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Universität

Studenten werden wieder politischer

Der konservative RCDS feiert sein 50-jähriges Bestehen als Hochschul-Organisation. Er setzt heute auf pragmatische Ziele.
Von Leopold Zaak

Gut 21000 Studierende besuchen die Universität Regensburg. Uni-Politik spielt für sie seit einigen Jahren wieder eine größere Rolle. Foto: Knobloch

Regensburg.Eingeworfene Fensterscheiben, besetzte Hörsäle, Dozenten, die vor ihren Studenten Angst haben. Wenn Ursula Männle von ihrer Zeit an der Universität Regensburg erzählt, hat man das Gefühl, die Geschichten kommen aus einer anderen Zeit. Der Bildungsstreik von 2009 und die Diskussionen über das Semesterticket 2011 – verglichen mit den ausgehenden 60er-Jahren ein politischer Kinderfasching.

In diesen 50 Jahren hat sich die Protestkultur stark gewandelt. Ursula Männle, ehemalige Staatsministerin im bayerischen Landtag und heutige Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, erinnert sich: „Die Studentenschaft ist über viel unpolitischer geworden.“

„Ein verschworener Haufen“

Obwohl es die Studenten nicht mehr auf die Straßen zieht, sieht Männle einen neuen Trend. „In den letzten Jahren steigt das politische Engagement an den Hochschulen wieder, da passiert etwas.“ Sie blickt dabei stolz auf die 150 Mitglieder des Rings Christ-Demokratischer Studenten (RCDS) Regensburg. Am Montag feierte der Studentenverband im Kolpinghaus sein 50-jähriges Bestehen. Der Lehrbetrieb an der Universität war nur wenige Tage alt, als er 1967 gegründet wurde.

„Wir waren damals ein verschworener Haufen“

Ursula Männle, ehemalige Staatsministerin

Als Studentin der Politikwissenschaft und Soziologie war Ursula Männle als Gründungsmitglied dabei. „Wir waren damals ein verschworener Haufen“, erinnert sich die 73-jährige. Der RCDS wollte ein politisches Gegengewicht zu den „Anderen“ sein, die Studentenbewegungen auf der linken Seite. Ein konservativer Verein als Gegenbewegung gegen eine Protestbewegung? Heute schwer vorstellbar, aber damals verstand sich der RCDS vor allem als Verhinderer.

Sein 50-jähriges Bestehen feiert der RCDS Regensburg. Im Bild die aktuelle Vorstandschaft mit Vorsitzendem Sebastian Aholt (4. v. li.) Foto: RCDS

Verhindern wollte der RCDS die Blockaden der Protestbewegungen. „Im Nachhinein wurde da einiges glorifiziert“ meint Männle. „Die linken Studenten haben mit ihren Aktionen nicht nur den Betrieb gestört, sondern auch Einfluss auf die Lehre an sich genommen.“ In den Sozialwissenschaften, deren Studium und Lehre die Bewegungen radikal ändern wollten, wurden tatsächlich zumeist Studenten aus dem linken Spektrum für universitäre Anstellungen ausgewählt. In dieser Entwicklung sah sich der RCDS als Gegengewicht und das tut er heute noch.

Hochschulpolitik ist ein Bereich, der sich in der Landespolitik schwertut. Langfristige politische Arbeit ist auf hochschulpolitischer Ebene schlicht nicht möglich. „Die Universität ist nur ein Abschnitt im Leben, heute noch viel kürzer als früher.“ Trotzdem erfüllt diese Arbeit wichtige Aufgaben, meint Männle. „Bildung und Freiheit in der Bildung sind das allerwichtigste – gute Hochschulpolitik kann Strukturen dafür schaffen.“

Parkplätze und Automaten

Strukturen für Bildung an Hochschulen, wie sehen die aus? Der Regensburger CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Aumer erinnert sich an seine eigene Zeit an der Fachhochschule Regensburg: „Die Parkplätze waren damals schon zu wenig, das ist heute noch so.“ Der Vorsitzende des RCDS, Sebastian Aholt, denkt an Getränkeautomaten. „Im Wirtschaftsgebäude stehen fünf, bei den Chemikern kein einziger.“ Strukturen an der Uni, das sind einfache, alltägliche Dinge. „Der RCDS will diese Dinge umsetzen, ganz pragmatisch“, sagt Aholt.

Bei den Problemen sind sich die meisten Hochschul-Parteien in Regensburg einig. Parkplätze, Toiletten, Verringerung des Auslagenersatzes, überall sollen Veränderungen her. Die Geister scheiden sich bei der Umsetzung. Es entstehen Konflikte, die eine thematische Auseinandersetzung oft verhindern. „Die Bunte Liste weigert sich, mit uns zu reden. Sie wissen nicht warum, wir auch nicht“, sagt Aholt.

Unipolitik heute

  • Wahlen:

    Ursula Männle sieht in der aktuellen Wahlbeteiligung von bis zu 25 Prozent ein gutes Zeichen: „1967 hatten wir die erste große Koalition. Viele Studenten wurden politisch.“ Sie erkennt viele Parallelen zu heute, 50 Jahre später.

  • Ziel:

    In dieser Politisierung will der RCDS Werte vermitteln. Peter Aumer spricht von „Verantwortung, die den RCDS zu einer Marke macht“.

Die Parteiarbeit an der Uni macht für ihn trotzdem Sinn: „Parteien sind unabhängig von der Universität, ganz egal aus welcher politischen Richtung. Gibt man die Verantwortung an die Fachschaften ab, verlieren die Studenten den Einfluss, den sie verdienen.“ Parteien haben auch die Aufgabe, Studenten politisch zu aktivieren. „Das gelingt vor allem den Linken.“, sagt Aholt. Mobilisierung von Studenten, da ist man beim RCDS ein bisschen neidisch auf die Konkurrenz.

„Das ist doch selbstverständlich“, meint Ursula Männle. „Linke Parteien an der Universität haben eine große, neue Vorstellung von Lehre und universitärer Gesellschaft, da sind oft revolutionäre Gedanken dabei. Bei jungen Leuten kommt das gut an.“ Eine konservativ geleitete Politik an Hochschulen kann da bisweilen uninteressant klingen. „Konservative wollen innerhalb eines bestehenden Systems Dinge verändern“, sagt Männle.

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