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Sicherheit

Stadt verteidigt den „Flop im Salzstadel“

Rund 240 000 Euro hat die Flucht-Treppe im Regensburger Welterbezentrum gekostet. Keine Verschwendung in den Augen der Stadtverwaltung.
Von Gertrud Baumgartl, MZ

Eine zusätzliche Flucht-Treppe hat 240 000 Euro gekostet. Eine lohnende Investition, findet die Stadt. Foto: Lex

Regensburg.„Flop“ und „Schildbürgerstreich“ kritisierte es die MZ in den vergangenen Woche: Da war bekannt geworden, dass der Zugang zu städtischen Prunkstücken wie Leerer Beutel und Salzstadel mit seinem Welterbezentrum plötzlich limitiert wird. Nur vorübergehend im Leeren Beutel, wo OB Wolbergs für rasche Abhilfe sorgen will, dauerhaft jedoch im Welterbezentrum. Mehr als 200 Personen dürfen da nicht über die Schwelle.

Was dabei besonders für Verwunderung sorgte: An der jahrelangen Praxis, keine Köpfe zu zählen, hatte keiner je Anstoß genommen. Außerdem hatte die Regensburg Touristik GmbH als Betreiberin des Salzstadels vor vier Jahren eine zusätzliche Flucht-Treppe einbauen lassen, um den Auflagen zu entsprechen.

Holzbalken war im Weg

Wie teuer das war, teilte nun die städtische Pressestelle nach Tagen mit. Der Einbau hatte inklusive Planung aller Arbeiten vom Schlosser bis zum Elektriker 240 000 Euro verschlungen. Keine Verschwendung in den Augen der Stadtverwaltung, ganz im Gegenteil: „Diese Treppe hat es ermöglich, dass der Salzstadel auch für Veranstaltungen genutzt werden kann – jedoch nur für maximal 200 Personen. Eine weitergehende Nutzung des Salzstadels als Versammlungsstätte (also für mehr als 200 Personen) war und ist nicht möglich, da das ganze Gebäude den Auflagen der Versammlungsstättenverordnung grundsätzlich nicht entspricht, unabhängig von der Treppenbreite.“ Die Lage und Treppenbreite resultiere im Übrigen aus der Lage der historischen Holzbalken, die nicht entfernt oder verlegt werden durften und aus den entsprechenden Auflagen der Denkmalpflege.

„Besondere Leistung“

Was für Außenstehende wie ein Flop wirkt, sei in Wirklichkeit der ganz große Wurf, fasste jetzt Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra die Stellungnahmen aller beteiligten Amtsleiter zusammen: „Diese Treppe in ein denkmalgeschütztes Haus wie den Salzstadel zu bringen, war eine besondere planerische und bauliche Leistung! Ohne diese Treppe wäre der Salzstadel immer „nur“ Ausstellungsraum geblieben. Das wäre schade, dann in dem wunderschönen Dachstuhl lässt es sich gut tagen. Selbstverständlich muss man bei der Vermietung beachten, wie viele Veranstaltungen parallel laufen, um die Personenanzahl von 200 aus Sicherheitsgründen nicht zu überschreiten.“ Überhaupt habe die Stadt bei der Sanierung der denkmalgeschützten Gebäude ursprünglich nur beabsichtigt, die Räumlichkeiten für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und zwar bei Ausstellungen. Erst später sei man auf die Idee gekommen, hierher auch Veranstaltungen zu holen. Seit 2009 versuche man, die Gebäude dementsprechend Schritt für Schritt umzubauen. Dabei sei der Raum im Leeren Beutel die einzige Räumlichkeit, die schon von der Bausubstanz her über zwei getrennte Ausgänge verfügt. Auch er sei ursprünglich nur als Ausstellungsraum für 233 Personen genehmigt worden. Mit speziellen Auflagen , zum Beispiel einer Brandwache, wurden jedoch in der Vergangenheit Veranstaltungen mit mehr als 200 Personen genehmigt. Davon unberührt sei die Gastronomie: Wenn der Veranstaltungsraum voll ist, werde sich das nicht aufs Restaurant auswirken.

Leerer Beutel kann dauern

Weil sich die Regensburg Touristik GmbH als Betreiberin des Saals nun nicht mehr mit Ausnahme-Genehmigungen zufrieden geben will, sei heuer im Frühjahr in Abstimmung aller Ämter unter Auflagen eine dauerhafte Genehmigung erteilt worden. Das bedeutet, wenn alle Auflagen erfüllt sind, dürfen bis zu 400 Besucher in den Mehrzwecksaal im Erdgeschoss.

Damit kann es aber laut städtischer Pressestelle noch dauern: Neben den Arbeiten, die schnell erledigt sind, wie den Umbau der Fluchttüren, die bis jetzt nach Innen aufgehen, dem Einbau eines Schallschutzes an den Fenstern und einer Sicherheitsbeleuchtung, gibt es eine Maßnahme, die mehr Zeit beansprucht: Eingebaut werden muss eine neue Lüftungsanlage, die aber viel Platz braucht. Der wird aber erst dann frei, wenn das zentrale Museumsdepot fertig gestellt ist. Bisher dienen Räume unter dem Dach zum Beispiel dem Historischen Museum als Depot.

Lärmproblem Dollingersaal?

Geplante Umbauten in den anderen historischen Sälen wie Dollinger-Saal und Thon-Dittmer-Palais stehen noch am Anfang, heißt es bei der Pressestelle: So läuft gerade ein Genehmigungsverfahren zur Nutzungsänderung für den Dollingersaal. Da die Nachbarn Bedenken wegen des Lärms erhoben hätten, sei jetzt ein Schallschutzgutachten in Auftrag gegeben worden.

Auch dieser Saal soll laut Verwaltung höchstens 200 Personen fassen. Weniger als 200 sollen es im Thon-Dittmer-Palais sein, noch einer künftigen Baustelle der RTG. So wenigstens besage es der Entwurf eines Brandschutzgutachtens für die Bereiche „Auditorium und Konferenz“. Man prüfe nun auf Wunsch der RTG, ob auch eine Nutzung mit mehr Personen möglich ist. An dem Bauantrag werde noch gearbeitet, so Juliane von Roenne-Styra.

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