessen, auf Pläne zu übertragen, zu dokumentieren. Nach derzeitigem Stand rechnet der Denkmalpfleger mit keinen Sensationen. Auf eine Prognose, wann der Job erledigt sei, möchte sich Dallmeier aber nicht einlassen. Jeden Tag sei eine Überraschung möglich. Dies dürfte die Sorgenfalten Eberweins nicht kleiner werden lassen, rechnet er doch fest damit, dass in spätestens zwei Wochen „seine“ Bagger anrollen dürfen.

Ein Kapitel für sich ist das Sportheim. Es soll in Kürze ausgeschrieben werden. Auch hier wurde planerisch laufend nachgebessert und das Konzept beispielsweise um einen Gruppenraum ergänzt. Um Zeit und Kosten zu sparen und bei Nicht-Verlängerung des Pachtvertrags in 30 Jahren den Rückbau zu erleichtern, haben sich die Verantwortlichen für eine Modulbauweise entschieden.

Trotz aller Finanzspritzen hat der TSV eine stolze Summe selbst zu tragen. Auch der Zuschuss des BLSV muss durch einen Kredit zwischenfinanziert werden, weil das staatliche Geld frühestens in drei Jahren fließt. Glücklicherweise hat der Verein längst begonnen, verstärkt Rücklagen zu bilden. Außerdem geht Eberwein davon aus, dass sich während der Bauausführung Einsparmöglichkeiten ergeben, und sei es durch Eigenleistungen.

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