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Regensburg
Freitag, 17. August 2018 31° 2

Nahverkehr

Streik legt Stadtbuslinien lahm

Warnstreik der Regensburger Busfahrer trifft Pendler, Schüler und Studenten im Stadtgebiet. Linien aus dem Landkreis fahren.
Von Simone Grebler, Helmut Wanner, Ernst Waller, Felix Jung und Daniel Steffen

Bis zum frühen Vormittag sollen die Streiks andauern. Foto: Archiv
Bis zum frühen Vormittag sollen die Streiks andauern. Foto: Archiv

Regensburg.Weil die Busfahrer an diesem Mittwoch, 13. Juni, streiken, fallen alle Busse von Betriebsbeginn bis zum frühen Vormittag aus. Darüber informierte das Stadtwerk. Der Grund ist ein von der Gewerkschaft Verdi organisierter Warnstreik. Wie Pressesprecher Martin Gottschalk bestätigte, müssen in diesem Zeitraum alles Buslinien im Stadtbusverkehr entfallen. Also auch die Schulbuslinien, die Campus- und Express-Linien. „Es wird zu Behinderungen kommen. Aber wir können die Unannehmlichkeiten nur bedauern“, sagte Martin Gottschalk.

Die Regionalbuslinien aus dem Landkreis in die Stadt hingegen fahren, betonte Josef Weigl, Geschäftsführer des RVV und der Nahverkehrsgesellschaft, gegenüber der Mittelbayerischen.

Die städtischen Busse fahren normalerweise ab 4.30 Uhr. Das bedeutet alle Pendler, Schüler und Studenten sind von dem Warnstreik betroffen. Etwa vier Stunden soll der Streik dauern, der den kompletten morgendlichen Berufsverkehr flachlegen wird. Ein genaues Ende der Streikmaßnahme gab Verdi nicht bekannt.

Schulen wurden mit Telefonkette verständigt

Die Schulen in Regensburg wurden von den Kampfmaßnahmen kalt erwischt. Wie bei Glatteis im Winter griffen aber vorbereitete Notfallpläne. Der stellvertretende Schulamtsdirektor für die 80 Grund- und Mittelschulen Regensburgs, Clemens Sieber, bestätigte, dass noch am Dienstag in einer Telefonkette von sogenannten Koordinatoren alle Schulen verständigt wurden. Gleichzeitig schickte Sieber eine entsprechende schriftliche Erklärung an alle Schulen. Es sei zu beachten, dass der Unterricht stundenplangemäß stattfindet. Ähnliche Maßnahmen wurden für die neun Gymnasien in Stadt und Landkreis Regensburg sowie für die Realschulen ergriffen.

„Was soll das denn? Wie kann eine Gewerkschaft so kurzsichtig sein?“

Elisabeth Zehetbauer, Vorsitzende des Elternbeirat am Siemens-Gymnasium

Bei den Elternvertretern kam der überraschende Warnstreik von Verdi nicht gut an. „Was soll das denn? Wie kann eine Gewerkschaft so kurzsichtig sein?“, fragte sich die Vorsitzende des Elternbeirats am Siemens-Gymnasium, Elisabeth Zehetbauer, mit Blick auf die am Mittwoch noch anstehenden Abiprüfungen. Sie sei nicht gegen Streiks, die das gute Recht der Arbeitnehmer seien.

Streik genau während der Abiprüfungen

Aber gerade angesichts der anstehenden wichtigen Prüfungen, bei denen für die Schüler viel auf dem Spiel stehe, sei der Streik zu kurzfristig. So etwas müsse rechtzeitig angekündigt werden, damit sich die Schüler darauf einstellen können. Die Gewerkschaft habe auch eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft.

Die Elternbeirats-Vorsitzende erfuhr aufgrund Nachfrage der Mittelbayerischen von dem geplanten Streik. Sie versuchte sofort, möglichst viele Eltern über eine Info-Kette an der Schule zu erreichen.

