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MZ-Serie

Streit um den Wert des Jahn-Stadions

Anfang der 1970er Jahre gab es Ärger zwischen der Stadt Regensburg und dem SSV Jahn. Die WOCHE mischte kräftig mit.

Mehr als 1,8 Millionen Mark wollte der Stadtrat in den 1970er Jahren nicht für das Fußballstadion des SSV Jahn locker machen.
Mehr als 1,8 Millionen Mark wollte der Stadtrat in den 1970er Jahren nicht für das Fußballstadion des SSV Jahn locker machen.

Regensburg.Ein Fußballfan kann über seinen Verein schimpfen, und er kann bei Fehlentwicklungen leiden, aber er wird ihn immer gegen Dritte verteidigen. Insofern war die WOCHE immer ein Fan des SSV Jahn Regensburg. Kritik über Misswirtschaft im Verein gab es zuhauf, und der SSV bot der Redaktion ja auch immer wieder genügend Stoff. Aber wehe man war der Meinung, die Stadt ließe es an der notwendigen Unterstützung der Rot-Weißen fehlen …

Auf dem Verein lasteten Schulden

Das war zum Beispiel Anfang der 1970er Jahre der Fall. Jahrzehntelang hatte der Jahn im vereinseigenen Stadion den Regensburger Fußball vertreten – mal besser, mal schlechter. Jetzt wollte (musste) der SSV das Stadion verkaufen, um schuldenfrei zu werden. Und die Stadt erklärte sich durchaus bereit, seinem sportlichen Aushängeschild ein bisschen mehr (finanziellen) Spielraum zu verschaffen.

Wobei die Betonung durchaus auf dem Begriff „ein bisschen“ lag, denn mehr als 1,8 Millionen Mark wollte der sozialdemokratisch dominierte Stadtrat nicht locker machen. Die oppositionelle CSU unterstützte dagegen die Forderung des Vereins, die bei 2,5 Millionen Mark lag.

Auf welcher Seite die WOCHE dabei stand, ist nicht schwer zu erraten: „Stadt lässt den Jahn verhungern“ titelte sie und drückte damit das Gefühl der Fans an den Fußballstammtischen aus.

„Stadt lässt den Jahn verhungern“ titelte die WOCHE am 31. Mai 1973.
„Stadt lässt den Jahn verhungern“ titelte die WOCHE am 31. Mai 1973.

Mit Lizenzrückgabe gedroht

Zwei Argumente führte die Redaktion gegen die Entscheidung der Stadtratsmehrheit ins Feld: zum einen den Wert des Grundstücks, den man bei fünf Millionen Mark verortete, und zum anderen die Tatsache, dass der Verein mit den 1,8 Millionen zwar die Schulden tilgen konnte, dass dann aber nicht mehr genügend Geld übrigblieb, um den Vereinsetat längerfristig auszugleichen. Also drohte die Vorstandschaft vorsorglich schon mal mit der Rückgabe der Lizenz für die zweite Liga.

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Die WOCHE wusste auch noch von Alternativen: Zum einen könnte man einen privaten Käufer suchen, der dem Jahn das Nutzungsrecht einräumt, bis die Stadt ein neues Stadion gebaut hat. Auch ein Darlehen der Stadt an den Verein, mit dem man die drängendsten Schulden hätte bedienen können, war im Gespräch.

Trotz aller Kritik: Die Stadt wusste sich am längeren Hebel – und so blieb es bei den 1,8 Millionen Mark, die den Jahn kurzfristig retteten. Doch die Misswirtschaft im Verein ging noch einige Jahrzehnte weiter, und Fans und WOCHE hatten noch viel zu leiden und viel zu schimpfen.

Weitere Teile unserer Serie über die Schlagzeilen aus der WOCHE lesen Sie hier:

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