MyMz
Anzeige

Gericht

Statt Muskeln wuchsen Körperhaare

Ein schönheitsbewusster Regensburger bestellte im Internet enorme Mengen verbotener Doping-Substanzen. Er wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
Von Marion von Boeselager, MZ

Vor dem Regensburger Amtsgericht ging es gestern um verbotenes Doping.Foto: dpa

Regensburger. Der Maschinenbediener Hanno K. (41, Name geändert) träumte davon, so stark, gut aussehend und muskulös zu werden wie Arnold Schwarzenegger & Co. „Ich wollte kräftiger sein und einfach besser aussehen“, bekannte der verheiratete Vater von zwei Töchtern am Mittwoch vor dem Amtsgericht.

Deshalb trainierte er fleißig bei sich zu Hause. Doch der Erfolg seiner schweißtreibenden Bemühungen genügte den Ansprüchen des schönheitsbewussten Regensburgers nicht. Da bestellte er sich im Internet verbotene Testosteron-Substanzen und orderte gleich Vorräte für ein ganzes Jahr.

Am Mittwoch musste er sich deshalb wegen unerlaubten Besitzes von Arzneimitteln zu Dopingzwecken im Sport in nicht geringer Menge vor dem Amtsgericht verantworten.

„Das war schon ein Haufen Zeug“, stellte Richterin Braun nach dem Geständnis des Angeklagten fest. „Wenn ich das lese, denke ich eher an einen Ochsen.“

Die Staatsanwaltschaft war sogar davon ausgegangen, dass die Substanzen für mehrerer Abnehmer bestimmt waren, doch Hanno K. versicherte: „Das war alles für mich.“ Fast täglich habe er sich das Testosteron gespritzt. „Es hat aber nicht so gewirkt, wie es sollte“, bekannte der 41-Jährige. Zwar seien die Muskeln angeschwollen und die Körpermasse von 80 auf 120 Kilo angewachsen. Doch anstatt stärker zu werden, schwanden die Kräfte des Maschinenbedieners dahin. „Ich bekam Haare am ganzen Körper, Akne, Herzstechen und Unwohlsein.“ Wegen der gravierenden Nebenwirkungen setzte er die Präparate schließlich ab. „Den Rest hab ich weggeworfen.“ Daher fand die Polizei bei der Durchsuchung seiner Wohnung 2012 auch keine Dopingmittel mehr.

„Bei Langzeiteinnahme kann es auch zu Nebenwirkungen kommen, die Männer nicht wollen“, informierte die Richterin. „Erst geht die Post ab durch das Testosteron. Dann geht gar nichts mehr.“

Die eigens aus München angereiste Staatsanwältin stellte fest, hier sei die nicht geringe Menge verbotener Substanzen „um ein Vielfaches überschritten worden. Es gibt in den letzten Jahren kaum vergleichbare Fälle.“

Ihr Antrag: Ein Jahr und sieben Monate auf Bewährung für den bisher unbescholtenen Mann. Sein Verteidiger Bernhard Schaffer beantragte eine Bewährungsstrafe unter eineinhalb Jahren.

Richterin Braun blieb mit ihrem Urteil zu einem Jahr und vier Monaten mit Bewährung noch unter dem Antrag der Verteidigung. Außerdem muss Hanno K. 500 Euro an Kontakt e.V. zahlen.

„Sie haben selbst gesehen, dass die Mittel Ihnen nicht guttun und mit dem Zeug aufgehört“, stellte sie zu seinen Gunsten fest. „Und Sie haben niemand anderen als sich selbst gefährdet mit den Stoffen.“

Oft werde der illegalen Ware aus Osteuropa schädliche Beimengungen untergemischt. „Damit kann man sich wirklich zugrunde richten.“

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht