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Statt Seide: Das erste Hamam der Stadt

Die Regensburger dürfen sich freuen: Die Seidenplantage steht kommenden Sommer als Wohlfühl-Tempel wieder auf. Schon mal das Handtuch bereitlegen…
Von Helmut Wanner, MZ

  • Peter Schober auf der mit Marmor belegten 200 Quadratmeter-Terrasse: Er hat aus der Seidenplantage seines Großvaters ein Schmuckstück gemacht.Foto: altrofoto.de
  • Der erste Hamam der Stadt hat diesen römischen Pool, beleuchtet von Sternen von Swarovski.Foto: altrofoto.de

Regensburg.Im Oktober kam das Buch zum Haus. Als der Pustetverlag „Bayerische Seide – Ein schöner Traum“ in der Seidenplantage vorstellte, das neueste Werk von Theodor Häußler, da wusste man nicht, kamen die vielen Gäste wegen des Buches oder wegen des Hauses. 80 Leute, darunter der Alt-Oberbürgermeister Schaidinger, saßen auf massiven Marmorbänken rund um den muschelförmigen Pool und guckten sich die Augen aus dem Kopf, natürlich mit Anstand.

Die ehemalige Magnanerie, die bei den Leuten heute für die ganze Seidenplantage steht, ist ja eigentlich bloß ein Betriebsgebäude. Sie krönte 1839 die Plantage aus 20 000 weißen Maulbeerbäumen. Ihre Decken waren über sieben Meter hoch. Diese Höhe brauchte man, um die Seidenfäden spannen zu können. Die Produktion von Seide an der Donau blieb im damals eher kälteren Regensburg ein schöner Traum. Das Seidenzentrum auf den Winzerer Höhen wurde abgewickelt, das Gelände aufgeforstet. Das Bergschloss blieb. Es erlebte eine wechselvolle Geschichte.

Der erste Kuss, die erste Liebe

Die Seidenplantage lässt keinen kalt. Lange bedauerten die Regensburger ihren Verfall. Jetzt blicken Karawanen von Zaungästen jedes Wochenende sehnsüchtig durch die Eisenstäbe. Glorias Schloss St. Emmeram hat nicht soviel Gschau. Denn hier oben haben die Zaungäste selber Geschichte geschrieben. Beim Tanz im Handerer, „auf der Seidenplantasch“, küssten sie das erste Mädchen. Hinterm Haus rutschten sie den Buckel runter. Zum Schlittenfahren ging Alt-Regensburg „auf den Schober“.

Ja, die Besitzer der Seidenplantage haben auch dem Berg ihren Namen gegeben. Peter Schober steht an der Balustrade also mit Recht wie ein englischer Landlord. Er selber sieht sich eher „als Hausl“. Die herbstlich gefärbten Bäume schneiden das schönste Stück Regensburg aus und bieten Schober einen Schmankerlblick auf die Stadt. Die Seidenplantage ist für ihn ein emotionaler Ort. Nicht, weil er mit 18 Jahren hier einmal selber neben dem Tanzboden stand: „Als schüchterner Dorfbub vom Ziegetsberg“, wie er sagt, „habe ich keine weiteren Erinnerungen.“

Der Grund ist: Die Seidenplantage ist großväterliches Erbe. Johann Baptist Schober, Verleger der „Regensburger Allgemeine“ (1840 bis 1934), einer Tageszeitung, die am Weißgerbergraben 13 geschrieben und gedruckt wurde, hatte das Gebäude 1881 erworben. Hier wuchs Peter Schobers Vater, der Verleger Heinrich Schober mit fünf Geschwistern auf. Als der Erbfall eintrat, wollten die Geschwister Geld sehen. Handerer legte es hin und machte aus der Seidenplantage in den 50er-Jahren das weitum bekannte Tanzcafé.

Seidenplantage um 8,50 Meter tiefergelegt

„Wäre schön, wenn wir die noch hätten“, sagte sich Peter Schober immer wieder. Eigentlich hatte er nach dem „Rosenpalais“ erst einmal genug von Denkmalschutz-Objekten. Als ihm aber vor 14 Jahren die Seidenplantage angeboten wurde, griff er zu und brachte den Kauf der halben Ruine samt 5500 Quadratmeter Umgriff innerhalb einer Woche unter Dach und Fach. Jetzt ist der Chef der Ing.-Gesellschaft für Projektentwicklung und Vermarktung mit seiner ITEC in ein Nebengebäude auf den Berg gezogen und lebt auch da. Bis auf die Außenmauern der Magnanerie ist alles neu. Schober hat sehr viel Geld und Hirnschmalz investiert. Das Aufwändigste war die nachträgliche Unterkellerung für Wellnessbereich und Behandlungsräume. Im Jet-Grounding-Verfahren wurde das Schloss auf dem Schoberberg 8.50 Meter „tiefergelegt“.

Die Seidenplantage hatte schon immer etwas Tempelartiges. Diese römische Seele hat Peter Schober herausgearbeitet. Von den Winzerer Höhen strahlt die Fassade in pompejanischem Rot. In der Einfahrt liegt rosa Marmor-Kies aus Verona. Balustraden aus Sandstein umsäumen die 200 Quadratmeter-Terrasse. Wo einst halb Regensburg Kaffee trank, den Ausblick genoss und das Tanzbein schwang, stehen Palmenkübel und private Loungemöbel aus der zweiten Schoberschen Gartensaison. Hier wacht jetz „Fee“, der Haushund. Ein Gockel schreit.

Himmel mit Swarowski-Kristallen

Der Tempel hat könnte dem Janus geweiht sein - denn er ist privat und öffentlich zugleich. Zum Privaten hat man Zutritt über Finger-Code. Zum Öffentlichen bald über Bargeld. Im exklusiven Wellnessbereich wird ein Himmel aus Swarovski-Kristallen über einem römischen Mosaikbecken aufgehen. Die Sterne leuchten spätestens ab Sommer 2015 für alle, die sich den schönsten Spa der Stadt leisten wollen. Er wird Regensburgs erstes Hamam bieten. Am Mosaikboden des Pools räkelt sich ein Oktopus aus Bisazza-Steinchen. Erika Schober will bis dann ihre Physiotherapie-Praxis hierher verlegt haben. Schober hat seinen Frauen ein Traumschloss gebaut.

Wie viel Liebe da drinsteckt, merkt man am Detail. In die Sandsteinfassade hat Peter Schober kleine Drachen versteckt. Irgendwo verewigte der Steinmetz dazu einen Mädchennamen, Yvonne. „Meine Tochter hatte eine Zeit, wo sie nur Drachen zeichnete. So ein Drache wurde der Entwurf für die Steinmetze. Ich find dies sehr schön. Darüber wird sie sich freuen, wenn sie 80 ist“, sagt der 73-jährige Vater von drei. Dann, in 63 Jahren.

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