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Bildung

Sterben und Tod im Unterricht

Die St.-Wolfgang-Mittelschule arbeitet jetzt mit dem Hospiz-Verein zusammen. Die Lehrer werden Konzepte entwickeln.
Von Gabi Hueber-Lutz

Manfred Beer, Vorsitzender des Hospiz-Vereins, und Rektorin Monika Schwarzfischer unterschreiben die Kooperationsvereinbarung. Foto: Hueber-Lutz
Manfred Beer, Vorsitzender des Hospiz-Vereins, und Rektorin Monika Schwarzfischer unterschreiben die Kooperationsvereinbarung. Foto: Hueber-Lutz

Regensburg.Sterben, Tod und Trauer sind Themen, die im Lehrplan von Schulen vorkommen. Im alltäglichen Leben ist die Scheu vor einer intensiven Auseinandersetzung damit aber üblicherweise groß. Die St.-Wolfgang-Mittelschule ist die erste Schule in Regensburg und dem Landkreis, die nun eine Kooperationsvereinbarung mit dem Hospiz-Verein hat. Am Mittwoch unterzeichneten Rektorin Monika Schwarzfischer und Manfred Beer, der Vorsitzende des Hospiz-Vereins Regensburg, die entsprechende Vereinbarung.

Den passenden Rahmen für die Unterzeichnung bot eine Feier, bei der Schülerinnen und Schüler ausgezeichnet wurden, die sich für die Schulgemeinschaft besonders eingesetzt haben, zum Beispiel als Streitschlichter oder Schülerlotsen. „Hospiz macht Schule“ heißt das Projekt, mit dem der Verein versuchen will, mit jungen Leuten ins Gespräch zu kommen. Der Gemeinschaft ist es ein Anliegen, die Hospizidee in die Gesellschaft zu tragen. Die Themen Abschied, Sterben, Tod und Trauer sollen deshalb auch den Jugendlichen nahe gebracht werden. In den Fächern Religionslehre beziehungsweise Ethik beschäftigen sich Schüler im Rahmen des Lehrplans mit diesen Themen. Ihre Lehrkräfte entwickeln dazu die passenden Unterrichtskonzepte.

Einblicke geben

Hospizbegleiter ergänzen diesen Unterricht mit ihren persönlichen Erfahrungen, die sie bei der Begleitung von schwerstkranken und sterbenden Menschen machen. Auf Wunsch bietet der Verein auch eine Führung durch das Johannes-Hospiz in Pentling an. Offiziell sind die St.-Wolfgang-Mittelschule und der Verein nun per Unterschrift Partner. Sie kennen sich aber natürlich schon länger.

Zum einen durch die Besuche von Hospiz-Mitarbeitern im Unterricht, zum anderen durch die Basare, die die Schule in den letzten drei Jahren zur Weihnachtszeit veranstaltet hat. Alljährlich schaffen die Schüler viele kleinere Sachpreise und verkaufen sie in der Adventszeit in der Regensburger Fußgängerzone. Das macht nicht nur jede Menge Arbeit. Es braucht auch einiges an Überwindung, denn beim Verkauf müssen mögliche Kunden aktiv angesprochen werden, erzählte Rektorin Schwarzfischer.

1400 Euro kamen im letzten Jahr bei diesem Basar für den Hospiz-Verein zusammen. „Das ist schon herausragend“, sagte Manfred Beer. Das Tolle an der Aktion sei, dass fast die ganze Schule mitmache und dass der seelsogerische Gedanke auch an diejenigen herangetragen werde, die von den jungen Leuten beim Verkauf mit diesem Thema konfrontiert werden.

Die Entscheidung für die Kooperationsvereinbarung lag auf der Seite der Schule beim Schulforum, wie Rektorin Schwarzfischer berichtete. Bei der Unterzeichnung sahen den beiden Hauptakteuren deshalb auch Hülya Lübkemann als Vorsitzende des Elternbeirats sowie Mustafa Orak und Merve Kula als Schülervertreter über die Schulter. Mit dabei war auch Karl-Heinz Neumann, der als Hospizbegleiter an der Schule seine Arbeit darstellt.

Hauptamtliche Koordinatorin

Das Interesse an Besuchen von Hospizbegleitern im Schulunterricht ist generell sehr hoch. Mit dem Projekt „Hospiz macht Schule“ ist auch Katrin Dehner beschäftigt. Die hauptamtliche Koordinatorin des ambulanten Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienstes war auch zur Unterzeichnung in die St.-Wolfgang-Mittelschule gekommen. Nicht nur für Jugendliche, auch für Kinder im Grundschulalter sind Tod und Sterben teilweise schon große Themen, weiß sie. Die Arbeit mit Kindern der dritten und vierten Klasse ist ein neuer Bereich, den der Verein betreten hat.

Erstmals im Raum Regensburg war Katrin Dehner in diesem Jahr damit an der Grundschule Brennberg. Eine ganze Schulwoche war für das Thema Sterben, Tod und Trauer reserviert. „Die Kinder waren sehr bewegt“, erzählte sie unserer Zeitung. Tatsächlich gebe es kaum ein Kind im Grundschulalter, das nicht in irgendeiner Form bereits mit Tod und Trauer konfrontiert worden ist.

Hospizbegleiter

  • Ehrenamtliche:

    Über 70 Hospizbegleiter hat der Verein. Viele von ihnen haben entsprechende Schulungen für die Arbeit mit jungen Leuten absolviert.

  • Jugendliche:

    An 22 weiterführenden Schulen thematisierte er letztes Jahr Sterben, Tod und Trauer.

  • Kinder:

    Das Konzept für die Arbeit an Grundschulen stammt von der Bundes-Hospiz-Akademie. (lhl)

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