„Das trifft uns völlig unvorbereitet.“

Susanne Reimann, Pressesprecherin von Continental

„Das trifft uns völlig unvorbereitet“, sagt Susanne Reimann, Pressesprecherin von Continental Regensburg. Man werde jetzt versuchen, per Intranet zu informieren. Die Mitarbeiter der Nachtschicht könnten nicht mehr rechtzeitig erreicht werden. Die Folge: Wer hier mit dem Bus zur Arbeit gekommen ist, muss sich um 6 Uhr früh eine kurzfristige Alternative organisieren. Im Sommer seien viele zum Glück auch mit dem Fahrrad unterwegs, erklärt Reimann. Viele Mitarbeiter der Spätschicht kämen auch mit dem Auto. Wie viele Continental-Mitarbeiter von diesem Streik betroffen sind, ist unklar.

Für das BMW-Werk hat der Streik hingegen wohl kaum Konsequenzen. Andreas Sauer, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei BMW Regensburg: „Wir haben einen eigenen Werksbusverkehr, der die Mitarbeiter bis zum Werk bringt, damit morgens um 5 Uhr die Bänder angehen. Der Werkbusverkehr hat 35 Linien und wird von örtlichen, privaten Busunternehmern organisiert.“ Für die übrigen Kollegen, die den Nahverkehr nutzen, wurde eine Meldung im Intranet veröffentlicht, damit sich die Mitarbeiter entsprechend darauf einstellen können. Das betreffe aber nur die Büromitarbeiter, die in Gleitzeit arbeiten.“

Verdi ruft für Mittwoch zum Streik auf

Wie Gewerkschafterin Nicole Rufin zur Mittelbayerischen sagte, könne sie noch nicht sagen, ob alle Busfahrer dem Warnstreik-Aufruf von Verdi folgen werden. „Sollte es über Nacht eine Einigung geben, werden wir natürlich nicht streiken“, sagte Rufin. Etwa vier Stunden soll der Streik dauern, der den kompletten morgendlichen Berufsverkehr flachlegen wird.

Hintergrund ist der Tarifkonflikt im öffentlichen Nahverkehr. Verdi verlangt für die rund 6300 Beschäftigten der Nahverkehrsbetriebe in den Städten und Gemeinden im Freistaat sieben Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, mindestens aber 220 Euro mehr sowie weitere Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen. Den Arbeitgebern warf Verdi-Verhandlungsführer Norbert Flach eine „Blockadehaltung“ vor, da sie lediglich den Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst übertragen wollten. „Die Arbeitgeber sind dabei, die historische Chance für die Stärkung des Nahverkehrs zu verschlafen.“

Busse der privaten Busunternehmer fahren

Die Streiks betreffen ausschließlich die kommunalen Verkehrsbetriebe. Die Busse der privaten Busunternehmen und Regionalbusgesellschaften fahren morgen uneingeschränkt. Das teilte der Landesverband Bayerischer Omnibusunternehmen mit. Der LBO ist in Bayern Tarifpartner von Verdi für das private Omnibusgewerbe. Die zwischen LBO und Verdi abgeschlossenen Tarifverträge laufen erst am 31. August 2020 aus. Für das Fahrpersonal ist der Lohntarifvertrag Nr. 28 in weiten Teilen allgemeinverbindlich.

Lesen Sie auch: Anfang des Jahres kämpfte die RVB gegen die Grippewelle. Zahlreiche Busse fielen aus.

Der Kommunale Arbeitgeberverband Bayern hatte im Mai erklärt, man sei für Verbesserungen offen, sehe die Grenze aber bei der im April in Potsdam erzielten Tarifeinigung für den öffentlichen Dienst. Dort hatten die Tarifparteien Einkommenserhöhungen von insgesamt 7,5 Prozent in drei Schritten bei 30 Monaten Laufzeit für die 2,3 Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen beschlossen. Aus Sicht Flachs reicht das aber auch mit Blick auf die angespannte Personalsituation bei Bussen, U- und Trambahnen in Bayern nicht aus.

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