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Tradition

Sudetendeutsche feiern Volkstumsabend

Die Spielscharen schenkten den Besuchern in der Donauarena einen Abend voller Freude und Fröhlichkeit.
Von Gabi Hueber-Lutz

Die jungen Leute haben sichtlich Spaß am Volkstanz Foto: Gabi Hueber-Lutz
Die jungen Leute haben sichtlich Spaß am Volkstanz Foto: Gabi Hueber-Lutz

Regensburg.„Lebensfreude“ – so lautete das Motto des Volkstumsabends der sudetendeutschen Spielscharen. Sie hatten am Samstagabend anlässlich des 70. Sudetendeutschen Tags in die Donau-Arena geladen und eine große Besucherzahl war dieser Einladung gefolgt.

Als die Egerland-Jugend gleich zum Auftakt der Darbietungen den Bleistädter tanzte, war diese Lebensfreude schnell mit Händen greifbar. Die Tänze gingen ins Blut, so mancher der Besucher wippte mit. Genauso wie sich viele Lippen bewegten, als die vertrauten Volkslieder angestimmt wurden. „Wenn alle Brünnlein fließen ...“, das kannte wohl jeder im Rund der Donau-Arena.

Dr. Zuzana Finger (links) und Sylvia Stierstorfer zeichnen Rosina Reim (rechts) aus. Foto: Gabi Hueber-Lutz
Dr. Zuzana Finger (links) und Sylvia Stierstorfer zeichnen Rosina Reim (rechts) aus. Foto: Gabi Hueber-Lutz

Dr. Zuzana Finger, die Heimatpflegerin der Sudentendeutschen, freute sich sehr, dass so viele junge Menschen unter den Mitwirkenden waren und dass auch die junge Generation das sudetendeutsche Volkstumserbe pflegt. Der Volkstumsabend sei einer der Höhepunkte im Programm, sagte sie.

Auch die Landtagsabgeordnete Sylvia Stierstorfer strahlte, weil die Halle so gut gefüllt war. Sie sprach als Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene ein Grußwort. Ob ihrer eigenen sudetendeutschen Wurzeln, hieß sie ihre „lieben Landsleute aus Nah und Fern“ herzlich willkommen und versicherte ihnen: „Wenn Sie ein Anliegen haben, ich bin gerne ihre Kümmerin.“

Im Gedächtnis behalten

Alles, was gut gelingen und Bestand haben soll, braucht Menschen, die sich intensiv damit befassen. Finger und Stierstorfer zeichneten an diesem Abend deswegen zwei Frauen mit der Adalbert-Stifter-Medaille aus, die sich mit ihrem Engagement große Verdienste erworben haben. Ingrid Sauer war sehr überrascht, als sie auf die Bühne gebeten wurde. Sie widmet sich intensiv der Sammlung und Archivierung von Nachlässen und der Aufarbeitung der Bestände des Sudetendeutschen Instituts.

Eine Bildergalerie vom Sudetendeutschen Tag sehen Sie hier:

Sudetendeutscher Tag in Regensburg

Eigentlich brauche sie Ingrid Sauer gar nicht vorzustellen, denn jeder hier kenne sie, sagte Dr. Finger. Ist die Geehrte doch eine „zentrale Stütze des Gedächtnisses der Sudetendeutschen Volksgruppe“. Die zweite Frau, die an diesem Abend ausgezeichnet wurde, war Rosina Reim, die sich in unermüdlichem Einsatz für die deutsche Kultur in ihrer Heimat „Wischauer Sprachinsel“ um die Volksgruppe verdient gemacht hat. „Ich mach` weiter, das ist mein Leben“, versicherte die Geehrte lächelnd.

Regisseur und Moderator des Abends war Roland Hammerschmied. In der Egerländer Tracht und wechselweise mit Mikrofon oder mit der Quetschen in der Hand, brachte er Informationen und Witz unter die Leute. Größter Wert werde bei den Sudetendeutschen auf die Trachten gelegt, die vielfach selbst gefertigt seien, erläuterte er. Und wandte sich dann an einen der Mitwirkenden: „Alexander, hast dei Lederhos`n selber geschneidert?“ Da musste Alexander dann doch passen. Nach und nach traten die Gruppen auf. Jede für sich ein wahrer Augenschmaus in ihren wunderbaren Trachten. Die einen beeindruckten durch ihre Klangfülle, die anderen durch ihre akkuraten Tänze. Manchmal wehmütig und besinnlich, manchmal laut und temporeich zeigten die Spielscharen alle Facetten ihres Könnens. Der Applaus für jede Gruppe war groß.

Der Iglauer Singkreis hatte viele Lieder und eine Polka dabei. Foto: Gabi Hueber-Lutz
Der Iglauer Singkreis hatte viele Lieder und eine Polka dabei. Foto: Gabi Hueber-Lutz

Die Jugendtanzgruppe aus Mährisch-Trübau erntete am Ende Bravo-Rufe. Auch für das Publikum war es schön, zu sehen, dass junge Leute die Traditionen pflegen. Und wenn, wie Moderator Hammerschmied bei der Vorstellung der Egerland-Jugend sagte, „Berufsjugendliche“ darunter waren, so tat das der Freude auch keinen Abbruch.

Guter Kontakt zum Publikum

Auf der Bühne boten alle Gruppen einen beeindruckenden Anblick und auch das Verlassen der Bühne gehörte zum Auftritt dazu. Fröhlich winkend drehten sie eine Runde dort, wo sonst die Eishockeyspieler an die Bande donnern, und winkten den Gästen im Innenraum und auf den Rängen der Donau-Arena zu. Die klatschten sie aufmunternd hinaus, während auf der Bühne schon die nächste Gruppe Aufstellung nahm.

Impressionen vom Volkstumsabend der sudetendeutschen Spielscharen Foto: Gabi Hueber-Lutz
Impressionen vom Volkstumsabend der sudetendeutschen Spielscharen Foto: Gabi Hueber-Lutz

Am anderen Ende des Saals waren Holzbuden zu einem Böhmischen Dorffest arrangiert. In großen Lettern wurde hier so manche Spezialität aus der alten Heimat der Besucher angepriesen. Reichenberger Räucherwürste, Kolatschen und Palatschinken. Oder Liwanzen, das traditionsreiche Hefe-Gebäck aus Böhmen. Die kleinen Gebäckteile schmurgelten in der speziellen Liwanzen-Pfanne und dufteten herrlich. Sehen, hören, riechen, schmecken - mit allen Sinnen wurde sudetendeutsche Kultur genossen.

Am Ende des Abends war die Bühne dann voll. Alle teilnehmenden Gruppen hatten sich auf dem Podium versammelt. Ein schönes Schlussbild. Hammerschmied dankte Dr. Zuzana Finger und überreichte ihr einen Blumenstrauß, denn „ohne sie hätte es diesen Abend gar nicht gegeben.“

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Und dann intonierten Musikanten und Sänger das letzte Lied: Kein schöner Land. Die Menschen im Rund der Arena standen nach und nach auf, stimmten mit ein, ein großer Chor füllte die Halle. Zunächst begleitet von den Musikern, dann a cappella, um bei der letzten Strophe noch einmal in das volle Klangbild einzutauchen. Die Ergriffenheit aller brach sich zum Schluss in einem großen Applaus Bahn.

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