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Fussball-Schlager

Tausende Jahn-Fans gehen leer aus

Den freien Verkauf für das Relegations-Heimspiel startet der Jahn erst gar nicht mehr. Ein Online-Spekulant bekam kalte Füße.
Von Norbert Lösch, MZ

Da war schon immer Zündstoff drin: Bei der letzten Begegnung des Jahn mit den Münchner Löwen Ende 2012 – damals noch im alten Stadion – zündeten einige der im gesamten Rund verteilten Sechzger-Fans Pyrotechnik. Die jetzt in die Erste Liga aufgerückte Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus unterbrach deswegen sogar das Spiel kurzzeitig. Archivfoto: dpa
Da war schon immer Zündstoff drin: Bei der letzten Begegnung des Jahn mit den Münchner Löwen Ende 2012 – damals noch im alten Stadion – zündeten einige der im gesamten Rund verteilten Sechzger-Fans Pyrotechnik. Die jetzt in die Erste Liga aufgerückte Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus unterbrach deswegen sogar das Spiel kurzzeitig. Archivfoto: dpa

Regensburg.Einen solchen Ansturm auf Tickets hat der Jahn selbst eine Spielklasse höher ganz selten erlebt: Keine 48 Stunden nachdem sich die Rothosen den Relegationsplatz in der 3. Liga gesichert hatten, waren sämtliche Karten für das Heimspiel am Freitag gegen den TSV 1860 München restlos vergriffen. Die Ankündigung der Klub-Verantwortlichen, am Dienstag nach den Dauerkartenbesitzern und Mitgliedern auch den „normalen“ Fan bedienen zu wollen, ist damit hinfällig.

Die laut Jahn-Pressesprecher Martin Koch „enorme“ Nachfrage hatte zwischenzeitlich seltsame Blüten getrieben. Wenn Tickets rar werden, ruft das nämlich nicht nur im Vorfeld von Fußballspielen Spekulanten auf den Plan. So auch ein Mann aus Brunn, der drei Karten für die Westtribüne auf einer Online-Plattform versteigern wollte. Stundenlang schien es am Montagmorgen, dass der Anbieter einen guten Reibach machen sollte: Bei 350 Euro stand das Gebot für die drei Karten, für die er selbst keine 100 Euro bezahlt hatte.

Aufmerksame Fans, die eine solche Geschäftemacherei schlicht für eine Schweinerei halten, diskutierten nicht nur kräftig in ihrem Online-Forum über solche Auswüchse, sondern informierten auch den Verein. Der drohte dem Anbieter wegen eines Verstoßes gegen die Geschäftsbedingungen mit einem Hausverbot: Zu den Sitzplätzen, deren Nummern offen sichtbar waren, hätten weder er noch die Käufer Zutritt ins Stadion bekommen. Statt sich über eine Gewinnmaximierung zu freuen, bekam der Anbieter daraufhin plötzlich kalte Füße – und nahm seine Auktion mittags vom Netz.

Wie groß die Nachfrage tatsächlich war und ist, lässt sich laut Martin Koch angesichts der Tatsache erahnen, dass nach anderthalb Tagen alle Tickets weg waren und auch der Gegner sein Kontingent von 1700 Karten schon längst an den Mann gebracht hat. Es sei zwar hypothetisch, aber auch beim Jahn gehe man davon aus, dass man schon zum jetzigen Zeitpunkt – Montagnachmittag – einige tausend Tickets mehr hätte verkaufen können.

