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Justiz

Strohhalm: Schläger muss in Forensik

Ein psychisch kranker Mann hatte eine Köchin (66) mit einem Messer bedroht und blutig geschlagen. Er leidet an Schizophrenie.
Von Marion von Boeselager

Im Strohhalm in der Keplerstraße bedrohte der Angeklagte die Köchin mit einem Messer.  Archivfoto: Haala
Im Strohhalm in der Keplerstraße bedrohte der Angeklagte die Köchin mit einem Messer. Archivfoto: Haala

Regensburg.Er sei eine Gefahr für die Allgemeinheit, lautete die Prognose des psychiatrischen Sachverständigen für einen 62-jährigen Regensburger. Der Mann war mit einem Messer auf eine ehrenamtliche Strohhalm-Mitarbeiterin und einen Nachbarn losgegangen und hatte die 66-jährige Frau durch Schläge erheblich verletzt. Jetzt entschied die 5. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Georg Kimmerl: Der Beschuldigte wird dauerhaft in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen, da von ihm in Freiheit mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere erhebliche Straftaten zu erwarten seien. Auch Tötungsdelikte sind laut Gutachter nicht auszuschließen. Die Kammer schloss sich der Prognose an.

Der Zustand des an paranoider Schizophrenie erkrankten Mannes hatte sich in den letzten Jahren verschlechtert. Die Staatsanwaltschaft warf ihm gefährliche Körperverletzung, Bedrohung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und versuchte Nötigung vor.

Messer an die Kehle gehalten

Verteidiger Johannes Büttner (rechts) sprach sich gegen eine Unterbringung seines Mandanten aus. Foto: Boeselager
Verteidiger Johannes Büttner (rechts) sprach sich gegen eine Unterbringung seines Mandanten aus. Foto: Boeselager

Wie die Mittelbayerische berichtete, war der Regensburger im Juli vergangenen Jahres frühmorgens vor der noch verschlossenen Tür des „Strohhalm“, der Hilfseinrichtung für Bedürftige in der Keplerstraße, gestanden. Die gutmütige Köchin, die schon mit der Zubereitung des Mittagessens beschäftigt war, hatte den Mann dennoch eingelassen, da er austreten wollte. Danach wollte er frühstücken. Da müsse er sich noch gedulden, antwortete die Frau. Es sei ja eigentlich noch geschlossen. Frühstück gebe es etwas später. Als er seinen Willen nicht bekam, rastete der Gast aus. Er zückte ein Messer, verlangte erneut: „Ich will ein Frühstück!“ und hielt die Waffe der Frau an die Kehle.

Sie drohte mit der Polizei. Vor Gericht erinnerte sich die Köchin, dass der rabiate Gast sogar eine Schneidebewegung vor ihrem Hals machte und drohte: „Wenns‘d noch was sagst, schneid‘ ich Dir die Kehle durch.“

Als die Frau dennoch die Ordnungshüter verständigte, versetzte ihr der Mann drei wuchtige Schläge auf den Kopf mit seiner Tasche, in der sich eine Metallspraydose befand. Die 66-Jährige erlitt eine zwei Zentimeter lange, blutende Kopfplatzwunde, die im Krankenhaus genäht werden musste, und einen Kreislauf-Zusammenbruch.

„Beim Beschuldigten fehlt jede Krankheitseinsicht.“

Georg Kimmerl, Richter

Zudem soll der Beschuldigte im Keller seines Wohnhauses in der Altstadt einen Nachbarn mit „Umbringen“ bedroht und ihm ein spitzes Küchenmesser entgegengehalten haben. Der Geschädigte rief die Polizei, die mit sechs Beamten in voller Schutzmontur mit Schutzschild vor der Wohnung des Regensburgers anrückte. Dieser erklärte, er werde sein „Eigentum verteidigen und jeden abstechen, der reinkommt“. Erst unter Einsatz von Pfefferspray konnte der Mann überwältigt werden.

Der Beschuldigte hatte in seiner Einlassung beteuert, die Köchin habe ihn angegriffen. Er habe sich nur mit der Tasche verteidigt. Die Frau habe ihn am Arm gepackt. Ansonsten habe er „nichts gemacht“. Die Köchin versicherte indes vor Gericht: „Ich habe den Mann nicht angerührt.“ Auch beim Vorfall mit dem Nachbarn machte der 62-Jährige Notwehr geltend: Der Anwohner habe ihn mit einer Stange verfolgt.

Unterbringung

  • Begriff:

    Unterbringung ist eine freiheitsentziehende Maßnahme. Sie bedeutet die gerichtlich angeordnete Einweisung eines Betroffenen in die geschlossene Abteilung einer Fachklinik.

  • Ursachen:

    Meist wird bei schizophrenen Erkrankungen, manchmal auch bei manisch-depressiven Erkrankungen oder bei krisenbedingten Suizidabsichten untergebracht.

Der Nachbar sagte hingegen, er habe erst als Reaktion auf die Messerattacke zu einer Stange gegriffen. Das Gericht folgte den Angaben der Geschädigten, die ohne Belastungseifer aussagten. Die Version des Angeklagten sei „unrichtig“.

Als die Polizei ihn kurz nach dem Strohhalm-Vorfall in Stadtamhof aufgriff, war der Beschuldigte so verwirrt, dass er „Aliens“ hinter den Ordnungshütern sah. Bereits 2017 gab es gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen sexueller Belästigung: Er hatte am Hauptbahnhof eine Frau unsittlich berührt. Das Verfahren wurde aber wegen Schuldunfähigkeit eingestellt.

Keine Krankheitseinsicht

„Beim Beschuldigten fehlt jede Krankheitseinsicht“, sagte der Vorsitzende Richter Kimmerl in der Begründung des Urteils, mit der das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgte. „Er fühlt sich gesund und sagt, er bedürfe keiner weiteren Behandlung.“ Auch fühle er sich in seiner verzerrten Wahrnehmung „weiter vom Nachbarn bedroht.“ Im Moment sei der 62-Jährige in der Klinik gut eingestellt. Er habe sich dort auch bei einem Konflikt besonnen verhalten. Doch habe er in Freiheit seine Medikamente nicht eingenommen. Dies sei auch künftig von ihm zu erwarten.

Verteidiger Johannes Büttner hatte sich in seinem Plädoyer gegen eine Unterbringung ausgesprochen: Dies sei ein Grenzfall. Sein Mandant habe mit dem Messer nur gedroht, es aber glücklicherweise nicht eingesetzt.

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