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Strauß tobte über diese Schlagzeile

Die Regensburger WOCHE war die erste Zeitung, die über eine mögliche Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf berichtete.

Landesvater Strauß hatte bei den WAA-Plänen nicht mit dem hartnäckigen Widerstand der Oberpfälzer gerechnet.
Landesvater Strauß hatte bei den WAA-Plänen nicht mit dem hartnäckigen Widerstand der Oberpfälzer gerechnet. Foto: MZ-Archiv

Wackersdorf.Die Schlagzeile war eine Bombe, quasi eine Atom-Bombe. „Gorleben bei Regensburg?“, titelte die WOCHE im Dezember 1980. Und sie sagte auch gleich, was Sache ist: „Gemeint ist der Plan, im Raum Schwandorf-Wackersdorf eine Wiederaufbereitungsanlage für abgebrannte Brennstäbe zu erstellen. Das Projekt hat eine Größenordnung von 7 bis 10 Milliarden Mark.“

Stilles Mäuschen gespielt

Ein Redakteur der WOCHE, so wurde später kolportiert, hatte eine geheime Sitzung der Oberpfälzer Politikspitzen heimlich belauscht und war so an die brisanten Informationen gekommen. Das Thema „WAA in der Oberpfalz“ war aus der Tube, auch wenn es vorher unter höchster Geheimhaltungsstufe stand – und es ließ sich nicht mehr zurückdrücken, auch wenn die Nachricht niemand bestätigen wollte. „Im zuständigen bayerischen Umweltministerium von Staatsminister Dick und Staatssekretär Dr. Max Fischer sind nur Dementis zu erhalten.“

Die Informationen der WOCHE waren aber wasserdicht: „Trotzdem ist durchgesickert, dass die Vorbereitungen schon konkrete Formen angenommen haben, zumal in dem angesprochenen Gebiet Wissenschaftler schon dabei sein sollen, unter dem Vorwand geologische Messungen vorzunehmen, entsprechende Bodenuntersuchungen voranzutreiben.“ Woher die WOCHE diese brisanten Informationen hatte, verschwieg sie den Lesern.

Historische Bilder: In den 80ern zeigten die Oberpfälzer, dass sie nicht jede Entscheidung der Staatsregierung akzeptieren. Die MZ zeigt lange verschollene Bilder vom WAA-Kampf.

Die industriegewohnten Oberpfälzer

Diese Schlagzeile am 11. Dezember 1989 schlug ein wie eine Bombe.
Diese Schlagzeile am 11. Dezember 1989 schlug ein wie eine Bombe.

Doch es gab bereits Anzeichen, die die Nachricht auch so untermauerten. Wenige Tage zuvor hatte Franz-Josef Strauß eine Regierungserklärung abgegeben. Wörtlich sagte er: „Die Staatsregierung erklärt jedoch auf der Grundlage des Beschlusses der Regierungschefs von Bund und Ländern vom 28.9.1979 ihre Bereitschaft, zu prüfen, ob ein geeigneter Standort für eine Wiederaufbereitungsanlage in Bayern vorhanden ist.“

Wie später bekannt wurde, hatte der „Große Vorsitzende“ schon viel konkretere Zusagen gemacht. Wie der „Spiegel“ erfuhr, versprach er den Anlagebetreibern stabile politische Verhältnisse sowie Akzeptanz für das Projekt auf Seiten einer „industriegewohnten Bevölkerung“. Die Standortentscheidung für das stille Kiefernwäldchen in der Oberpfalz würde eine „rasche und ungestörte Realisierung des Projekts“ garantieren.

Zwar ließ die Staatsregierung pro forma noch an anderen Standorten bohren, doch die Entscheidung für Wackersdorf war längst gefallen. Zu verführerisch schien die politische Gemengelage. Durch das Ende des Braunkohletagebaus in der Gegend war die Arbeitslosigkeit rasant gestiegen. Da schien das Versprechen von 1000 bis 1500 hochqualifizierten Arbeitsplätzen für Akzeptanz zu sorgen.

Als die WOCHE mit dem Titel über die WAA erschien, soll der Wutausbruch von Franz-Josef Strauß die Staatskanzlei zum Beben gebracht haben. Doch ein paar Jahre später bebte die ganze Oberpfalz durch den Wutausbruch der Bevölkerung. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der Baustoop für die geplante Wiederaufbereitungsanlage (WAA) in Wackersdorf jährte sich 2014 zum 25. Mal. In unserer Bildergalerie zeigen wir Eindrücke des Widerstandes:

25 Jahre Baustopp der WAA

Lesen Sie mehr:

Vor 30 Jahren ließ die bayerische Staatsregierung das Hüttendorf auf dem WAA-Gelände räumen. Bürger widersetzten sich.

1989 kam das Aus für die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf. Die MZ fragt Experten, wie die WAA die Oberpfalz verändert hätte.

Alle Informationen zum Widerstand gegen die WAA finden Sie in unserem MZ-Spezial.

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Das Buch zur Serie

  • Die Zeitung:

    Donnerstag war in Regensburg WOCHE-Tag. Die Stadt wartete auf die einzige wöchentlich erscheinende regionale Boulevardzeitung Deutschlands. Der damalige Chefredakteur Josef „Jupp“ Titz und WOCHE-Redakteur Manfred Rohm erinnern sich an die besten Geschichten aus 30 Jahre.

  • Das Buch:

    Das Buch „Die Woche bringt es an den Tag“ ist im Gietl-Verlag erschienen und kostet 29,90 Euro.

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