Einige Fans, die leer ausgegangen waren, kritisierten das Prozedere, den Vorverkauf zunächst auf Dauerkartenbesitzer und Vereinsmitglieder zu beschränken. Pressesprecher Koch bittet um Verständnis: „Das ist gängige Praxis und wird von uns wie auch von vielen anderen Vereinen so gehandhabt. Übrigens ist das Vorkaufsrecht für Sonderspiele ein klar kommunizierter Vorteil unserer Mitgliedschaft und Dauerkarte. Es war uns vor allem wichtig, dass zunächst ausschließlich Jahnfans zum Zug kommen, und das wäre über einen freien Verkauf nicht darstellbar gewesen. Natürlich tut es uns für jeden Fan leid, der die Partie nicht live im Stadion verfolgen kann. Das ist leider ein unvermeidbarer Nebeneffekt der überwältigenden Nachfrage.“

Kritisiert wurde auch, dass der Jahn den freien Verkauf über den Onlineshop einschränken wollte. Dort hätten Jahn-Fans ab heute bis zu sechs Tickets ordern können – allerdings nur dann, wenn sie bereits den Bestandskunden-Status haben, also schon einmal auf diesem Weg Tickets bestellt haben. Im Netz wurde heftig darüber diskutiert, warum es der Klub „normalen“ Kunden so schwer macht, an Karten zu kommen. Die einen sahen voraus, dass am Ende weitgehend nur Mitglieder, Dauerkartenbesitzer oder Wiederholungstäter samt Anhang zum Zug kommen, während andere posteten, auf Fans, die den Jahn erst jetzt, im Erfolgsfall, entdecken, könne man getrost verzichten.

Public Viewing auf der Dult

Derweil richten sich viele Fußballfreunde darauf ein, sich zumindest das wichtige Heimspiel am Freitag (18 Uhr) in der Glotze anzuschauen. Dabei wird es vermutlich einige Gelegenheiten zum Gemeinschaftserlebnis geben. So hat gestern der erste Dult-Wirt reagiert und angekündigt, das Spiel in voller Länge im Hahn-Zelt zu zeigen. „Wir sind alle Fußball-Fans und fiebern bereits dem Spiel am Freitag entgegen“, sagt Serviceleiterin Tanja Göbel. Extra für die Relegation würden deshalb die Flatscreens, auf denen sonst zumeist nur internationale Spielbegegnungen übertragen werden, im Zelt platziert. Allerdings bleibt der Ton aus – den Kampf auf dem Rasen begleitet stattdessen die Party-Band „Stoapfälzer Spitzbuam“, so Festwirt Michael Hahn im Vorfeld.

Thomas Wiesinger (Mitte) mit einigen Getreuen des Sechzger-Fanclubs „Bruckmandl Löwen“ Foto: Wiesinger
Thomas Wiesinger (Mitte) mit einigen Getreuen des Sechzger-Fanclubs „Bruckmandl Löwen“ Foto: Wiesinger

Ein Interview mit dem Vorsitzenden des einzigen Regensburger 1860-Fanclubs, Thomas Wiesinger, lesen Sie hier:

Herr Wiesinger, Sie sind Vorsitzender des 1860-Fanclubs „Bruckmandl Löwen“, der Anfang 2016 in Regensburg gegründet wurde. Pikanter als die Relegations-Begegnungen mit dem Jahn geht es nicht mehr, oder?

Wiesinger: „Da haben Sie Recht. Es ist schon ein komisches Gefühl, in der eigenen Stadt zum Auswärtsspiel zu fahren. Ehrlich gesagt, in der Zweiten Liga wäre es mir lieber gewesen.“

Wie ist die Stimmung bei den Löwen-Fans angesichts des dramatischen Absturzes auf den Relegationsplatz?

„Natürlich gedrückt – vor allem, weil wir 30 Minuten gerettet waren. Aber wir geben nicht auf!“

Die Continental Arena ist für Freitag schon jetzt ausverkauft. Mit welcher Kulisse rechnen Sie beim Rückspiel in der Allianz-Arena?

„60000 sollten es schon werden. Ausverkauft wäre natürlich ein Traum.“

Die Vereinsbrille mal weggelegt: Wer hat aus Ihrer Sicht die besseren Karten, und warum?

„Na ja, der Jahn kann nur gewinnen und wir nur verlieren. Bei der Relegation wird alles auf null gestellt. Ich denke, es werden zwei sehr ausgeglichene Spiele – mit dem besseren Ende für uns.“

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